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23.09.2026
15:44 Uhr
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Bilder live vom Oktoberfest ins Netz zu streamen, ist verboten. Doch nicht alle halten sich daran. Um die Regel durchzusetzen, hetzen städtische Mitarbeiter über die Festwiese und spüren die Streamer auf. Ein Katz-und-Maus-Spiel.

Während des Oktoberfests von der Theresienwiese live zu streamen, ist schon immer verboten.
Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Es hat etwas von Räuber und Gendarm, von Katz und Maus, von Kinderspiel. Und der Ablauf ist wie folgt: Die städtischen Mitarbeiter auf dem Oktoberfest bekommen einen Hinweis. Irgendwo da draußen, auf der Festwiese, streamt jemand. Auf Twitch, auf YouTube oder Tiktok, auf jeden Fall aber entgegen der Wiesnregeln. Und dann? Herrscht Alarmzustand.
Im Medienzentrum auf der Wiesn, hinter der Schottenhamel-Festhalle, macht sich ein Mitarbeiter auf Richtung Festwiese. Richtung Fischer-Vroni im Norden, Riesenrad im Süden, Teufelsrad oder Toboggan im Osten. Je nachdem, von wo aus gerade live in alle Welt gestreamt wird. Den genauen Standpunkt macht der Mitarbeiter der Stadt ausfindig, ausgehend davon, was er im Livestream sieht. Die Fahrgeschäfte, die Zelte im Hintergrund sind Hinweis genug.
Und wenn der städtische Mitarbeiter den Streamer abfängt, bekommt dieser eine Ansage. Beim ersten Verstoß noch freundlich und mit dem Hinweis, dass Livestreams vom Oktoberfest verboten sind. Beim zweiten gegebenenfalls ein Wiesnverbot. Fangen spielen, mit echten Konsequenzen.
Während des Oktoberfests von der Theresienwiese live zu streamen, ist verboten. Die Stadt leitet das Verbot aus der städtischen Oktoberfestverordnung ab, die in dieser Form seit 2016 gilt und „Werbung“ sowie „Veranstaltungen von Vergnügungen“ auf offener Fläche verbietet. Das gilt explizit auch für nichtgewerbsmäßige Tätigkeiten. Dieses Jahr hat die Stadt das Verbot ausbuchstabiert. Für das Verbot macht sie ganz verschiedene Gründe geltend: Niemand, der auf der Wiesn bummelt, soll gegen seinen Willen für eine größere Öffentlichkeit im Netz auftauchen, als Kulisse für einen Streamer.
Und dann gibt es noch die Sicherheitsgründe. Mal angenommen, ein bekannter Streamer taucht auf der Wiesn auf, ruft seine zahlreichen Follower dazu auf, zu ihm zu stoßen. Das Chaos ist absehbar. Erst recht abends oder zum Reservierungswechsel, wo zum Beispiel die Wirtsbudenstraße jetzt schon proppenvoll ist. Und unrealistisch ist das Szenario nicht: Der Streamer MontanaBlack, bürgerlich Marcel Eris, tauchte in der Vergangenheit etwa schon mehrmals auf dem Hamburger Dom auf. Mitsamt beachtlichen Teilen seiner Fangemeinde, beachtlich zumindest für eh schon überfüllte Volksfestgassen. Der Dom ist das große Volksfest der Hansestadt und findet dreimal im Jahr statt.
Dass die Stadt also gegen Livestreams vorgehen kann, hat sich in den vergangenen Jahren nicht verändert. Sie ist heuer aber sehr hinterher, es auch konsequent durchzusetzen. So haben Mitarbeiter der Stadt etwa „No Livestreaming“-Sticker mitsamt offiziellem Oktoberfestlogo herstellen lassen und auf der Festwiese verteilt, damit es auch die verstehen, die kein Deutsch sprechen. Und sie schickt eben Mitarbeiter aus, die jeden Livestream, auf den sie aufmerksam gemacht werden, unterbinden. Das Auffinden der Streams, das sogenannte Social Monitoring, übernimmt eine Agentur.
Die Tracht sehen sie als stringente Modelinie und die Theresienwiese als super Ort, um Insta-Posts zu kreieren. Einblicke in eine Parallelwelt, in der das Oktoberfest zur Kulisse wird.
Bis Mittwochvormittag wurden den Mitarbeitern der Stadt 20 Livestreams gemeldet, bei 17 konnten sie einschreiten und das Streamen unterbinden. Eine Mitarbeiterin konfrontierte einen Streamer, der aus dem Teufelsrad heraus live ins Netz sendete. Ein anderer wartete vor dem Klohäuschen, während drinnen ein Mann per Stream der Welt mutmaßlich Einblicke gab, was es in einem Klohäuschen auf der Wiesn zu sehen gibt.
Livestreams sind nicht das einzige Format, bei dem die Stadt in diesem Jahr härter durchgreift als in den vergangenen Jahren. So wurden Regeln für Influencerinnen und Influencer, die vom Oktoberfest aus Inhalte produzieren und vor allem in ihre Feeds und Storys packen, auf diesen Berufsstand hin konkretisiert. Grundlegend gelten sie allerdings schon seit 2016. Influencerinnen und Influencer müssen nun, wie alle anderen Menschen, die auf dem Oktoberfest für kommerzielle Zwecke drehen wollen, eine Lizenz erwerben.
Vergangenes Jahr machte ein – nach heutigen Regeln wohl unerlaubter – Livestream bereits Schlagzeilen, allerdings unter ganz anderem Vorzeichen. Die Streamerin Kunshikitty streamte von der Wiesn, während ein Mann sie belästigte. Der Betrunkene rief ihr sexualisierte Kommentare entgegen, ließ nicht von ihr ab. Die Streamerin brachte den Fall zur Anzeige – und das gestreamte Videomaterial wurde Teil der Ermittlungen.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Livestreams seien „schon immer“ verboten gewesen, mindestens aber, seit es möglich ist, große Datenmengen ins Netz zu streamen. Diese pauschale Aussage ist ungenau. Wir haben die entsprechende Stelle konkretisiert.
Frauenfiguren und ein neuer Upskirting-Skandal: Das Teufelsrad stand vor Beginn der Wiesn im Fokus. Hat das Auswirkungen auf den diesjährigen Ablauf im Fahrgeschäft? Und was sagen eigentlich die Wiesn-Besucherinnen?
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