SZ 23.04.2026
15:41 Uhr

Luftfahrt: Krise? Welche Krise?


Emirates Airline-Chef Tim Clark glaubt an eine schnelle Erholung nach dem Iran-Krieg. Im Spätsommer werde sich „niemand mehr erinnern“ können. Die Airline hält an ihren Expansionsplänen fest.

Luftfahrt: Krise? Welche Krise?
Sir Tim Clark, 76, ist schon seit fast 20 Jahren Chef von Emirates. Friedrich Bungert

Man hätte meinen können, dass dort auf dem großen Bildschirm ein sehr besorgter Emirates-Chef auftauchen würde, der von Drohnenattacken in Dubai und dem zerstörten Traum eines einstigen Wirtschaftsparadieses berichten wird. Doch Tim Clark war ganz offenbar nicht nach Pessimismus: „Am Ende des Sommers werden wir uns an das hier nicht einmal mehr erinnern“, so der Emirates-Chef.

Eigentlich sollte Clark persönlich zum CAPA Airline Leader Summit nach Berlin kommen, einer jährlichen Branchenkonferenz. Doch dafür war er dann angesichts des Iran-Krieges und der Attacken auf Dubai doch zu beschäftigt. Für eine Videoschalte und sein erstes Interview seit Beginn des Konfliktes reichte es aber doch.

Seine Botschaft: Es wird sich alles normalisieren, vorausgesetzt, die Lage in der Region beruhigt sich in den nächsten zwei bis vier Wochen. Laut Clark fliegt Emirates derzeit rund 65 Prozent des normal üblichen Programmes. Ein Teil des Vorkrisen-Streckennetzes hat die Airline noch nicht wieder im Angebot, aber auch das werde sich in den nächsten zwei oder drei Wochen ändern. Die Flugzeuge seien „überraschend voll“ und auch die Umsteigerströme über das Drehkreuz würden täglich wachsen, so Clark. Und gemessen am Geschäftsjahr 2025/26 sei Emirates immer noch die profitabelste Fluglinie der Welt, obwohl der März wegen des Krieges praktisch ganz ausgefallen sei.

„Das Trauma wirkt noch fort, es gibt im Moment keine klare Lösung, aber wir haben in der Vergangenheit immer wieder den Flugbetrieb sehr schnell wiederhergestellt“, so Clark. Es gab zwei Golf-Kriege, die Corona-Pandemie, schon im vergangenen Jahr den Angriff der USA und Israel auf Iran.

Allerdings war Dubai bislang selbst nie Ziel von Attacken. „Wir waren zu einem gewissen Grad bedroht, aber das hat uns nicht davon abgehalten, diese Airline wieder hochzufahren“, so Clark. In Dubai gebe es weiter private Investitionen und die Regierung gebe viel Geld für die Infrastruktur aus. „Wir werden ziemlich schnell dahin zurückkehren, wo wir im Februar waren. Dubai ist immer noch enorm attraktiv.“ Und die Regierung sei „absolut entschlossen“, die Stadt und Emirates im Besonderen so schnell wie möglich wieder hochzufahren.

Die Firma habe überhaupt nicht die Absicht, irgendetwas an den eigenen Plänen zu ändern. Das gelte auch für die Milliarden-schweren Aufträge für neue Flugzeuge von Airbus und Boeing, die in den nächsten Jahren ausgeliefert werden sollen. Emirates will auch die bestehende Flotte wie geplant weiter mit neuen Kabinen ausstatten und schnelles Internet von Starlink installieren. Weil viele Flugzeuge derzeit sowieso am Boden stehen, sei es sogar ein bisschen einfacher, das Programm durchzuziehen.

Dass die europäischen Airlines die Gelegenheit nutzen und darauf pochen, Europa dürfe sich nicht so abhängig machen von den großen Drehkreuzen am Golf, dafür hat Clark nur wenig Verständnis. Wenn die Airlines effizient geführt werden würden, dann gebe es gar keinen Grund, warum sie nicht von Paris oder Frankfurt nach Manila fliegen könnten. Strecken wie diese haben Air France und Lufthansa wegen der Konkurrenz der Golf-Airlines aufgegeben.

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