SZ 07.05.2026
14:33 Uhr

Baumarktketten: Wer darf Orange tragen?


Die Baumarktkette Obi hat sich ihren Farbton schützen lassen, doch Hornbach und Globus mögen Orange auch – ebenso wie die Niederlande und die Müllabfuhr. Nun muss der Bundesgerichtshof entscheiden.

Baumarktketten: Wer darf Orange tragen?

Es gibt diesen geschmacklosen, aber einprägsamen Mallorca-Hit von Mickie Krause, in dem der Sänger die These aufstellt, dass die Farbe Orange nur die Müllabfuhr trägt. Er schwärmt darin von Käse aus Holland, von Gras und Brüsten, eigentlich will er das Nachbarland veräppeln. Den Refrain lernt jedes Kind und jeder besoffene Mallorca-Tourist im „Bierkönig“ leicht: „Orange trägt nur die Müllabfuhr.“ Krause ruft das ganze 36-mal ins Mikrofon, bis der Song endlich endet.

Orange, das ist aber nicht nur die Farbe der Müllmänner und Niederländer, sondern auch die von Obi. Vor 16 Jahren schon hat die Baumarktkette aus Wermelskirchen bei Wuppertal für ihr Hellrotorange eine „abstrakte Farbmarke“ angemeldet und sie sich später beim Deutschen Patent- und Markenamt eintragen lassen.

Das Problem: Orange-Töne sind in der Branche beliebt. Die Baumarktketten Hornbach aus dem pfälzischen Bornheim und Globus aus Völklingen im Saarland tragen auch Orange und sie verlangten, die Farbmarke zu löschen. Obis Hellrotorange habe nicht die nötige Unterscheidungskraft, zu wenige Menschen würden an den Baumarkt aus Wermelskirchen denken, wenn sie den Farbton sehen. Mit anderen Worten: Nicht nur Obi trägt Orange.

Das Patent- und Markenamt konnte dieser Argumentation offenbar folgen und gab Globus und Hornbach recht. Obi beschwerte sich, doch das Bundespatentgericht wies das zurück. Wohl auch deshalb, weil sechs der sieben umsatzstärksten Baumarktketten zum Zeitpunkt der Markenanmeldung die Farben Orange oder Rot verwendeten. Eine Kette aus Kirkel im Saarland war blau, aber die gibt‘s heute nicht mehr.

Doch so leicht gibt sich ein Baumarkt nicht geschlagen, Aufgeben ist keine Option. So kennt Obi es schließlich von seiner heimwerkelnden Kundschaft, die auch nicht gleich verzagt, wenn der Stahlträger in der Wand die Bohrmaschine zurückweist. „Die Farbe Orange ist seit Jahrzehnten ein zentraler und unverwechselbarer Bestandteil der Markenidentität von Obi“, schreibt das Unternehmen. Kundinnen und Kunden brächten diesen Farbton im Baumarktsegment unmittelbar mit Obi in Verbindung. „Aus diesem Grund setzen wir uns konsequent für den Schutz unserer Hausfarbe ein.“ Am Donnerstag wurde der Fall am Bundesgerichtshof besprochen, entscheiden wollen die Richter jedoch an einem anderen Tag.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Unternehmen um Farben zanken. Auch das Sparkassen-Rot ist umstritten, das Nivea-Blau, das Langenscheidt-Gelb oder das Gold der Lindt-Hasen. Streit gibt es auch um Formen, etwa ums Quadrat, wie zwischen Ritter Sport und einem Mannheimer Start-up. Um eine Farbe als Marke exklusiv nutzen zu können, muss sie unterscheidungskräftig sein.

„Farbe ist im Marketing extrem wichtig“, sagt Sebastian Hackelsperger, der sich als Professor an der Hochschule Pforzheim mit visueller Kommunikation beschäftigt, der Deutschen Presse-Agentur. Farbe nehme man schneller wahr als Logos oder Namen. Auch unscharf und aus der Ferne sind Farben zu erkennen und wichtig, um im Supermarktregal schnell sein Lieblingsprodukt zu finden. Marken, die oft ihre Farbe wechseln, können laut Hackelsperger sogar an Umsatz verlieren. Bleibt man bei seinen Farben, bleibt man im Kopf.

Doch das Patentgericht stuft Farben nur selten als schutzwürdig ein. Ausdauer zahlt sich aber aus. Milka ist das mit Lila gelungen und der Telekom mit Magenta. Nun müssen die obersten Richter des Landes entscheiden, welcher Baumarkt welches Orange tragen darf. Die Antwort ist eben nicht ganz so eindeutig wie bei Mickie Krause. Orange tragen Obi, Hornbach, Soundcloud, Globus, Easyjet, Firefox, Fanta, ING, Orangen, die Telekommunikationsfirma Orange, Sixt, die Niederlande und die Müllabfuhr.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: