SZ 19.04.2026
12:57 Uhr

(+) Alpaka-Züchter aus der Oberpfalz: Hier gewinnt die Flauschigkeit


Sie haben dichtes Fell und sind irgendwie knuffig. Trotzdem ist der große Alpaka-Boom vorbei. Auf der reihenweise ausgezeichneten Sun-Star-Farm in Trefling findet man das gut. Denn so ein Boom ist dem Tierwohl nicht zuträglich.

(+) Alpaka-Züchter aus der Oberpfalz: Hier gewinnt die Flauschigkeit

Flauschig ist das Vlies, groß sind die Augen. Die Ohren spielen aufmerksam, während sie jede Bewegung genau registrieren. Dass Alpakas das Herz höher schlagen lassen, ist nicht verwunderlich. Für Laien mögen die kuscheligen Vierbeiner alle gleich aussehen. Nicht aber für Cornelia Weinfurter.

Schon seit 2011 betreibt sie gemeinsam mit ihrem Mann die „Sun Star Alpacas“-Farm und nimmt mit ihren Tieren regelmäßig an Wettbewerben teil. Was einst mit zwei Alpakas begann, hat sich zu einer professionellen Zucht entwickelt, bei der das Paar durch eine entsprechende Auswahl der Elterntiere nach Perfektion strebt. „Unser Ziel ist es, dass ein anderer Züchter sofort erkennt, dass das Tier von der Sun-Star-Farm kommt“, erklärt Weinfurter. Als ihr Markenzeichen gelte insbesondere die perfekte körperliche Präsenz und das dichte Vlies, das beim Durchstreifen einen „Wow-Effekt“ hinterließe.

Erst vergangene Woche reiste die Familie für eine Show mit 19 Tieren von Trefling (Landkreis Cham) nach Krefeld. Über 600 Kilometer legten sie dafür mit ihrem Anhänger zurück, rund neun Stunden dauerte die Fahrt. Doch der lange Weg hat sich gelohnt: 13 erste Plätze konnten sie belegen, ebenso wie die höchste Auszeichnung „Best of Show“ mit Stute Stardust. Im Jahr 2025 erhielt das Paar außerdem den Titel der „Züchter des Jahres“.

Aber was macht ein „perfektes“ Alpaka aus? Weinfurter erklärt: „Das Tier muss in ein bestimmtes Raster passen.“ Wenn man nur den Kopf betrachten würde, sollte dieser etwa drei Viertel so lang sein wie die Rückenlinie. Der Hals müsse genauso lang sein wie die Vorderbeine; auch insgesamt sollten die Beine ebenso wie die Zahnstellung gerade sein. Beim Kopf, so Weinfurter, seien große Augen sowie eine schöne Ohrenstellung wichtig. Auch das Vlies sei von großer Relevanz, sowohl was Farbe als auch Dichte angehe. Warum aber dieses Streben nach Perfektion? „Das ist eben Zucht“, antwortet Weinfurter.

In Krefeld musste mit genau solchen Details die Alpaka-Richterin Mary-Jo Smith überzeugt werden, die eigens für den Wettbewerb aus England angereist war. Über 200 Alpakas von mehr als 40 Haltern aus ganz Deutschland stellten sich ihrem kritischen Blick.

Die Ansprüche waren hoch, denn das Vorgehen folgt einem festen Muster: In einem Ring werden die Alpakas erst vorgeführt und dabei im Gang sowie Profil betrachtet. Danach kommt der Body-Check: Es werden die Augen, Ohren und Zähne genau begutachtet. Mit der Hand fährt die Richterin dann vom Kopf über die Wirbelsäule bis hin zur Schwanzspitze. Ein kleiner Knick im Schwanz kann schon zur Disqualifikation führen, so Weinfurter. Das Vlies wird genau angeschaut, denn es soll nicht nur fein und dicht sein. Auch die Farbe muss am ganzen Körper einheitlich bleiben.

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Doch wie verkraften die Tiere den Trubel eines solchen Events? Ist das nicht eine erhebliche Belastung für die Alpakas? „Nein, sie sind es gewohnt“, erklärt Weinfurter. Andernfalls würden sie die Alpakas auch nicht zu einer solchen Show mitnehmen. „Einige von ihnen würden das nicht mitmachen“, so Weinfurter. Diese könnten dann durchaus Stress empfinden und davon sogar starke Magenprobleme bekommen.

Die Alpakas stehen bei Familie Weinfurter nicht nur während der Wettbewerbe im Mittelpunkt. Über 100 Tiere leben auf der Farm in Trefling, wodurch die Arbeit auf dem Hof niemals stillsteht. Die Leute reisen aus ganz Europa an, berichtet die Besitzerin – teils um ein Alpaka zu kaufen, teils um Urlaub auf der Farm zu machen. In zwei Ferienhäusern können die Gäste dafür unterkommen; eines davon ist laut Weinfurter das wohl größte Baumhaus Deutschlands.

Daneben stehen mehrmals die Woche begleitete Spaziergänge mit den Tieren durch den Bayerischen Wald an. Dieser direkte Kontakt führt zur unvermeidlichen Frage: Spucken Alpakas eigentlich? „Ja“, sagt Weinfurter. „Aber in der Regel nur als Machtkampf und Statusbeweis untereinander.“ Doch ergänzt sie noch eine weitere Besonderheit: Wenn eine Stute tragend ist, dann spuckt sie den Hengst an, um das zu signalisieren. „Das ist quasi wie ein Ultraschall“, sagt Weinfurter lachend. Im Hofladen werden unter anderem Mützen und Handschuhe aus der feinen Alpakawolle angeboten – Handarbeit direkt aus dem Landkreis Cham.

Den großen Alpaka-Boom der vergangenen Jahre erklärt Weinfurter als beendet. „In der Zeit war der Markt überlaufen von vielen schlecht gezüchteten Alpakas“, so Weinfurter. Diese hätten oft eine schlechte Haltung oder krumme Beine gehabt. „Ich habe gesehen, dass die Leute Alpakas mit schiefen Zähnen auf Social Media lustig finden“, sagt die Züchterin. Diese Fehlstellung könnte aber für Alpakas langfristig gesundheitliche Schäden bringen, indem sie in späteren Jahren Probleme beim Fressen bekämen. Auf dem Hof seien sie also eher froh über diesen Rückgang, den sie selbst im Geschäft gar nicht so stark spüren würden. „Im Gegenteil: Die Leute kommen aus ganz Europa zu uns, weil unsere Alpakas einen besonders guten Ruf haben“, so Weinfurter.

Zurückzuführen sei dieses Prestige mitunter auf ihre Teilnahme an den Wettbewerben, die ihnen nicht nur eine Bestätigung ihrer Arbeit, sondern ebenso ein internationales Ansehen versprechen. Auch in Zukunft möchte die Familie deshalb weiter zu solchen Veranstaltungen fahren.

Ob sie ihre Tiere schon jetzt auf die nächsten Events vorbereiten würden? Nicht wirklich, so Weinfurter. „Ein Alpaka ist gut – oder eben nicht“, erklärt sie. So bräuchte es weder eine besondere Fellhygiene noch andere Vorbereitungsmaßnahmen. Letztlich seien es bei den Alpakas die Gene, die für das Aussehen ausschlaggebend seien. Dabei bleiben die Ansprüche der Weinfurters extrem hoch: „Wir finden immer etwas, das noch nicht perfekt ist. Ich denke, genau das macht uns so gut.“

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