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14.05.2026
13:22 Uhr
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Podcaster jubeln Podcastern zu – und das ganz zu Recht: In Berlin gab es Preise für diejenigen, die uns näher kommen als viele andere Menschen.

Salwa Houmsi führte mit unwiderlegbarer, leicht neurotischer Freundlichkeit durch den Abend. Deutscher Podcast Award
Wenn Podcaster mit Podcastern über Podcasts sprechen, in ihren Podcasts, die fast immer darauf hinauslaufen, dass der Podcaster, der zu Besuch war, den Podcaster, der ihn eingeladen hat, dazu einlädt, demnächst bei ihm, in seinem Podcast, vorbeizukommen: Dann ist das nicht unbedingt ein Zeichen von Inzucht, geistiger Enge und politischer Blasenhaftigkeit. Es offenbart viel eher, wie radikal sich die Öffentlichkeit und das mediale System gewandelt haben in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren.
Seit, nur zum Beispiel, Robin Alexander seinen schönen, repräsentativen Posten als stellvertretender Chefredakteur der Welt aufgegeben hat und sich nur noch um seinen Podcast „Machtwechsel“ kümmert; seit Paul Ronzheimer mindestens einmal in der Woche mit einem kompetenten Gast eine Stunde lang über Politik spricht, so konzentriert, dass auch liberale Hörer ihm seinen Nebenberuf als stellvertretender Chefredakteur der Bild-Zeitung verzeihen; seit Micky Beisenherz mit „Apokalypse & Filterkaffee“ bewiesen hat, dass einer ein Spaßvogel sein kann und zugleich Journalist genug, dass er, wenn der Iran-Krieg ausbricht, schneller als alle Öffentlich-Rechtlichen einen Sonderpodcast mit Gilda Sahebi organisiert: Seitdem hat womöglich auch der konservativere Teil des Publikums begriffen, dass Podcasts ihm etwas zu bieten haben, etwas Neues, das dringend erfunden werden musste. Wann nimmt sich denn das Radio die Zeit, eine volle Stunde über ein einziges Thema zu reden? Und das in diesem lässigen, leicht antiautoritären und im Radio bis dahin völlig ungehörten Grundton, der die Wahrheitsfindung nur befördern kann.
"Apokalypse & Filterkaffee", "Einfach mal Luppen" und "1,5 Grad": Studio Bummens produziert sehr erfolgreiche Podcasts. Ein Hype, der sich bald wieder abschwächt? Ganz und gar nicht.
Wenn allerdings Hunderte von Podcastern mit Podcastern über Podcasts sprechen, dann ist das Ganze als Podcast nicht mehr verständlich; es ist vielmehr ein lautes, gut gelauntes Geschrei: Es ist also die Preisverleihungsparty der Deutschen Podcast Awards, die am Mittwochabend im Haus des Rundfunks in Berlin gefeiert wurde. Es war eine Party, die, schon bevor es richtig losging auf der Bühne, ein bisschen sonderbar und sehr sehenswert war. Denn der Podcaster lebt ja eigentlich im Kopf seiner Hörer, sein Aggregatzustand, wenn er keinen Videopodcast hat, ist die Unsichtbarkeit – und die Aussicht, aus diesem Dunkel herauszutreten und einen Abend lang sichtbar zu werden, hatte offensichtlich alle euphorisiert. Man sah Männer im Smoking mit Turnschuhen, Frauen, in bunte Kleider wie Pralinen eingehüllt, eine Freude am Sichzeigen, die von keinem Dresscode, keiner bürgerlichen Geschmacksnorm zur Ordnung gerufen wurde. Seltsame Garderoben, freundliche Gesichter.
Und dann, als ganz ohne sinnstiftende Einführungsreden die Preisverleihung begann, gab es gleich wieder etwas zu hören: Jubel, Rufe der Begeisterung, Schreie des Glücks. Einen Überschwang, wie man ihn bei Literatur- oder Filmpreisverleihungen nur sehr selten spürt. Es klang, als wären die Podcasts sich selbst noch immer eine Neuigkeit, als wäre das Podcasten noch immer Pionierarbeit, Entdeckungsreise, die Eroberung von Neuland. Und es klang, immer wenn die Nominierten vorgestellt wurden, so, als hätten Podcaster einen Riesenspaß dabei, anderer Leute Podcasts zu hören.
Dabei ist es alles andere als ein fairer Wettbewerb. Öffentlich-rechtliche Redaktionen konkurrieren hier mit mittelgroßen Firmen, die ihr eigenes Geld verdienen müssen und dafür Werbung brauchen und ständig neue Ideen. Und die wiederum konkurrieren mit völlig unabhängigen Podcastern, die gerade noch die Versprecher und das Räuspern selbst aus den Aufnahmen herausgeschnitten haben. Manchmal, wenn so ein öffentlich-rechtlicher Autor sich selbst lobte für den Mut, mit dem er sein Projekt im Sender durchgesetzt habe; und wenn er dafür noch acht oder neun Mitarbeiter mit auf die Bühne gebracht hatte, manchmal dachte man, dass ein paar Unabhängige jetzt buhen könnten. Taten sie aber nicht, was sehr für sie spricht.
Es gab Preise in 24 Kategorien, und natürlich waren unter den Gewinnern die öffentlich-rechtlichen Produktionen, mit denen jeder gerechnet hatte. „Die Peter-Thiel-Story“ des Deutschlandfunks wurde als beste Doku und als Podcast des Jahres ausgezeichnet und allseits wohl auch dafür bejubelt, wie gut recherchiert und spannend erzählt sie ist; man muss schon genau hinhören, dass man merkt, wie offen die Türen sind, die hier eingerannt werden; und wie hier jedem intellektuellen Risiko weiträumig ausgewichen wird.
Umso größer waren die Risiken für Angelique Geray, die, produziert vom Stern und von RTL, für den Podcast „Braune Kinderzimmer“, undercover unter Rechtsextremen recherchiert hat. Und dafür die Preise als beste Autorin und für den besten True-Crime-Podcast gewann. Alles in allem gehörte der Abend aber Salwa Houmsi, die nicht nur, zusammen mit Emily Gretel, durch den Abend führte mit unwiderlegbarer, leicht neurotischer Freundlichkeit. Sondern die mit ihrem selbstgemachten Solo-Podcast „House of Houmsi“ auch die Preise in den Kategorien Gesellschaft & Popkultur und beste „One-Host-Show“ gewann. Und den lautesten Jubel bekam.
Denn das war ja die absolut ernste Botschaft des Abends und der seriöseste Grund für all die Euphorie: Solange das Selbstgemachte, das Unperfekte und Unerschrockene, das Improvisierte und Nicht-ganz-Abgesicherte bei so einer Preisverleihung eine Chance hat, so lange wird Podcast ein neues und junges Medium bleiben.
Deutschland ist notorisch schlecht gelaunt. Und blockiert sich damit wieder einmal selbst. Denn wenn sich die Welt ändert, hilft nur eines: sich selbst zu ändern.
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