SZ 03.05.2026
15:20 Uhr

(+) Trumps Zollankündigung: Neuer Ärger für deutsche Autohersteller


Kaum blicken die Unternehmen ein bisschen optimistischer in die Zukunft, will Donald Trump erneut hohe Zölle auf Fahrzeuge einführen. Das trifft vor allem den VW-Konzern.

(+) Trumps Zollankündigung: Neuer Ärger für deutsche Autohersteller

Nur wenige Tage können Hoffnung zerstören. Vergangene Woche haben VW, Porsche und Mercedes ihre Bilanzen für das erste Quartal vorgelegt. Und auch wenn die Gewinne dort erneut eingebrochen waren, für die restlichen Monate hatten sich alle auf ein bisschen Stabilität eingestellt. Die Jahresprognosen der Autohersteller waren optimistischer als noch 2025, allerdings hatten die Konzerne schon eine kleine Fußnote eingefügt: Das alles gelte nur, solange das mit den Zöllen so bleibt wie bisher vereinbart. Gemeint war damit natürlich in erster Linie die Abmachung der EU mit den USA. Doch die steht nun schon wieder auf der Kippe. Donald Trump hat am Wochenende erneut an der Zollschraube gedreht. Doch was heißt das? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was hat Donald Trump jetzt angekündigt?

Schon von diesem Montag an sollen die Zölle auf Auto- und Lastwagenimporte aus der Europäischen Union in die USA von 15 auf 25 Prozent erhöht werden. Dies schrieb der US-Präsident am Freitag auf der Plattform Truth Social. „Sie haben sich nicht an die Vereinbarung gehalten, die wir getroffen haben“, begründete Trump seine Entscheidung später vor Journalisten. „Sie“, damit meint Trump die EU-Mitgliedsstaaten, mit denen die USA im vergangenen Jahr eine neue Zollvereinbarung getroffen hatten.

Was ist das für ein Handelsabkommen?

Mitte August 2025 hatten sich Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch für europäische Autos und Autoteile sollte der Satz gelten. Schon das war für die deutsche Autoindustrie eine enorme Verschlechterung zu früheren Abkommen, denn bis April 2025 galt ein Standard-Satz von 2,5 Prozent. In ihren Jahresbilanzen gaben die deutschen Autobauer an, dass sie die neuen Zölle jeweils mehr als eine Milliarde Euro zusätzlich gekostet haben.

Das Abkommen mit den USA sah allerdings auch vor, Zölle auf US-Industriegüter zu streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern. Auch US-Autoimporte sind laut der Vereinbarung zollfrei. Das wiederum hilft auch BMW und Mercedes, da diese auch Fahrzeuge aus ihren US-Werken nach Europa importieren.

Was bezweckt Donald Trump mit der neuen Zollanhebung?

Weitere Zolldrohungen Trumps im Streit um Grönland und Unsicherheit nach einer Gerichtsentscheidung, die viele US-Zölle für rechtswidrig erklärt hatte, hatten die Umsetzung des Zolldeals allerdings gebremst. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen knüpfen zu wollen. Für den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch den entsprechenden Verordnungen zustimmen.

Der US-Präsident will dadurch Autohersteller auf der ganzen Welt dazu bewegen, trotz höherer Herstellungskosten mehr in den USA zu produzieren. Derzeit befänden sich „zahlreiche“ Produktionsstätten im Bau, das Investitionsvolumen liege bei mehr als 100 Milliarden Dollar, schreibt Trump in seinem Post. „Sie haben uns unsere Autoindustrie weggenommen“, sagte Trump. Profitiert hätten davon andere Länder wie Deutschland, Japan, Mexiko und Kanada. Das solle sich nun ändern. Mercedes, BMW und VW haben bereits Fabriken in den USA. Dennoch bauen sie dort nur einen Teil der Modelle, die auch in dem Land verkauft werden. Der Rest wird importiert. Audi und Porsche produzieren bisher überhaupt nicht in den USA. Sie treffen die Zölle also mit voller Wucht.

Was genau werfen die USA der EU vor?

Die USA hätten sich an ihren Teil der Vereinbarung mit der EU gehalten, sagte ein Beamter aus dem Weißen Haus der Nachrichtenagentur dpa. Die EU dagegen habe keine wesentlichen Fortschritte bei der Erfüllung ihrer vereinbarten Verpflichtungen erzielt – etwa in Bezug auf Handelshemmnisse im Automobilbereich, digitale Dienste sowie CO₂-Abgaben. Das Weiße Haus habe stets deutlich gemacht, dass sich Donald Trump vorbehalte, Zollsätze anzupassen, wenn Handelspartner ihren Verpflichtungen nicht nachkämen. Für Zölle auf Autoimporte aus der EU geschehe dies nun auf Basis eines gesetzlichen Rahmens, den die USA auch für andere produktspezifische Zölle nutzten.

Der chinesische Autohersteller Nio wollte die deutschen Premiummarken angreifen. Mit neuer Ladetechnik und exklusiven Verkaufsstätten. Doch bisher ging der Plan nicht auf.

Welche Reaktionen gibt es aus der EU?

Zuständig für die Handelspolitik der Staatengemeinschaft ist die EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde behielt sich in einer ersten Reaktion Gegenmaßnahmen vor, sollte Trump seine Ankündigung tatsächlich wahr machen. Man bekenne sich weiter „zu einer berechenbaren, für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen Beziehung“, teilte eine Sprecherin mit. Sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch zum gemeinsamen Handelsabkommen stünden, behalte man sich jedoch „alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen“. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament, nannte Trumps Ankündigung inakzeptabel. Das Europäische Parlament halte weiterhin an der Vereinbarung fest und arbeite an der Umsetzung des Abkommens. „Während die EU ihre Verpflichtungen erfüllt, bricht die US-Seite ihre Zusagen immer wieder“, schrieb er weiter.

Sind die neuen Zölle eine Rache an Merz, Meloni und Sánchez?

Ausgeschlossen ist das keineswegs: Das Verhältnis zwischen den USA und europäischen Ländern war zuletzt angespannt. In den vergangenen Tagen war Donald Trump etwa Bundeskanzler Friedrich Merz mehrfach verbal angegangen, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen Iran geäußert hatte. „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“, schrieb er über den CDU-Politiker. Merz hingegen spricht weiter von einem „unverändert guten“ Verhältnis. Kurz danach drohte Trump mit einem Abzug von US-Soldaten aus Deutschland.

Wie wichtig ist der US-Markt für die Autoindustrie?

Die USA zählen zu den wichtigsten Auslandsmärkten deutscher Autokonzerne, BMW und Porsche zum Beispiel verkauften 2025 fast jedes vierte Auto dort. Bereits im vergangenen Jahr brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA infolge der Zollerhöhungen jedoch ein. Da die deutschen Hersteller in China aktuell enorm an Boden verlieren, haben die USA neben Europa als Absatzmarkt noch einmal stärker an Bedeutung gewonnen. Im VW-Konzern wird seit Monaten darüber diskutiert, ob auch Audi in den USA produzieren soll, um resistenter gegen Zölle zu sein. Doch solch ein Werksbau braucht Zeit und kostet Milliarden – Geld, das der VW-Konzern gerade nicht in der Portokasse hat, da die Geschäfte auch in anderen Weltregionen schlecht laufen.

Was sagen Experten?

„Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen“, sagte etwa Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstärke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden. „Für die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das natürlich Gift.“ Die angekündigten Zölle könnten für die Autoproduktion in Deutschland zusätzliche Belastungen von jährlich rund 2,5 Milliarden Euro bringen, geht aus Berechnungen des Center Automotive Research (CAR Institute) in Bochum hervor. Nach Ansicht von CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer richtet sich Donald Trumps Vorgehen zwar gegen die EU, im Fokus stehe aber ganz klar Deutschland. „Da die Exporte der ausländischen Autobauer in die USA unwesentlich sind, lassen sich die neuen Trump-Zoll-Drohungen auch als der Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland interpretieren“, betonte Dudenhöffer.

Droht nun eine Rezession?

Ifo-Chef Clemens Fuest warnt vor erheblichen Risiken für die deutsche Wirtschaft. Der Ökonom befürchtet ernsthafte Folgen, sollte die EU ihrerseits Zölle auf US-Produkte erheben. Fuest sagte der Bild-Zeitung: „Falls daraus ein neuer Handelskrieg wird, droht Deutschland 2026 eine Rezession.“ Die geplanten Zollerhöhungen träfen die deutsche Autoindustrie in einer ohnehin schwierigen Lage, so Fuest. Jens Südekum, Berater im Bundesfinanzministerium, rät dem Bericht zufolge abzuwarten. Zunächst solle geprüft werden, ob die angekündigten US-Zölle tatsächlich erhoben würden. Für diesen Fall sprach er sich für „angemessene Gegenmaßnahmen“ der EU aus.

Mit Material von dpa

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