|
09.05.2026
17:58 Uhr
|
Nach einem Jahr ohne Europapokalteilnahme sichert sich RB Leipzig mit einem 2:1 gegen St. Pauli den Zugang zur Champions League. Den Hamburgern fehlt mal wieder die Torgefahr – doch sie bekommen im Abstiegskampf noch eine allerletzte Chance.

Willi Orban (rechts) und David Raum bejubeln die Rückkehr in die Königsklasse. Jan Woitas/dpa
Zum zehnjährigen Jubiläum des Erstliga-Aufstiegs hat sich RB Leipzig am Samstag die Rückkehr in die Champions League gesichert. Unter den Augen des Paten des RB-Projekts, Ralf Rangnick, besiegte Leipzig den FC St. Pauli mit 2:1 (1:0) – und ist damit am letzten Spieltag nicht mehr von den ersten vier Plätzen der Tabelle zu verdrängen. Der FC St. Pauli blickt vor dem Saisonfinish in den Abgrund der zweiten Liga. Es bietet St. Pauli immerhin ein veritables Endspiel um den Relegationsplatz gegen den VfL Wolfsburg, der nach seiner 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern punktgleich bleibt, aber die bessere Tordifferenz aufweist. Bei Spielschluss war auch noch nicht ausgeschlossen, dass Schlusslicht Heidenheim den FC St. Pauli in der Tabelle überholt. Eine direkte Rettung ist für St. Pauli nicht mehr möglich.
Die beiden Mannschaften traten unter denkbar unterschiedlichen mentalen Voraussetzungen an, und es war ihnen anzumerken: Hier die Leipziger, die um ein verlockendes Ziel kämpften – die Rückkehr in die europäischen Wettbewerbe nach einjähriger Abstinenz –, dort eine Mannschaft aus St. Pauli, die von Abstiegsangst auf den Platz begleitet wurde. In den letzten zehn Spielen hatte St. Pauli nur einen Sieg, aber fünf Niederlagen eingefahren. Leipzig wiederum hatte im gleichen Zeitraum sieben Siege aufzuweisen. Überdies hatte St.-Pauli-Trainer Alexander Blessin ein Motto ausgegeben („Wir wollen möglichst lange die Null halten“), das die Gäste zunächst tief und kompakt stehen ließ.
Das wirkte sehr bald wie ein Spiel mit dem Feuer. Denn es potenzierte das eh bemerkenswert hohe Selbstvertrauen der Leipziger. Sie dominierten die Szenerie im Grunde mit Beginn der Partie. Hätten erst Christoph Baumgartner und dann Ridle Baku im Fünfmeterraum ihre Füße sortiert bekommen, so hätte es schon nach acht Minuten 1:0 für Leipzig gestanden: RB-Stürmer Rômulo hatte dem Kapitän St. Paulis, Jackson Irvine, in Strafraumnähe den Ball abgekämpft und auf Yan Diomande gepasst, der wiederum vors Tor spielte.
Was folgte, ließ erahnen, dass die anfängliche Dominanz Leipzigs weniger auf fußballerischen Ideen beruhte als auf individueller Qualität. St. Pauli wurde sich dessen allmählich gewahr. Der erste vielversprechende Konter endete für die notorisch torungefährlichen Hamburger auf die vielleicht denkbar beste Art und Weise, das heißt, mit einem vielversprechenden Freistoß am Strafraum. Aber: Die schwedische Fachkraft Eric Smith vermochte es nicht, für St. Paulis dreizehntes Standardtor der Saison zu sorgen; er setzte den Ball aus 18 Metern knapp neben das Tor.
Danach blieb St. Pauli nicht nur gefährlich, sondern jagte den Leipzigern nach gut einer halben Stunde einen weit größeren Schrecken ein. Bei einem Konter legte Andreas Hountondji quer auf Martijn Kaars. Der Niederländer aber setzte den Ball aus elf Metern mit einem satten Schuss aus vollem Lauf bloß an die Oberkante der Querlatte, nicht ins Tor.
Die Aktion glich zu diesem Zeitpunkt einem Akt der Begnadigung, Leipzig nutzte sie unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff – und traf zur 1:0-Führung. Niemand wird je behaupten wollen, dass der Treffer die Folge eines einstudierten Standards war. Kapitän David Raum flankte auf Baumgartner, der Österreicher köpfelte den Ball in den Allerwertesten von Xaver Schlager, und der setzte ihn – den Ball, nicht den Allerwertesten – an die Unterkante der Querlatte. Es war gewissermaßen Schlagers Abschiedsgeschenk. Der Mittelfeldspieler wird Leipzig am Ende der Saison in Richtung Bournemouth verlassen, wo der frühere RB-Coach Marco Rose im Sommer Trainer wird.
Nach der Pause kam es zu einer Szene, bei der Baumgartner glücklich sein konnte, dass der Referee Milde walten ließ. Baumgartner sprang Rechtsverteidiger Tomoya Ando in die Knöchel (50.). Was wohl gewesen wäre, wenn da die Unversehrtheit des Sprunggelenks von, sagen wir, einem FC-Bayern-Spieler auf dem Spiel gestanden hätte? Baumgartner blieb auf dem Platz, zum Glück aus Leipziger Sicht, denn es wäre nur leicht übertrieben, behauptete man, er habe in der 53. Minute die erste klare Leipziger Idee der Partie gehabt.
Worin sie bestand? Er schickte Diomande auf die Reise – und der Ivorer setzte den jungen Assan Ouedraogo ein, doch die DFB-Nachwuchshoffnung setzte den Ball bloß an den Pfosten. Den Abpraller klärte ein St. Paulianer zur Ecke, die das 2:0 brachte, diesmal auf konventionelle Weise, sprich: ohne den Einsatz von Körperteilen unterhalb der Taille. David Raum flankte, Willi Orban köpfelte, 2:0.
Was danach geschah, war fast nicht weiter der Rede wert: Ein Abseitstor von Brajan Gruda gab es, dann schienen sich beide Teams darauf zu konzentrieren, an die Zukunft zu denken: St. Pauli an das existenzielle Duell der kommenden Woche gegen die Volkswagen-Tochter Wolfsburg; Leipzig an die Champions-League-Hymne, die in der nächsten Saison wieder erklingen wird. „Europapokal“, sangen die Leipziger Fans, es unterbrach sie der eingewechselte Abdoulie Ceesay in der 87. Minute. Nach einer Kopfballvorlage von Irvine stand er plötzlich allein vorm Leipziger Tor – und verkürzte auf 1:2 (86.). Es gab eine vierminütige Nachspielzeit, in der Irvine am Strafraum zum Abschluss kam. Doch dem Schuss fehlte das, was St. Pauli die ganze Saison über gefehlt hat: Durchschlagskraft.
Der VfB Stuttgart dominiert das direkte Duell um die Champions-League-Teilnahme gegen Leverkusen und sichert sich mit dem 3:1 die Pole-Position für den letzten Spieltag. Hoffenheim siegt im Fernduell, Augsburg hofft noch ein bisschen auf Europa.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: