SZ 19.05.2026
15:52 Uhr

(+) Marode Brücke in Fürth: Die dämlichste Unfallstelle Bayerns


65 Crashpiloten an immer derselben Stelle – und das in nur acht Monaten, bei immer gleicher Unfallursache? Das muss doch Weltrekord sein.

(+) Marode Brücke in Fürth: Die dämlichste Unfallstelle Bayerns
Fürth und seine höhenbeschränkte Brücke: absolut rekordverdächtig. Foto: Tiefbauamt Fürth

Fürth kommt ja ohnehin wieder groß raus dieser Tage. Muss man sich mal vorstellen: Der Abstieg ist im Grunde besiegelt. Um nicht künftig in der dritten Liga gegen den Ball treten zu müssen, bedürfen die Fußballer aus Fürth eines Sieges am letzten Spieltag mit drei Toren Unterschied. Und das gegen Konkurrenz klangvollen Namens, den Verein aus der Hauptstadt des bevölkerungsstärksten Bundeslandes. Selbst die lokale Presse macht sich lustig über die mikroskopische Restchance. Und dann steht’s bereits zur Halbzeit: drei zu null. Für Fürth.

Fürth bekommt also eine wundersame Zweitchance, zwei weitere Spiele in der sogenannten Relegation. Und da passt es doch ins Bild, dass die Stadt auch sonst wundersam dasteht. Auf den Titel der sichersten Großstadt der Welt (oder doch mindestens in Bayern) hat man sowieso eine Art Abo, höchstens das verträumte Erlangen glaubt noch mitunter, dazwischenfunken zu müssen.

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Und nun also das noch. 65 Mal hat es gekracht an einer Brücke in Fürth, in weniger als einem Jahr und mit der immer selben Unfallursache: die von der Stadt auferlegte Höhenbeschränkung aus Stahl. Bedauerlicherweise gibt’s keine verlässlichen Zahlen darüber, wo auf der Welt Fahrzeuglenker wie oft hintereinander an immer derselben Stelle den immer selben Quark fabrizieren. Aber bitteschön: 65 Synchron-Teilnehmer am „Wir-ignorieren-einfach-sämtliche-Hinweise“-Contest auf kürzester Strecke in nur acht Monaten (von der Beschränkung bis zur endgültigen Brückensperrung)? Muss ja wohl Weltrekord sein.

Warum die Höhenbeschränkung? Die Brücke ist marode, hohe Fahrzeuge verursachen mehr Schwingungen als nicht so hohe. Und natürlich hat man mit allem gewarnt, was so gemeinhin als Warnung gilt: Warnlichter, Bodenwellen, Markierungen, Absperrbänder am Gitterträger. Unmissverständlicher geht es nicht, könnte man sagen. Einladender auch nicht, dachten wohl die Leute am Lenker.

Als es erst knapp 30 Crashpiloten waren, also nicht mal die Hälfte, hat die SZ vergangenes Jahr den Fürther Tiefbauchef gefragt, worum es da seiner Ansicht nach geht. Ahnungslosigkeit über die Höhe des eigenen Fahrzeugs? Grundsätzliche Skepsis gegen das Konzept Warnhinweis? Ablenkung? Überzeugung, dass Schilder für andere da sind? Anarchie gar?

Seine Antwort, sinngemäß: schwer zu sagen. Wohl alles irgendwie. Personell herausfordernd sei das Ganze jedenfalls gewesen, sagt der Chef der örtlichen Verkehrsunfallbereitschaft, der Polizeibeamte Christian Zeuß: „Wir hätten da fast einen Standposten aufstellen können.“

Aber bitte, das ist doch nichts zum Bejubeln! Stimmt, einerseits. Andererseits würde andernorts eine marode Brücke, an der es einer Höhenbeschränkung wegen ständig kracht, die Stadtgesellschaft wohl mindestens skeptisch machen, was ihre Stadtspitze betrifft. Wenn nicht gar rasend.

Und tatsächlich, es gab im Netz Missmut wegen der maladen Brücke. Aber auch hinreichend Heiterkeit über die „Schilder-sind-was-für-Weicheier“-Fraktion am Lenkrad. Und wirklich schlechte Laune im fröhlichen Fürth hätte man merken müssen bei der Kommunalwahl. Da aber bekam der amtierende Oberbürgermeister 72 Prozent. Bei sechs Gegenkandidaten. Im ersten Wahlgang. Tu felix Fürth!

24 Jahre lang war Julia Lehner für die Kultur in Nürnberg zuständig. Die Umwidmung von NS-Bauten zu Kulturstätten trägt ihre Handschrift. Den aufreibendsten Kulturkampf hat sie allerdings bei der Fußball-WM 2006 erlebt.

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