|
27.04.2026
11:59 Uhr
|
Beatrice Venezi wird doch nicht Generalmusikdirektorin am Theater „La Fenice“. Mitarbeiter des Hauses hatten bereits protestiert. Nun gab wohl eine Aussage der Dirigentin in einem Interview den Ausschlag.

Monatelang haben Orchester, Chor, Bühnenarbeiter und Publikum in Venedig protestiert – jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die umstrittene Dirigentin Beatrice Venezi wird nicht Generalmusikdirektorin des Opernhauses „La Fenice“. Das teilten der Intendant des Hauses, Nicola Colabianchi, und Italiens Kulturminister Alessandro Giuli mit. „Jegliche künftige Zusammenarbeit“ werde beendet, heißt es von der Theaterstiftung.
Venezi, 36, galt bislang als regierungsnah. Sie ist in der Vergangenheit bei Parteifesten der ultrarechten Fratelli d’Italia aufgetreten und hat als Beraterin des Kulturministeriums gearbeitet, die spätere Premierministerin Giorgia Meloni postete ein Selfie mit ihr. Im Oktober 2025 war bekannt geworden, dass sie zum Oktober 2026 die musikalische Leitung des Traditionshauses in Venedig übernehmen soll.
Die Musikerinnen und Musiker stellten sich aber von Anfang an geschlossen gegen die Entscheidung. Sie bemängelten vor allem die fehlende künstlerische Erfahrung der Dirigentin – diese habe nie die renommierten, großen Orchester der Welt dirigiert. Zudem kritisierten sie, dass es vor der Nominierung, anders als üblich, praktisch keine Zusammenarbeit gegeben habe.
Bei den Aufführungen verlasen Orchester und Chor Stellungnahmen gegen die Besetzung und ließen Flugblätter von den Rängen werfen. Dabei kam es auch zum Streik, mit Gratiskonzert auf der Piazza anstelle der geplatzten Vorführung, und zum Protestzug durch die Stadt. Langjährige Abonnentinnen und Abonnenten schlossen sich dem Protest an.
Der Fall wurde weit über Venedig hinaus verfolgt. Vielen galt die Besetzung als symptomatisch für eine Entwicklung in der Kulturpolitik der aktuellen rechten Regierung, deren Ziel es sei, möglichst viele Posten mit ihnen nahestehenden Leuten zu besetzen, unabhängig von deren Qualifikation.
Venezi selbst hat sich lange nicht zum Widerstand vor Ort geäußert. Im Januar sagte sie mit fußballerischer Metapher: „Das Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter abpfeift.“ Es klang, als verstünde sie sich selbst auf der einen und die Musiker auf der anderen Seite als gegnerische Mannschaften. Sie behauptete zudem, das Theater werde praktisch von Gewerkschaften geleitet, „in einem fast anarchischem Umfeld“. Im Ausland, so Venezi, wundere man sich darüber nur. Dennoch hielt der Intendant zunächst weiter an ihr fest. Auch gegen ihn wurden wiederholt Rücktrittsforderungen laut.
Ausschlaggebend für das Aus dürfte nun ein Interview gewesen sein, das Venezi der argentinischen Zeitung La Nación gegeben hat. Darin sagte sie, im Orchester der Fenice würden „die Posten praktisch vom Vater an den Sohn weitergegeben“. Tatsächlich müssen die Musiker nach jahrelangem Studium langwierige Auswahlverfahren durchlaufen.
Intendant Colabianchi erklärte, die Entscheidung gegen Venezi sei „auch aufgrund der wiederholten und schwerwiegenden öffentlichen Äußerungen“ der Dirigentin getroffen worden. Diese seien „beleidigend“ und schadeten dem Ruf des Theaters, so Colabianchi. Meloni dementierte unterdessen einen Bericht des Corriere della Sera, wonach die Ministerpräsidentin höchstselbst das Go für die Entscheidung gegeben habe. Aus dem Palazzo Chigi hieß es: Meloni habe damit nichts zu tun.
Beatrice Venezi soll neue Generalmusikdirektorin im La Fenice in Venedig werden. Nur, sie ist nicht gerade bekannt als große Dirigentin, eher als Freundin von Meloni. Reicht das jetzt schon, um was zu werden in der italienischen Kulturszene?
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: