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15.05.2026
05:35 Uhr
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Kuba leidet unter ständigen Stromausfällen, seit kein Öl mehr die Insel erreicht. Nun kam US-Geheimdienstchef Ratcliffe zu Besuch – und Raúl Castro soll offenbar angeklagt werden.

Die drei Buchstaben CIA lösen in Kuba normalerweise eher Panikattacken aus: Es handelt sich schließlich um den bekanntesten Auslandsgeheimdienst der USA. Von dessen Mitarbeitern wurde zum Beispiel 1961 die – allerdings kläglich gescheiterte – Invasion in der Schweinebucht organisiert, zwei Jahre nach der Revolution von Fidel Castro und seinen Mitstreitern. Auch werden der Central Intelligence Agency mehrere Versuche zugeschrieben, Castro zu töten – er starb dann 2016 mit 90 an Altersschwäche. Aber am Donnerstag landete ein Flugzeug mit Aufschrift „United States of America“ in Havanna, und von Bord ging John Ratcliffe, der Direktor der CIA.
Auch einer seiner Vorgänger war mal dort. John Brennan bemühte sich damals unter Barack Obama um die Wiederbelebung der diplomatischen Beziehungen. Aber sein Besuch war so vertraulich, wie es sich für Geheimagenten gehört, weshalb das kaum jemand mitbekam. Ratcliffe dagegen kam im Auftrag von US-Präsident Donald Trump, und er flog nicht nur in einer Regierungsmaschine, er schaffte es sogar in die kommunistische Parteizeitung Granma, benannt nach dem Schiff, mit dem die Castros einst aus dem Exil in Mexiko nach Kuba übersetzten, um den Diktator Batista zu stürzen.
In dem Blatt informierte die KP-Führung, dass der CIA-Chef Ratcliffe „auf Antrag der US-Regierung“ empfangen worden sei. Und zwar „in einem Kontext, der durch die Komplexität der bilateralen Beziehungen gekennzeichnet ist, um zum politischen Dialog zwischen beiden Nationen beizutragen, als Teil der Bemühungen, der aktuellen Lage zu begegnen“, wie es in der gestelzten Parteisprache heißt.
Zur aktuellen Lage wäre zu sagen, dass die ältesten Revolutionäre zwar seit gut 70 Jahren durchhalten, neunzig Meilen südlich von Key West. Vorneweg der 94-jährige Raúl Castro, Fidels Bruder, die graue Eminenz, von ihm wird gleich noch die Rede sein. Aber inzwischen gehen wirklich buchstäblich die Lichter aus, weil Kuba vor allem seit den amerikanischen Angriffen auf die Verbündeten Venezuela und Iran kein Öl mehr bekommt. Immerhin war im Besprechungszimmer die Deckenleuchte an, wie ein CIA-Foto von Ratcliffes Besuch zeigt.
Zu sehen sind darauf neben Ratcliffe unter anderem Kubas Innenminister Lázaro Álvarez Casas, der oberste kubanische Geheimdienstler, sowie Raúl Rodríguez Castro alias „Raulito“, ein Enkel von Raúl Castro. Bekannt wurde er auch unter seinem Beinamen „El Cangrejo“, der Krebs. Mit ihm führen die Amerikaner schon länger Gespräche, was in der kubanischen Exilgemeinde in Miami den unangenehmen Verdacht erweckt, dass Trump mit der Castro-Riege Geschäfte machen will und ähnlich wie in Caracas nicht so sehr an einer demokratischen Wende interessiert sein könnte.
Gegen einen Teil dieses Eindrucks spricht, dass am Donnerstagabend wenige Stunden nach Ratcliffes Ankunft die Nachricht von einer möglichen Anklage gegen Raúl Castro die Runde machte. Demnach will ihm das US-Justizministerium den Abschuss zweier Flugzeuge von US-Kubanern aus der Gruppe „Hermanos al Rescate“ im Jahr 1996 zur Last legen. Diese „Brüder für die Rettung“ suchten sowohl aus der Luft nach kubanischen Bootsflüchtlingen, damit diese gerettet werden konnten, warfen aber auch regelmäßig Flugblätter ab, die der Wind bis nach Kuba wehen sollte. Dennoch haben die Gespräche besonders mit Rodríguez Castro jetzt ein offizielles Niveau erreicht; mit US-Außenminister Marco Rubio traf sich dieser Mittelsmann aus dem Castro-Clan im Februar heimlich auf St. Kitts. Er war früher der Bodyguard seines Großvaters, soll ein Freund des Luxuslebens sein und hat offenbar beste Kontakte ins Reich des Erzfeindes.
Die CIA gab in einem Statement bekannt, dass die USA bereit seien, „sich ernsthaft mit Wirtschafts- und Sicherheitsfragen zu befassen – jedoch nur, wenn Kuba grundlegende Änderungen vornimmt“. Welche Änderungen genau das sein sollen, ist nicht klar. Am 1. Mai, auf Kuba ein großer Feiertag, hatte das Weiße Haus Sanktionen gegen Kubas Regierung angekündigt, sie sei für Repression und „für eine ungewöhnliche und außergewöhnliche Bedrohung“ der USA verantwortlich.
Im Parteiorgan Granma erklären die solchermaßen Beschuldigten jetzt, dass Kuba weder die USA bedrohe noch es einen Grund gebe, das Land in einer Liste von Staaten aufzunehmen, die angeblich den Terrorismus fördern. „Es hat sich erneut gezeigt, dass die Insel keine terroristischen oder extremistischen Organisationen beherbergt, unterstützt, finanziert oder zulässt.“ Sicher ist, dass Kuba dringend Treibstoff, Lebensmittel und weitere Hilfsgüter benötigt. „Wir haben absolut kein Heizöl, absolut keinen Diesel“, zitieren mehrere Medien Vicente de la O Levy, den Energieminister in einem Land ohne Energie.
Er räumt ein, dass die Stromausfälle in der Hauptstadt mehr als 20 oder 22 Stunden andauern, also praktisch den ganzen Tag. Das führt inzwischen auch zu Protesten, ohnehin verlassen Kubaner seit Jahren in Massen ihre Heimat. Das US-Embargo hält bereits seit mehr als 60 Jahren, zuletzt sorgte Trump auch noch für eine Blockade von Schiffen, die sich aus Mexiko mit Öl nach Kuba aufmachten. Nur ein russischer Tanker mit gut 700 000 Barrel Öl an Bord durfte passieren, aber die Lieferung scheint rasch aufgebraucht worden zu sein.
In einem langen Beitrag auf X nannte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel den Zustand der Elektrizitätsversorgung „besonders angespannt“ und schrieb: „Diese dramatische Verschärfung hat einen einzigen Grund: die genozidale Energieblockade, der die USA unser Land aussetzen.“
Am Dienstag bot das US-Außenministerium Kuba „100 Millionen Dollar an direkter humanitärer Hilfe“ an sowie „kostenloses und schnelles Satelliten-Internet“. Letzteres ist bei den kubanischen Machthabern nicht sehr beliebt. Das Regime weigere sich, den USA „diese Hilfe dem kubanischen Volk zukommen zu lassen, das aufgrund des Versagens des korrupten kubanischen Regimes dringend Hilfe benötigt“, behauptet das State Department. Aber angesichts der Notlage kann es sein, dass Kuba doch zugreift.
Kuba ist nicht mehr der karibische Stützpunkt Moskaus wie in Zeiten der Kubakrise 1962, als die Welt am Rande eines Atomkriegs stand. Aber Ratcliffe warnte die Kubaner laut New York Times davor, Russland und China von dort aus spionieren zu lassen. Ansonsten soll er den Kubanern geraten haben, Trump ernst zu nehmen, wie das Wall Street Journal berichtet. Er erinnerte demnach an Venezuela, wo US-Soldaten Anfang Januar einfielen und den Präsidenten Nicolás Maduro mitnahmen.
An Kuba scheiterten alle US-Präsidenten von Eisenhower bis Trump 1 – und die linke, deutsche Intelligenzija: Über Revolutionstouristen, die beseelt auszogen und ernüchtert zurückkamen.
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