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07.05.2026
16:40 Uhr
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Der größte Waldbrand in Bayern seit einem halben Jahrhundert wird die Einsatzkräfte noch eine ganze Zeit weiter beschäftigen.

Hubschrauber fliegen im Akkord Löschwasser hoch zum Gipfel des Saurüsselkopfs. Foto: Uwe Lein/dpa
Das verheerende Feuer am Saurüsselkopf bei Ruhpolding gilt seit Donnerstagnachmittag um 13 Uhr offiziell als gelöscht. Und doch wird dieser größte Waldbrand in Bayern seit einem halben Jahrhundert die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bergwacht und Polizei noch eine ganze Weile beschäftigen. Denn auf jenen 140 bis 180 Hektar Waldfläche, über die das Feuer seit Sonntagabend hinweggezogen ist, sitzen noch überall Glutnester im Boden, die bei entsprechendem Wind jederzeit wieder aufflammen können. So wie es noch in der Nacht zuvor stellenweise geschehen ist.
Daran haben auch der leichte Regen und der kurze, kräftige Schauer wenig geändert, die am Mittwochabend und am Donnerstagmittag über dem 1270 Meter hohen Saurüsselkopf und dem Talort Ruhpolding niedergegangen sind. Um auch die Glut im Boden endgültig zu löschen, wird es weiterhin zahllose Hubschrauberflüge brauchen und irgendwann später auch einen äußerst mühsamen Einsatz am Boden. Denn die Glutnester, von denen momentan niemand weiß, wie tief sie in den Boden reichen, müssen dann von Hand freigelegt, die glimmenden Wurzelstöcke zerhackt und mit Wasser getränkt werden.
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Drei Wochen könne das alles schon noch dauern, sagt der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer, der schon am Montag den Katastrophenfall ausgerufen hatte, weil der Waldbrand ein Trinkwasserschutzgebiet bedrohte, aus dessen Quellen etwa 30 000 Menschen versorgt werden. Danzer und sein Krisenstab sind am frühen Donnerstagmittag an der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena zusammengekommen. Der Schauplatz zahlreicher Biathlon-Wettbewerbe gleicht in diesen Tagen eher einem Flugfeld als einer Sportstätte.
Die schweren Maschinen von Bundeswehr und Bundespolizei sind zwar schon abgezogen. Doch noch immer nehmen drei Maschinen eines privaten Helikopterdienstes aus dem benachbarten Österreich nahezu im Minutentakt Wasser aus dem Förchensee auf, um es ein paar Hundert Höhenmeter weiter oben über dem Waldbrandgebiet niedergehen zu lassen. Eine Maschine der bayerischen Polizei nimmt am Biathlonzentrum Behälter auf, die dort von der Feuerwehr befüllt werden. Und jetzt am Nachmittag startet ein weiterer Polizeihelikopter, der mit einer Wärmebildkamera einen genauen Überblick über die Glutnester geben soll.
Zeitweise waren zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang elf Hubschrauber im Löscheinsatz, seit der Brand am Sonntagabend entdeckt wurde. Entstanden ist er offenbar ganz in der Nähe des Gipfelkreuzes – nach einem Ausflugstag mit bestem Wetter und vielen Wanderern, heißt es drunten im Tal. Was den Brand genau ausgelöst hat, ist allerdings immer noch offen. Am Donnerstagvormittag hat die Polizei droben am Gipfel des Saurüsselkopfs erstmals Spuren gesichert, soweit das an den verkohlten und schwarz verrußten Felsen überhaupt noch möglich war. Die Fahnder erhoffen sich Ermittlungsansätze aus den Einträgen im Gipfelbuch, das den Brand in seiner Box überstanden haben könnte.
Die Feuerwehr, die tagelang mit Hunderten Ehrenamtlichen aus der ganzen Region im Einsatz war, hat inzwischen mehr als sieben Kilometer Schlauchleitung auf den Berg gelegt und Tanks und Becken aufgestellt, um das Löschwasser zwischenspeichern zu können. So viel Wasser, wie gebraucht wird, führt die Weiße Traun aber gar nicht.
