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09.05.2026
17:34 Uhr
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An der Eisbachwelle im Englischen Garten darf wieder gesurft werden. Am Samstag schwingen sich dort mehrere Frauen und Männer auf die Bretter. Doch was halten sie von den neuen Regeln? Und was von den Surfern, die gleich in der ersten Nacht dagegen verstoßen?

Zwei Handvoll Surferinnen und Surfer haben sich am Samstagmittag bei sommerlichen 21 Grad auf beiden Seiten des Eisbachs mit ihren Brettern aufgeteilt. Abwechselnd stürzen sie sich in die tosende Welle, von links, dann von rechts, wie ein Reißverschluss. Und wie es auch früher üblich war. Die Stimmung ist heiter, die Surfer grüßen und umarmen sich, ratschen hier noch kurz, sagen dort zu jemandem „Servus“. Am Parkplatz hinter dem Haus der Kunst schält sich eine Frau aus ihrem Neoprenanzug. Am Auto daneben zwängen sich zwei Männer in ihre gerade hinein. Vor den Wagen, im Schatten der Bäume, haben es sich ein paar weitere Surfer auf Campingstühlen bequem gemacht.
Alles wie zuvor also? Ist nun wieder Normalität eingekehrt an der Eisbachwelle, nachdem Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) am Tag zuvor das Surfen unter bestimmten Regeln wieder erlaubt hat?
Irgendwie ja, zumindest dem Anblick nach. Irgendwie aber auch nicht, wenn man sich mit den Surfern an der Welle unterhält. Manche möchten gar nicht mit Pressevertretern sprechen, andere nur unter der Bedingung, ihren Namen nicht oder nur den Vornamen zu nennen. Alle wählen sie ihre Worte mit Bedacht. Die Sorge scheint groß, vielleicht missverstanden werden zu können.
Nach dem tödlichen Unfall einer 33-jährigen Surferin im April 2025 war die Welle zeitweise gesperrt. Die Ursache, die zu dem Unglück geführt hat, wurde nie gefunden. Mit der Absicht, das Surfen für alle sicherer zu gestalten, erließ die Stadt verschärfte Regeln zur Nutzung – es ging vor allem um Haftungsfragen. Nach einer wohl etwas zu gründlich geratenen Bachauskehr im Oktober baute sich die Welle nicht wie sonst wieder auf. Es folgten mehrere Versuche illegaler Einbauten, die eine künstliche Welle entstehen ließen. Nun hat sich die Welle über einen längeren Zeitraum hinweg doch wieder von selbst stabil aufgebaut.
„Wir hoffen, es bleibt so“, sagt Nico, 27. Seit zehn Jahren kommt er zum Surfen an den Eisbach. An diesem Mittag ist er mit einem Kumpel hier – ein erfahrener Surfer, der gerade seinen ersten Surfritt hier hinter sich hat. Surfen werde immer populärer, sagt Nico. Das ziehe leider auch Leute an die Welle, die hier eigentlich noch nicht surfen sollten – der Eisbach ist nichts für Anfänger. Deshalb hat er Verständnis dafür, dass zwischen 22 und 5.30 Uhr das Surfen nach den neuen Regeln verboten ist. „Nachts ist ja kaum jemand hier gewesen, der tagsüber dann zu jemandem auch mal gesagt hätte, dass er doch vielleicht lieber erst noch auf einer anderen Welle surfen sollte.“ Dass sich gleich mehrere Surfer am Abend zuvor nicht an die neuen Regeln hielten und nach 22 Uhr mit ihren Bretten unterwegs waren, davon hat er noch nichts mitbekommen. Auch keiner von den anderen, die an diesem Tag mit der Süddeutschen Zeitung sprechen.
„Da die Welle jetzt wieder aufgemacht wurde, wäre es ein schönes Zeichen, wenn sich alle an die Regeln halten würden“, sagt eine 35-jährige Surferin, als sie es hört. Sie und ein Mann sind die einzigen Surfer hier, die einen Helm tragen. Warum die 35-Jährige einen trägt? Sie setzt zu einer Antwort an, unterbricht sich und sagt dann nur: „Ein Unfall kann immer passieren.“
Etwas anders sieht die Sache mit den neuen Regeln Max, 45. Er kommt gerade aus dem Wasser und trägt sein Surfbrett zu seinem Fahrrad. Die Surfer, die trotz des nächtlichen Verbots auf der Welle waren, möchte er zwar nicht verteidigen, das betont er. Doch er stellt die Regeln an sich infrage. „Dass ein Unfall passiert, ist ja nicht an eine Uhrzeit gekoppelt.“ Er findet wichtig, dass alle miteinander reden, dass gemeinsam sinnvolle Lösungen gefunden werden, „ohne dass es Verbote hagelt“. So wie er das sagt, lässt er durchblicken, dass das seiner Meinung nach bislang nicht optimal läuft.
Mittlerweile ist die Schar an Zuschauern und Zuschauerinnen größer geworden. Auf der linken und der rechten Seite säumen die Menschen das Ufer, manche haben ihre Smartphones gezückt und filmen. Viele zeigen sich begeistert. „Der war richtig gut!“, sagt einer über einen Surfer, auch am Ufer gegenüber klatschen zwei Frauen. „Guck mal, der eine kann’s voll!“, ist wenig später eine andere Stimme zu hören. Leonie Juli, 21, und Moritz Mertes, 19, freuen sich, dass ausgerechnet zu ihrem Kurztrip nach München die Welle wieder genutzt werden darf und sie zusehen können – sie kommen aus Köln.
Jan – seinen Nachnamen nennt er nicht – ist offenbar einer von wenigen, vielleicht sogar gerade der einzige hier, der das Spektakel nicht sonderlich toll findet. Er sei zufällig mit seinem Sohn hier, berichtet der 37-Jährige. „Ich verstehe den ganzen Hype nicht so richtig“, sagt er, „nach zehn Sekunden fallen die ja eh alle ins Wasser“.
Nach dem tödlichen Unfall einer 33-Jährigen ließ die Stadt die Surfer monatelang beobachten. Der SZ liegen 450 Seiten Protokolle vor. Sie zeigen, wie akribisch die Kontrolleure vorgingen – und dass es häufiger als bislang bekannt zu schweren Verletzungen kommt.
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