Welcher Name ist enger mit deutscher Sprache und Kultur verbunden als der von Johann Wolfgang von Goethe? Als 1951 die Kultur- und Sprachorganisation gegründet wurde, machte die Bundesrepublik den Dichter zum Namenspatron der Institute. Goethe, der Weltliterat, sollte Deutschland repräsentieren, ohne es auf einen zu engen Nationalbegriff zu begrenzen. „Eine jede Literatur ennuyiert sich zuletzt in sich selbst, wenn sie nicht durch fremde Teilnahme wieder aufgefrischt wird.“ Das hatte Goethe 1828 geschrieben und damit den Auftrag umrissen, den die Institute ausführen: durch Austausch und Dialog deutsche Kultur lebendig machen. 1952 wurde in Athen das erste Institut im Ausland gegründet, heute gibt es Einrichtungen in knapp 100 Ländern. Politische Pressionen wie jetzt in Moskau hat es häufig gegeben. Als 1987 in der ARD-Satire-Sendung „Rudis Tagesshow“ der Eindruck erweckt wurde, Ayatollah Chomeini sei von weiblichen Fans mit BHs beworfen worden, löste das einen Eklat aus. Das Goethe-Institut in Teheran musste schließen. Für die deutsch-russische Verständigung wäre es schön, wenn die angekündigte Schließung der Standorte in Russland nicht so lange dauern würde.
