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22.04.2026
16:26 Uhr
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Ein Gastronomen-Paar geht gegen die Vergabe der Festzelte vor, um selbst den Zuschlag zu ergattern. Das könnte das Ende des Münchner Bier-Monopols bedeuten. Was Wirte, Brauereien und Stadt antworten.

Neben dem Paulaner-Festzelt als Brauereizelt haben die Anwälte von Wirtepaar Egger nun auch Anspruch auf das Schottenhamel-Festzelt angemeldet. Felix Hörhager/dpa
Zunächst war es nur um das Monopol der Münchner Brauereien auf dem Oktoberfest gegangen. Nun aber steht die gesamte Vergabe der Festzelte auf dem Spiel. Eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei hat im Auftrag eines Münchner Wirtepaars einen Antrag bei der Regierung von Oberbayern eingereicht, der die bisherige Praxis grundsätzlich infrage stellt. Die Regierung bestätigte am Mittwoch, dass bei der Vergabekammer Süd am 16. April ein Antrag der WE Gutshof GmbH eingegangen sei. Er richte sich „gegen die von der Landeshauptstadt München beabsichtigte Zuteilung des Paulaner-Festzelts und der Schottenhamel-Festhalle an die vorgesehenen Brauereien bzw. Wirte für das Oktoberfest 2026“. Zuerst hatten Münchner Merkur/tz darüber berichtet.
Sollten die Wirte Recht bekommen, könnte es mit der jahrzehntelangen Gewissheit dahin sein, dass auf dem größten Volksfest der Welt nur Münchner Bier ausgeschenkt werden darf. Schon seit Januar geht im Rathaus das Schreckensszenario um, dass künftig womöglich auch ausländische Brauereien auf der Wiesn zugelassen werden müssen. Nun hat das Thema noch einmal an Brisanz gewonnen.
Geschäftsführer der WE Gutshof GmbH ist Alexander Egger, der mit seiner Frau Kathrin Wickenhäuser-Egger das Wirtshaus Münchner Stubn am Hauptbahnhof betreibt und seit 2022 auch ein kleines gleichnamiges Zelt auf dem Oktoberfest. Das Wirtspaar hätte aber nun gern ein großes Festzelt. Beworben haben sie sich daher bei der Stadt gleich mehrmals: um ein Volkssängerzelt, eine Imbisshalle, eine Hühnerbraterei – und eben um zwei Standorte zweier großer Wiesnzelte: den der Bräurosl und den der Paulaner-Festhalle. Für den Standort der Schottenhamel-Festhalle, um die es nun in dem Antrag geht, hatte sich das Paar ursprünglich nicht beworben, dieser wurde nun offenbar von ihren Anwälten ins Spiel gebracht.
Die Bräurosl hat mehr als 8000 Plätze. Der Wirt heißt seit 2021 Peter Reichert, er führt in der Innenstadt den „Donisl“. Diese Traditionswirtschaft hatte er von der Brauerei Hacker-Pschorr nur im Verbund mit dem Bräurosl-Zelt bekommen. Ähnlich verhält es sich mit Lorenz Stiftl, der das Wirtshaus „Zum Spöckmeier“ betreibt – und neuer Wirt der Paulaner-Festhalle werden soll. Die sogenannte Festhalle Schottenhamel ist das älteste Wiesn-Zelt und in Familienbesitz.
Die bislang von der Stadt gepflegte Vergabe der Zelte – meist eine reine Formalie – will das Paar Egger nun anfechten. Anders als bislang soll sich die Stadt seinem Willen nach bei der Zeltvergabe nach den Regelungen des europäischen Vergaberechts richten. „Dies würde grundsätzlich eine EU-weite Ausschreibung der jeweiligen Standplätze bedeuten“, heißt es von der Regierung von Oberbayern.
Nun läuft eine Nachprüfung, die innerhalb von fünf Wochen zu einer Entscheidung der Vergabekammer führen soll. So lange darf die Stadt für das Schottenhamel- Zelt und die Paulaner-Festhalle keine Verträge abschließen. Ob die Frist eingehalten werden könne, hänge „maßgeblich vom prozessualen Verhalten der Verfahrensbeteiligten ab“, so ein Sprecher. Eine Einschätzung zu den Erfolgsaussichten der Antragsteller will die Behörde nicht abgeben: „Wir bitten um Verständnis, dass uns zum Ausgang des Nachprüfungsverfahrens derzeit keine Auskünfte möglich sind.“ Was sie gegenüber der Nachrichtenagentur dpa noch klarmacht: Auf andere Standplätze oder Volksfeste hat die Entscheidung der Vergabekammer „keine unmittelbaren Rechtswirkungen“.
Die Vergabekammer Südbayern ist organisatorisch bei der Regierung von Oberbayern angesiedelt, aber in ihrer Entscheidung ähnlich wie ein Gericht im Rahmen der Gesetze unabhängig. Das Verfahren bei der Vergabekammer findet nicht-öffentlich statt. Gegen ihre Entscheidungen können die Beteiligten Beschwerde beim Bayerischen Obersten Landesgericht einlegen.
Auf Nachfrage teilt das zuständige Referat für Arbeit und Wirtschaft mit, dass man „keinen Anhaltspunkt“ für eine Gefährdung des Oktoberfests sehe: Das Bewerbungsverfahren sei in den vergangenen Jahren bereits mehrfach wegen juristischer Auseinandersetzungen „gerichtlich überprüft und bestätigt worden“.
Christian Schottenhamel zeigt sich unterdessen verwundert über den neuerlichen Vorstoß des Wirtepaars, das nun auch sein Zelt ins Visier nimmt: Immerhin sei doch zunächst keine Bewerbung für den Standort des Schottenhamel-Festzelts abgegeben worden. Es wirke daher so, als habe sich Egger neben einem Brauereizelt noch eins von jenen fünf Zelten, die sich formal jedes Jahr aufs neue um einen Wiesnplatz bewerben müssen, herausgepickt und mit dem Schottenhamel-Festzelt eben das traditionsreichste. Gedanken, dass eine „Bahnhofsgaststätte“ – mehr ist die Münchner Stubn in seinen Augen nicht – ihm den Platz streitig machen könnte, macht sich Schottenhamel allerdings nicht.
Die übrigen Wirte der großen Zelte sind mit ihm einer Meinung: Man spreche sich, heißt es in einer Pressemitteilung, „für eine Beibehaltung der bislang geltenden Regeln der Stadt München bei der Zeltvergabe“ aus. Es gehe hier nicht zuletzt auch darum, die Wiesn als einzigartiges Kulturgut zu schützen. Dies sollte nicht, so Sprecher Peter Inselkammer, „persönlichen Interessen geopfert werden“. Die ebenfalls möglicherweise betroffene Paulaner-Brauerei teilt mit, den Antrag „zur Kenntnis“ genommen zu haben. Man sei jedoch zuversichtlich, „dass das Verfahren bestätigen wird, dass die Stadt München bei der Vergabe die anwendbaren rechtlichen Vorgaben eingehalten hat“.
Generell glaubt Schottenhamel außerdem nicht, dass Egger bessere Chancen hätte, wenn in Zukunft nach EU-Recht entschieden würde: „Ich glaube nicht, dass er mit der Aktion einem großen Zelt näher kommt.“ Für ihn stehe das Oktoberfest für Regionalität, sagt der langjährige Wirt. „Ich hätte gern kein Warsteiner-Bier oder 0,2-Kölsch auf der Wiesn.“
Seit Kurzem werden auf Stadtgebiet Reben angebaut. Wer dahintersteckt, wann mit dem ersten Flaschenverkauf zu rechnen ist – und was es mit dem Traum vom Oktoberfest auf sich hat.
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