SZ 12.10.2026
11:00 Uhr

(+) Jahresbilanz der Berghütten: Bettwanzen - war da was?


„Bug Bags“ sorgen dafür, dass die Wanzen sich zumindest nicht verbreiten. Ein weiteres Problem für die Wirtsleute: der viel zu trockene Sommer.

(+) Jahresbilanz der Berghütten: Bettwanzen - war da was?
Der trockene Sommer hat auch den Wirten auf den Bergen, hier die Bad Kissinger Hütte bei Pfronten, stark zugesetzt.
Foto: Nicolas Armer/dpa

Die Wirtsleute der Berghütten vom Deutschen Alpenverein (DAV) schauen mit gemischten Gefühlen zurück auf einen „Bergsommer der Extreme“. Robert Kolbitsch, DAV-Ressortleiter für Hütten und Wege, sagt: „Der Sommer 2026 wird uns in jedem Fall als Hitzesommer in Erinnerung bleiben und er hat uns neue Herausforderungen für die kommenden Sommer aufgezeigt.“

Die diesjährige Sommersaison begann durch den milden Winter mit wenig Schnee in den bayerischen Alpen früher als gewohnt. Dadurch konnten die Berghütten schon im Frühsommer viele Gäste begrüßen.

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Um die 900 000 Übernachtungen, heißt es in einer Pressemitteilung des DAV, verbuchten die Hütten des Alpenvereins dieses Jahr. Die endgültigen Zahlen können erst im kommenden Jahr genannt werden. Man rechnet aber mit einer leichten Steigerung der Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr.

Auch der geringe Niederschlag spielte bei den Buchungsanfragen eine große Rolle, denn dadurch, so schreibt der DAV, wurde die Tourenplanung für die Wanderer und Wanderinnen deutlich entspannter.

Was ein Segen für die Gäste war, wurde im Laufe der Saison zur Qual für die Wirtsleute auf den Hütten. Durch den wenigen Schnee im Winter waren die Wasserreserven ohnehin schon knapp. Verstärkt durch den wenigen Niederschlag war früher oder später circa ein Drittel der DAV-Hütten von Wassermangel betroffen. Um den Betrieb überhaupt aufrechterhalten zu können, mussten viele Hütten auf Sparmaßnahmen zurückgreifen.

Eine dieser Hütten ist die Brunnenkopfhütte in den Ammergauer Alpen. Dabei war, wie der Name es schon andeutet, der Brunnenkopf früher ein wasserreicher Ort mit Brunnen, erläutert Lars Evers, DAV-Hüttenreferent der Sektion Bergland München. Heute schaut das ganz anders aus: Die Quelle oberhalb der Hütte liefert immer weniger Wasser. Dieses Jahr ist sie zum ersten Mal zwischendurch sogar komplett ausgetrocknet.

Deswegen musste der Wirt der Brunnenkopfhütte, Christian Deser, mehrmals pro Woche einen 1000-Liter-Tank mit Wasser aus dem Tal bestellen, um den Küchenbetrieb aufrechterhalten zu können. Kurzzeitig kam sogar Pappgeschirr zum Einsatz, da nicht mehr genügend Wasser zum Spülen zur Verfügung stand.

Dass ein Sommer wie dieser in Zukunft wohl eher Standard als Ausnahme sein wird, darin sind sich die Hüttenwirtsleute einig. So erwägt der DAV Förderprogramme für Baumaßnahmen, die den Wassermangel betreffen. Wasserspeicher sollen ausgebaut werden und, um noch mehr Wasser sparen zu können, soll der Verbrauch besser überwacht werden, sagt Julian Rohn vom DAV in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Auch beim Thema Bettwanzen gibt es Neuigkeiten. Zwar sind immer noch rund 20 Hütten jährlich von Bettwanzen betroffen, jedoch zeigt sich laut einer Pressemeldung des Deutschen Alpenvereins, dass durch Präventionsmaßnahmen, wie Schutz- und Vorsorgekonzepte Verdachtsfälle schneller erkannt, und somit auch früher bekämpft werden können.

Im Allgäu setzen die DAV-Hütten zusätzlich auf „Bug Bags“. Das sind luftdichte Packsäcke, in denen man seinen Rucksack während des Hüttenaufenthalts verstauen und dadurch die Verbreitung der unerwünschten Mitreisenden verhindern kann.

Somit geht eine Sommersaison mit vielen Gästen zu Ende, die bei den Wirten wetterbedingt wohl aber kaum finanzielle Gewinne hervorbringen konnte und sie mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blicken lässt.

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