SZ 21.04.2026
16:05 Uhr

(+) Leerstand in Kommunen: Wenn die alte Metzgerei zur Wohnung wird


In den Großstädten sind Wohnungen knapp, auf dem Land stehen Geschäftsgebäude leer. Das muss nicht so bleiben. In einem Modellprojekt wollen fünf bayerische Kommunen Wohnraum schaffen.

(+) Leerstand in Kommunen: Wenn die alte Metzgerei zur Wohnung wird

Aus einem alten Drogeriemarkt werden barrierefreie Senioren-WGs. Ein Rathaus wird in acht kleine Wohnungen umgebaut. Gebäude, die jahrelang verwaist waren, werden wiederbelebt. Die Kommunen schaffen Wohnraum und hübschen ihren Ortskern auf. Das ist das Ziel des Modellprojekts „Leerstand jetzt Wohnen“ des bayerischen Bauministeriums. Das Vorhaben unterstützt Kommunen dabei, ungenutzte Geschäfte und Betriebe in Wohnungen umzuwandeln. Aktuell besteht das Projekt aus fünf Orten, in denen 50 Wohnungen entstehen sollen. Drei Bürgermeister stellten ihre Vorhaben am Montag in München vor.

In Bad Kötzting in der Oberpfalz ist geplant, eine frühere Metzgerei in acht Wohnungen umzubauen. Das Haus solle ein Ort werden, an dem sich junge Menschen austauschen, erklärt Bürgermeister Markus Hofmann. Von Beginn sei klar gewesen, dass der Verkaufsbereich im Erdgeschoss nicht für Wohnungen genutzt werden könne. Dort solle nun eine Ideenwerkstatt für Anwohner entstehen, um dort darüber nachzudenken, wie man mit dem Leerstand im Ort umgehen könne. Zusätzlich sei in der Metzgerei Platz für Büros.

Junge Leute könnten dann in Co-Working-Spaces zusammenarbeiten, sagte Hofmann. Bei dem Konzept in Kötzting stehe Gemeinschaft im Vordergrund. Die Mieter könnten sich in ihre eigene Wohnung zurückziehen oder sich auf der gemeinsamen Dachterrasse treffen. Anwohner konnten ihre Wünsche für den Umbau der Metzgerei in einem Postkasten an dem Haus einwerfen. Mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an der Aktion.

Leerstand ist für viele Kommunen in Bayern ein Problem. 2022 standen laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes rund 294 000 Wohnungen leer. Die Zahlen ergeben, dass der Wohnungsmarkt im Freistaat nicht gleichmäßig ausgelastet ist. In den Großstädten sind demnach die Wohnungen knapp, auf dem Land hingegen steht viel Wohnraum leer. Besonders betroffen sind Niederbayern, die Oberpfalz sowie Ober- und Unterfranken. Dort bleiben teils mehr als fünf Prozent der verfügbaren Wohnungen unbesetzt. Zum Vergleich: In München liegt die Leerstandsquote bei nur 2,4 Prozent.

Auch das unterfränkische Marktbreit ist laut Untersuchungen vom Leerstand betroffen – 7,1 Prozent aller Wohnungen waren demnach 2022 unbelegt. Viele Menschen suchen nach Wohnungen in der Innenstadt. Der Ortskern liege im Maintal und Platz sei somit begrenzt, erläuterte Bürgermeister Harald Kopp. Um neuen Wohnraum zu schaffen, soll ein früherer Drogeriemarkt in der historischen Altstadt renoviert werden. Im Obergeschoss seien barrierefreie Wohngemeinschaften für Senioren geplant. Ins Dachgeschoss sollen junge Leute einziehen. Im Erdgeschoss könnten sich Jung und Alt in Gemeinschaftsräumen treffen.

Leerstehende Häuser umzubauen, das fordert die Architekten besonders. Große Treppenhäuser oder ein zentraler Flur: Was für Büros optimal ist, kann in Wohnungen Probleme verursachen. So schilderten das die Planer der drei Projekte bei der Veranstaltung in München. Grundsätzlich hinterfragen sie, welche Standards die alten Gebäude überhaupt noch einhalten können. So seien die Wände eben nicht so schallisoliert wie in einem Neubau. Auch moderne energetische Ansprüche könnten nicht immer eingehalten werden, so die Architekten. Beim Umbauen spare es Geld, wenn zuvor anhand des Bedarfs geplant wird. Der Aufzug im früheren Drogeriemarkt in Marktbreit fährt beispielsweise nur in den ersten Stock. Die Wohnungen im Dachgeschoss barrierefrei umzubauen sei aber zu teuer, so die Erklärung der Architekten – und auch nicht notwendig. Wer keine Treppen steigen könne, komme einfach im Obergeschoss unter.

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Damit Leerstand leichter saniert werden kann, möchte Bayern eine Umbauordnung einführen, erklärt Bauminister Christian Bernreiter (CSU). Klare Richtlinien unterstützt auch der bayerische Mieterbund.  Strenge Vorgaben für Wohnraum seien oft eine Hürde für den Umbau von Leerstand. Dabei sei es wichtig, leer stehende Häuser wieder zu aktivieren, so der Verein. Im Vergleich zum Neubau gehe das schneller und koste weniger.

Ein Grund für Leerstand ist, dass junge Leute vom Land in Städte umziehen. Die Gemeinde Reischach in Oberbayern möchte das verhindern. Einfamilienhäuser sind für junge Leute aber unattraktiv und zu teuer. Darum brauche man bezahlbaren Wohnraum im Ortskern, sagt Bürgermeister Alfred Stockner. Das alte Reischacher Rathaus aus den 1960er-Jahren steht schon seit einigen Jahren leer und soll jetzt wieder für kleine Wohnungen genutzt werden. Damit möchte Stockner junge Menschen im Ort halten. Sie würden in Betrieben als Fachkräfte gebraucht und als Nachwuchs in den Vereinen. An einem Wochenende waren die jungen Erwachsenen mit den Planern im alten Rathaus. Gemeinsam entwickelten sie das Konzept aus Wohnungen und Räumen für die Gemeinschaft. Der Rückbau im Rathaus hat schon gestartet. Bis die ersten Mieter einziehen, dauert es noch.

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