Der Rest wird per Tankwagen von weiter draußen aus dem Tal über die ansonsten gesperrte Bundesstraße herbeigeschafft. In den besonders unzugänglichen, steilen und felsigen Passagen werden die Feuerwehrleute von der Bergwacht mit Seilen gesichert. An der vergangenen Tagen hatten die Bergretter nach Angaben ihres Ruhpoldinger Bereitschaftsleiters Sebastian Nachbar außerdem auf drei umliegenden Berggipfeln Posten bezogen, um den Brand am Saurüsselkopf im Auge zu behalten.
Der ganze Einsatz habe an jedem einzelnen der zurückliegenden Tage rund 1,2 Millionen Euro gekostet, schätzt Landrat Danzer. In einem Katastrophenfall wie diesem trägt 80 Prozent davon der Freistaat, doch ein Fünftel muss der Landkreis Traunstein selbst bezahlen. Die Polizei und die Bundeswehr werden Rechnungen schicken für ihre teuren Hubschraubereinsätze, sagt Danzer, aber er hoffe, dass der Landkreis diese Rechnungen nicht sofort und nicht auf einmal begleichen muss.
Für den Freistaat und seine Staatsforsten kommen noch Schäden hinzu, die sich bisher kaum absehen lassen, aber aller Voraussicht nach weit in die Millionen gehen werden. Denn die Staatsforsten haben durch den Brand nicht nur sehr viel wertvolles Holz verloren, sondern werden auch viel Arbeitszeit aufwenden müssen, um dort wieder einen Wald wachsen zu lassen, der nicht nur das Trinkwasser für Tausende Menschen schützt, sondern das Tal auch vor Lawinen, Muren und Steinschlägen bewahrt.
„Wir stellen uns dieser Verantwortung“, sagt der Leiter des staatlichen Forstbetriebs in Ruhpolding, Sebastian Klinghardt. Die Aufgabe wird nicht einfach sein, denn teilweise ist die Erdschicht über dem Fels nach seinen Angaben nur etwa zehn bis 20 Zentimeter dick. Ist sie komplett durchgekohlt, werden dort von selbst so bald keine neuen Bäume aufkommen. Auch ein Nachpflanzen von Hand wird laut Klinghardt dann äußerst schwierig. Und das gelte nur für die Flächen, die für die Forstleute überhaupt einigermaßen zugänglich sind.
Zugleich hegt der Forstbetriebsleiter die Hoffnung, dass einzelne Bäume den Brand auch auf längere Sicht überstanden haben könnten. Dies gelte freilich nur, wenn das Feuer bloß am Boden über die Fläche gezogen ist. Wo die Kronen brannten wie Fackeln, ist der Wald komplett verloren. Eine genauere Bestandsaufnahme werde wohl frühestens in einigen Wochen möglich sein, sagt Klinghardt. Mit ersten Aufforstungen rechnet er nicht vor 2027.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), der auch für die Staatsforsten zuständig ist, hat den Brand im Staatswald als „Super-GAU“ bezeichnet und auch schon weitere Hilfen des Freistaats beim Aufforsten in Aussicht gestellt. Für diese Hilfen wäre innerhalb der Staatsregierung Landwirtschafts- und Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) zuständig. Sie hat schon vor Tagen von einem der größten Waldbrände gesprochen, die es in Bayern in den vergangenen Jahrzehnten gegeben habe.
Es hätte nicht viel gefehlt, und die Flammen hätten auch noch das nahe österreichische Bundesland Tirol erreicht. Die Grenze war noch etwa 600 Meter entfernt, sagt Landrat Danzer. Das Terrain im Grenzgebiet ist für Löscharbeiten am Boden schwer zugänglich. Man habe die Flammen dort von Süden her aus der Luft bekämpft und stellenweise Schneisen in den Wald geschlagen, um das Feuer aufzuhalten.
Auch wenn die Wurzelstöcke dort noch eine Weile weiterglühen werden, hat der Regen den Einsatzkräften geholfen, weil er die weitere Ausbreitung des Feuers weniger wahrscheinlich gemacht hat. Nach mehreren Wochen mit sehr wenig Niederschlägen hatte die Waldbrandgefahr fast flächendeckend als vergleichsweise hoch gegolten.
Nach den jüngsten Regenfällen ist sie laut den aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes vom Donnerstag aber praktisch überall auf die niedrigste Stufe gesunken, auch am Alpenrand wie bei Ruhpolding im Landkreis Traunstein. Mittlere und ganz vereinzelt höhere Warnstufen werden nach der Erwartung des Wetterdienstes wohl frühestens wieder am Wochenende erreicht.
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