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07.05.2026
15:49 Uhr
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Wie fällt man bei der Met Gala noch auf? Indem man einfach komplett in schlichtem Weiß erscheint, so wie Oma und Enkel Jacquemus.

AFP
Gut möglich, dass dies Anna Wintours letzte Met Gala war, also jenes jährliche New Yorker Fashion Event, das Geld fürs Museum sammelt. Denn wenn man mit den Bezos ins Bett geht - sie also für viel Cash zu Co-Gastgebern macht, dann muss man sich schon ein bisschen mehr konzentrieren, um sich unangreifbar zu machen. Damit ist nicht nur der Amazon-Aktivisten-Shitstorm gemeint, da wäre auch der intellektuell doch sehr faule Dresscode „Fashion is Art“ zu nennen. Warum nicht gleich „Klamotten sind Trend“ oder „Wasser ist nass“? So machte an dem Abend jeder völlig undiszipliniert was er wollte. Für die einen war das Event ganz einfach eine Gala zum Aufbrezeln (Nicole Kidman im Chanel-Paillettenkleid), für andere Frühlings-Halloween (Heidi Klum als Statue), und wieder andere waren mit Marketing beschäftigt (Madonna spielte ihre eigene Musik). Wie riesig das PR-Debakel für die Vogue ist, sieht man daran, dass die Kommentatoren das ehemals wichtigste Mode-Event mit den Hunger Games verglichen („Ich schaue im Distrikt 13“). Am unbeschadetsten kam man als Branchenmitglied aus der Sache heraus, wenn man gar nicht hinging. Der Pariser Designer Simon Porte Jacquemus machte es anders und kleidete seine Großmutter Liline in luftiges Weiß, mit dem dresscode-tauglichen Hinweis auf Gips-Statuen von Giacometti. Das kann natürlich nur eine Nebelkerze gewesen sein. Die wahre Absicht war sicher eine andere: Dem Auge des Betrachters mit diesem minimalistischen Look - und dem schönen, weisen Gesicht seiner Oma - bei all dem vulgären Trash einen Ruhepol zu bieten und sich so abzugrenzen. Und klar, in vielen Teilen der Welt trägt man als Gast Weiß auf Beerdigungen. Ruhe in Frieden, Met Gala.
Auch bei Menschen, die nicht regelmäßig auf der Gästeliste der Met Gala stehen, häufen sich in den letzten Jahren Anlässe, bei denen ein „Dresscode: White“ ausgegeben ist. Denn jede ambitionierte Kreisstadt schmückt sich mittlerweile mit einem dinner en blanc oder einer „Weißen Nacht“, und auch private Hochzeiten und Sommerfeste wollen immer häufiger Ibiza erzwingen. Das Beharren auf gänzlich weiße Outfits soll bei solchen Anlässen ein Garant für ein stilvolles Event sein. Zumindest bei den Herren klappt das aber in der Praxis oft nicht ganz befriedigend. Weil sie ganz in Weiß eben leicht aussehen wie Kreuzfahrt-Stewards, Sektengurus oder eine Art Raffaello mit Rasierbrand. Vor allem junge Männer, egal wie gut gebräunt oder lässig sie sind, gewinnen in gänzlich weißer Abendgarderobe selten, das sieht man auch hier an Monsieur Jacquemus. Als Südfranzose bringt der Designer zwar sogar noch so etwas wie eine natürliche Eignung zum weißen Leinenzeug mit, die sich aber mitten in New York nicht ganz entfalten kann. Sein Outfit ist okay, aber irgendwie auch substanzlos. Wenn das Auge des Betrachters nichts hat, an dem es sich festhalten kann, wird jedes Layering und jedes Revers ein Stück weit nutzlos. Aber klar, das schwache Motto dieses Jahr war ja: Fashion is Art. Und in diesem Sinne war das hier wohl die weiße Leinwand, die sich klug mit den grellen Paradiesvögeln ringsherum füllte. Dieser Plan geht aber auch wirklich nur bei der Met Gala auf.
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