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19.04.2026
13:21 Uhr
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Der Hype um Marie-Louise Eta ist nach der Heimniederlage gegen Wolfsburg vorübergehend der Ernüchterung gewichen. Nun will die neue Trainerin mit Union Berlin „erst einmal Fußball machen“.

In den Tagen, die seit der Ernennung von Marie-Louise Eta, 34, als Cheftrainerin des 1. FC Union Berlin vergangen sind, wurde immer wieder auch über die tradierten Rollenbilder des Fußballs verhandelt. Mal mehr, mal weniger explizit. Mitunter wurde darauf hingewiesen, dass sie allmählich verwittern. Wer das nicht glauben wollte, war am Samstag im Stadion An der Alten Försterei am rechten Fleck. Weniger, weil Eta dort eben ihr lang, breit und international angekündigtes Debüt als Chefcoach bei Union feierte; auch nicht, weil sie es mit 1:2 gegen Wolfsburg verlor. Sondern weil der Vertreter einer Zeitung, bei der Alice Schwarzer darüber hinwegsah, dass sie gern von der kommerziellen Ausbeutung von Frauenkörpern lebte, und die in fußballerischen Dingen gern Testosteron einfordert, doch ernsthaft der Frage nachging, ob das Ende der Wolfsburger Serie von 14 Spielen ohne Sieg eine Frage des Stylings war.
Die Frage jedenfalls, die Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking beantworten sollte, sie lautete: Müsse man nicht die Spieler des VfL Wolfsburg, nun immer noch Vorletzter der Fußball-Bundesliga, zum Friseur schicken?
Der österreichische VfL-Stürmer Patrick Wimmer hatte zuvor erklärt, dass er vor dem Spiel intensiv über seine Frisur nachgedacht hatte. Elf Minuten nach Anpfiff – den Marie-Louise Eta fast verpasst hätte, weil sie von Fotografen und Kameraleuten umringt war –, hatte Wimmer aus 20 Metern mit dem Außenrist spektakulär in den Winkel und damit zur Wolfsburger Führung getroffen. Wimmer berichtete, dass er sich die Haare so hatte richten lassen wie zu seiner bislang besten Zeit bei Arminia Bielefeld (2021/22) und die daran anschließende Anfangsphase beim VfL Wolfsburg. Das Machtwort über die Haarpracht habe übrigens – es lebe das Matriarchat! – seine Ehefrau gesprochen.
Am Samstag war er mit ihr seit „exakt 400 Wochen oder 2800 Tagen zusammen“, erklärte er, es sei „witzig, dass ich die genauen Zahlen weiß“. Als er das mitteilte, trug er immer noch ein Haarband im Schopf. Das war weder ästhetisch überragend positiv hervorstechend noch ein Verbrechen wider die Menschheit. Aber eben Ausweis dessen, wie die Zeiten sich doch geändert haben. Die Tage, da ein Haudegen wie der argentinische Weltmeisterkapitän von 1978 und spätere Nationaltrainer Daniel Passarella Spieler wie Fernando Redondo oder Claudio Caniggia aus der Nationalelf ausgeschlossen hatte, weil sie die Haare nicht militärisch kurz trugen, liegen nicht so lange zurück.
Apropos Argentinien: Dort hatte es am Samstag noch in einer Zeitung namens Página/12, eine Art Gaucho-Taz, eine ganzseitige Vorschau auf die Partie im Stadion An der Alten Försterei gegeben, was eine Idee davon gab, welche Wellen die Verpflichtung Etas schlug. In Portugal widmete Jornal de Notícias der Frage, wie viele Frauen eigentlich in den Sportarten mit nationalen Frauenligen (Fußball, Futsal, Rollhockey, Handball, Basketball, Volleyball) einen Cheftrainerjob haben, eine Doppelseite. Und kam dabei auf ernüchternde 15,7 Prozent. Das Interesse war auch am Samstag zu spüren. Da waren im Berliner Rund mehr Vertreter internationaler Medien als sonst. Und dennoch: Dass sich der Hype verewigt, steht offenkundig nicht zu befürchten.
Zumindest war die internationale Presseschau am Sonntag nicht gar so ergiebig wie die vom Montag oder Dienstag zuvor. Dafür waren die Kommentare härter: „Der Ballon ist geplatzt“, schrieb die spanische Marca. „Etas Debüt misslang auch wegen Wimmer“, freute sich – national patriotisch – die österreichische Kleine Zeitung am Sonntag. Marie-Louise Eta dürfte dankbar sein, dass der Rummel vorbeizieht; es machte den Anschein, dass sie ihn eher hinnahm, denn genoss: „Es geht nicht um mich“, sagte sie, „ich bin hier, um Fußball zu machen.“
Nur: Fußball lässt sich nicht von heute auf morgen machen, es ist ein genderneutrales Problem. Unter Eta hat sich der Ansatz von Union nicht grundlegend verändert, was erstens ihrer Ankündigung entsprach („es geht nicht darum, jetzt auf einmal Tiki-Taka-Fußball zu spielen“), zweitens wohl vernünftig war und, drittens, bedauerlich. Vernünftig war das, weil sie mit dem gleichen Personal arbeiten muss, das auch ihrem Vorgänger Steffen Baumgart zur Verfügung stand, und daher eine Vorprägung hat; bedauerlich, weil bei Union fußballerisch seit langer Zeit viel im Argen liegt.
Am Samstag besagten die Zahlen, dass sich insofern etwas verbessert hatte, als Union 26 Schüsse abgab und Wolfsburg derer fünf. In anderen Worten: Union stand hinten stabil und verströmte vorn Gefahr. Doch das half nicht, die bislang karge Rückrunden-Ausbeute von neun Zählern zu verbessern. Nach dem Tor von Wimmer traf Dzenan Pejcinovic, 21, per Fernschuss zum 2:0 (46.), Oliver Burke konnte für Union nur noch auf 1:2 verkürzen (85.). Union steht in der Gesamtschau im Mittelfeld – oder acht Punkte vor dem Vorletzten aus Wolfsburg und sechs Zähler vor dem Relegationsplatz 16. Dort steht der FC St. Pauli, den Wolfsburg am letzten Spieltag besuchen muss.
„Zumindest wäre jetzt theoretisch das Endspiel möglich, bei dem wir an ihnen noch vorbeiziehen können“, sagte VfL-Trainer Hecking und gab sich mit Blick auf die bis dahin ausstehenden Wochen kampfeslustig: „Wir werden alles dafür tun, dieses Endspiel zu haben.“
Große Aufmerksamkeit, keine Punkte: Marie-Louise Etas Amtszeit als Trainerin von Union Berlin beginnt mit einem 1:2 gegen den VfL Wolfsburg. Der schöpft neue Hoffnung im Kampf um den Klassenverbleib.
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