SZ 30.04.2026
14:13 Uhr

Nachruf: Der Lebensleser Craig Venter ist tot


Der Biochemiker verwandelte die Entzifferung des ersten menschlichen Genoms in ein medienwirksames Spektakel. Später wandte er sich der Entwicklung von künstlichem Leben zu. Venter war der Mann, der Science-Fiction Wirklichkeit werden ließ.

Nachruf: Der Lebensleser Craig Venter ist tot
Craig Venter (14. Oktober 1946–29. April 2026). MARK WILSON/AFP

Im Jahr 2000 lieferten sich zwei Gruppen ein Kopf-an-Kopf-Rennen darum, wer als Erstes ein Gesamtverzeichnis des menschlichen Erbguts veröffentlicht: Es war das internationale Humangenom-Projekt Hugo, an dem Hunderte Forscher mehr als zehn Jahre gearbeitet hatten, gegen das Unternehmen Celera Genomics, gegründet vom Biochemiker John Craig Venter. Hugo startete im Jahr 1990 mit der Entzifferung eines vollständigen menschlichen Genoms, Venter erklärte 1998, er werde mit seinem Unternehmen das Ziel schneller und günstiger praktisch im Alleingang erreichen. Zwei Jahre später präsentierten beide Gruppen nahezu zur gleichen Zeit ihre Ergebnisse. Damit hatte sich Venter als Rebell etabliert, der sich dem traditionellen Wissenschaftsbetrieb widersetzte. Forschung war für ihn nie nur ein Dienst am Erkenntnisgewinn, sondern auch ein Geschäft. Risikokapital, Firmengründungen und Privatinstitute waren für ihn Beschleuniger, die ihn von der Behäbigkeit der Hochschulen befreite. Nun ist Venter gestorben.

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