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11.05.2026
07:19 Uhr
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Ein US-Amerikaner testet positiv. Ein französischer Staatsbürger zeigt Symptome. Am Montagnachmittag starten die letzten Evakuierungsflüge nach Australien und in die Niederlande.

Die Evakuierung des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs Hondius vor der spanischen Insel Teneriffa steht vor dem Abschluss. Am Montagnachmittag sollen die beiden letzten Flüge in Richtung Australien und in die Niederlande starten, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García am späten Sonntagabend mitteilte. Bislang seien 94 Passagiere von Bord geholt worden.
Unter den 17 in die USA zurückgekehrten Amerikanern wies nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums eine Person leichte Symptome auf, eine weitere sei schwach positiv auf den sogenannten Anden-Stamm des Virus getestet worden.
Die vier in die Niederlande ausgeflogenen deutschen Passagiere des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs sind am späten Abend von Eindhoven aus nach Deutschland gebracht worden. Eine Bestätigung für die geplante Ankunft des sogenannten Sonderisoliertransports in der mehr als 300 Kilometer entfernten Uniklinik Frankfurt gab es bis zum frühen Morgen nicht. Dort sollen die Passagiere zunächst weiter untersucht und beobachtet werden. Zu Beginn der Woche werden sie dann in die jeweiligen Bundesländer gebracht, teilte das Bundesgesundheitsministerium der SZ auf Anfrage mit.
Eine der betroffenen Personen stammt aus der Region Berlin-Brandenburg und soll in die Berliner Charité gebracht werden. Eine Kontaktperson aus Baden-Württemberg werde in häusliche Quarantäne gehen und dort eng begleitet. Das teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart am Abend mit. Über die Maßnahmen entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter.
Der australische Flug soll sechs Passagiere an Bord nehmen, der niederländische 18. Beide Maschinen sollen auch Bürger anderer Staaten transportieren. Neuseeland verhandelt nach eigenen Angaben noch über die Rückholung eines Staatsbürgers. Ein japanischer Passagier traf der Regierung in Tokio zufolge bereits mit einem britischen Charterflug in Großbritannien ein, wo er 45 Tage medizinisch überwacht werden soll. Er sei bei guter Gesundheit. Eine Entwarnung ist wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich.
Von den 38 philippinischen Besatzungsmitgliedern wurden nach Angaben der Regierung in Manila bislang alle negativ
getestet. 24 von ihnen sollen in die Niederlande geflogen werden und dort eine sechswöchige Quarantäne antreten. Die übrigen 14 Besatzungsmitglieder blieben Regierungsangaben zufolge an Bord, um das Schiff zur Desinfektion in die Niederlande zu steuern. Zielhafen ist Rotterdam.
Vor Beginn der Ausschiffung waren Ärzte an Bord gegangen, um eine epidemiologische Untersuchung vorzunehmen. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien ohne Krankheitssymptome, teilte daraufhin die spanische Gesundheitsministerin Mónica García vor Journalisten am Hafen mit. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern.
Einer der ausgeflogenen fünf französischen Passagiere soll auf dem Rückflug von Teneriffa nach Paris Symptome gezeigt haben. Wie Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu mitteilte, wurden daher alle fünf Passagiere sofort bis auf Weiteres unter strenge Quarantäne gestellt.
Laut den jüngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind verstorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.
Die Hondius hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein Niederländer, seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb die Deutsche am 3. Mai.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: „Das ist kein neues Covid.“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.
Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen und auch aufgrund der Sorgen der Inselregierung vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen.
Sobald die Menschen von Bord sind, soll die Hondius ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam der an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.
Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Der Ausbruch der südamerikanischen Anden-Variante des Virus auf dem Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus. Doch selbst wenn es zu einer Übertragung des Andenvirus durch Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, „sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme“. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andenvirus sei „sehr gering“.
Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht. Weil auf der Insel Tristan da Cunha im Südatlantik ein ehemaliger Passagier der Hondius Symptome zeigt, hat die britische Regierung Helfer geschickt, die per Fallschirm von einem Flugzeug absprangen. Zudem wurde medizinisches Material abgeworfen. Die Insel gilt als einer der entlegensten Orte der Welt und kann sonst nur per Schiff erreicht werden.
Auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik ist es zu mehreren Infektionen gekommen, drei Menschen sind gestorben. Was ist über den Erreger bekannt, wie steckt man sich an – und welche Möglichkeiten gibt es, sich zu schützen?
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