SZ 12.05.2026
14:45 Uhr

(+) Silicon Valley: Der Teufel trägt Palantir


KI-Unternehmen mit Rüstungsbezug verkaufen nun auch Anziehsachen – oder muss man sagen: die zu ihren Ideologien passenden Uniformen?

(+) Silicon Valley: Der Teufel trägt Palantir
Künftig auch auf Shirts und Kappen: das Palantir-Logo an der Konzernzentrale in Los Angeles. SundryIMAGO/Pond5 Images

Das Unternehmen Palantir hat so einiges im Angebot. Produkte wie „Foundry“, „Apollo“ oder „Gotham“ sind weltweit gefragte Überwachungssoftwarepakete. Mit ihnen soll der volle Durchblick garantiert sein, und Verbrechen sollen sogar präemptiv verhindert werden können. Zu den Kunden gehören neben Donald Trumps Abschiebetruppe ICE auch diverse Polizeien deutscher Bundesländer. Zuletzt gab es in Baden-Württemberg grünes Licht für den Einsatz.

Sperrige Konzepte wie Bürgerrechte oder Datenschutz bleiben da schon mal auf der Strecke. Weil Unternehmen ihr Portfolio aber gerne diversifizieren, macht Palantir jetzt auch in Mode und bietet schicke Denim-Jacken in seinem Webstore an. Der „Leightweight Chore Coat“ in Blau oder Schwarz erinnert an die französischen Arbeiterjacken, die im Laufe der Zeit immer wieder mal auch die Haute Couture inspirierten.

Der Datenkonzern ist mit der unwahrscheinlichen Strategie nicht allein. Das Militärtech-Unternehmen Anduril, wie Palantir nach einem Artefakt aus „Der Herr der Ringe“ benannt, bietet etwa Bomberjacken und Hawaiihemden an. Andere Tech-Riesen wie das KI-Unternehmen Anthropic eröffnen derweil immer wieder Pop-up-Stores in den hippen Vierteln von London oder New York. Da wird Kaffee ausgeschenkt, und die dort verkauften Baseballmützen mit der Aufschrift „Thinking“ vor dem Hirn wechseln bei Online-Auktionen mittlerweile zu Liebhaberpreisen den Besitzer.

Die Vermutung liegt nahe, dass es dabei um mehr als ein paar Nebeneinkünfte durch Merchandising geht. Die Firmen, die in den vergangenen Jahren bereits im Hintergrund die Gesellschaftsordnung unterminiert haben, wollen sichtbar werden, wollen, dass die Menschen sich zu ihnen bekennen. Macht lebt immer auch von ihrer Ästhetisierung. Es ist wohl kein Wunder, dass die Palantir-Klamotte in gewisser Weise auch einer Mao-Jacke ähnelt. Glaubt man Eliano Younes, der bei dem Datensauger den Titel „Head of Strategic Engagement“ trägt, ist Palantir geradezu prädestiniert, die Lifestyle-Marke schlechthin zu sein. Man sei gar „die westlichste, leistungsorientierteste, erfolgsbesessenste und authentischste Marke auf der ganzen Welt“.

Seit bekannt wurde, dass ein Modell von Anthropic als Werkzeug für Angriffe auf IT-Systeme dienen kann, sorgt sich sogar die Trump-Regierung.

Spätestens seit der kürzlichen Veröffentlichung eines kontroversen „Manifests“ des Palantir-Gründers Alex Karp ist klar, dass man es hier nicht mit den üblichen Marketing-Positionierungen zu tun hat. Von kulturellen Hierarchien und den Irrwegen des Pluralismus war da unter anderem die Rede, wenn nicht gerade die Nutzung von KI-Waffensystemen gerechtfertigt wurde. Nun bietet man neben der Ideologie auch eine dazu passende Uniform an – und die Anhänger schlagen begeistert zu: schon nach kurzer Zeit waren die Jacken restlos ausverkauft.

In zurückliegenden Palantir-Kollektionen gab es etwa recht biedere Fleece-Pullis oder auch ein T-Shirt mit dem stilisierten Bild des Gründers und dem Schriftzug „Dominate“. Außerdem erhältlich: Badehosen und Tote Bags. So kann man die Ideologie westlicher Dominanz auch noch während einem gemütlichen Strandtag repräsentieren. Gefertigt werden die Kleidungsstücke übrigens mit Stolz „in the USA“ – und damit vermeintlich wertiger als der Maga-Merchanidse von Palantirs bestem Kunden Donald Trump. Der lässt, entgegen sämtlicher protziger Ansagen, weiterhin in China produzieren.

Accountkarussell in den sozialen Medien: Die Linken, die SPD und die Grünen verlassen X/Twitter. Dafür schlagen rechte Medien wie  „Nius“ und „Junge Freiheit“ jetzt bei Bluesky auf.

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