Es war der alte Shakespeare, der diese Sache mit der rosaroten Brille und der Liebe literarisch verewigt hat. Im „Kaufmann von Venedig“ legte er der Figur Jessica die folgenden Worte in den Mund: „Die Liebe ist blind, und Liebende können die törichten Dinge nicht sehen, die sie selbst begehen.“ Jessica steht als Junge verkleidet, als sie diese Zeile spricht, und schämt sich ob ihrer Maskerade, die sie für ihren angebeteten Lorenzo angelegt hat. Doch eine Liebe zwischen ihr, einer Jüdin, und dem Christen Lorenzo würde ihr Vater niemals akzeptieren, deshalb die lächerliche Verkleidung, sie musste sich unbemerkt aus dem Haus schleichen. Und so formuliert sie selbstironisch die Hoffnung, dass ihre Liebe zu Lorenzo sie vor der Einsicht der Lächerlichkeit ihres Handelns bewahren könnte.
