SZ 09.03.2026
14:00 Uhr

Kommunalwahlen in Bayern: Ein einziger Kandidat – und er wird nicht gewählt


In Mittelsinn schien alles komplett klar zu sein am Wahlabend. Ein einziger Kandidat, aufgestellt von CSU, SPD und Unabhängigen Bürgern. Nur: Bürgermeister wurde er nicht.

Kommunalwahlen in Bayern: Ein einziger Kandidat – und er wird nicht gewählt

Der Bürgermeisterkandidat im fränkischen Mittelsinn, Philipp Kuhn, hat sich am Sonntag auf einen, nun ja, nicht eben spannungsgeladenen Abend eingestellt. CSU, SPD und Unabhängige Bürger haben ihn aufgestellt, einen Gegenkandidaten gab’s nicht. Da geht es dann, kennt man ja, im Grunde vor allem um die Ehre. Gibt es Abweichler – und falls ja, wie viele?

Wird ja oft so gesagt, vor allem in Sonntagsreden: Eine Wahl lebt nicht zuletzt von der Auswahl. Wo keine Auswahl, soll das heißen, da ist die Wahl mindestens mängelbehaftet. Andererseits, wird mitunter argumentiert: Muss das denn sein, dass sich da einer womöglich nur pro forma als Zählkandidat auf den Wahlzettel drucken lässt?

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In Mittelsinn jedenfalls fanden die Wählerinnen und Wähler ihre Auswahl am Sonntag offenbar nicht komplett überzeugend. Und haben mehrheitlich nicht den einen, ihnen angebotenen Kandidaten gewählt. Sondern, wie es nun formvollendet in der Statistik heißt: „wählerbenannte Personen“.

Philipp Kuhn, der Vertreter von „CSU/SPD/UB“, versammelte 49,1 Prozent auf sich. Die besagten „wählerbenannten Personen“ kamen auf schöne 50,9 Prozent. Nun handelte es sich dabei tatsächlich um „Personen“, mehrere also, wie der Wahlsachbearbeiter am Tag danach preisgibt. Welche genau, soll ein Geheimnis bleiben. Mittelsinner mit exakt einer Stimme könnten, so die Begründung, die Veröffentlichung ihres Namens eher so mittelprächtig finden.

Definitiv veröffentlicht dagegen wird der Name jenes Mannes, der bislang Bürgermeister ist, Dirk Schiefer. Der hatte bereits im September eine weitere Kandidatur abgelehnt. Schiefer hatte 2023 den verstorbenen Amtsinhaber ersetzt. Wollte jetzt aber nicht weitermachen, vor allem weil ihm das als hauptberuflichem Lokführer einfach alles zu viel wurde.

Was nun nicht so ganz perfekt gelungen ist: Schiefer, der Nicht-Kandidat, bekam zwei Stimmen mehr als Kuhn, der Kandidat. Drei Stimmen mehr – und Schiefer wäre, wider Willen gewissermaßen, offiziell zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt worden.

Wer sind die neuen Bürgermeister und Landräte, wo kommt es zu einer Stichwahl und welche Mehrheiten gibt es in den Stadträten und Kreistagen? Ein Überblick in Karten und Grafiken.

Am Vormittag danach ist alles noch etwas unübersichtlich in Mittelsinn, kann man ja verstehen. Viele warten darauf, dass sich Schiefer, der Lokführer, mal meldet. Würde er sich als Kandidat für eine Stichwahl aufstellen lassen, gäbe es eine. Tut er es nicht, wäre nicht etwa Kuhn zum Rathauschef gewählt. Kuhn hat ja gar keine Mehrheit. In dem Fall müsste es Neuwahlen geben, sagt der Wahlsachbearbeiter.

Nicht-Kandidat Schiefer kann sich noch bis Dienstagabend Gedanken machen, ob er antritt. Kandidat Kuhn findet das Ganze so oder so seltsam. Er glaube über Zuträger mitbekommen zu haben, im Hintergrund sei durchaus „Wahlkampf“ gemacht worden. Und das nicht für ihn. Schiefer dementiert dies via Main-Echo scharf.

Kleiner Trost für beide: In Eschlkam in der Oberpfalz wurde sogar ein Bürgermeister direkt gewählt, der gar nicht kandidiert hatte. Gewonnen hat nicht der auf dem Wahlzettel hinterlegte CSU-Kandidat. Sondern die „wählerbenannte Kandidatur 1“, ein Mann namens Florian Adam, bislang schon Bürgermeister. Medienberichten zufolge hatte er zunächst angekündigt, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Dann aber erklärt, dies doch zu tun – sollte er genügend Stimmen erhalten.

In Fürth geht der Sozialdemokrat Thomas Jung in seine fünfte Amtszeit – nahezu unangefochten. In Nürnberg dagegen muss Amtsinhaber Marcus König noch einmal antreten – in Franken nicht der einzige Schauplatz einer Stichwahl.

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