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06.05.2026
16:11 Uhr
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Jeff Bezos will seine Gigayacht „Koru“ verkaufen. Über Steuerbehörden, Paparazzi, zu kleine Häfen und andere nervige Dinge für Superreiche.

Die Segelyacht „Koru“, hier fotografiert vor der Mittelmeerinsel Mallorca. IMAGO/Chris Emil Janssen/IMAGO/Chris Emil Janßen
Mann verkauft Boot. Klingt mehr nach Kleinanzeige als nach einer Nachricht, wären es nicht dieser Mann und dieses Boot. Jeff Bezos verkauft seine Segelyacht, so das Gerücht dieser Tage. Der Amazon-Gründer möchte die Koru loswerden, geschätzter Wert: 500 Millionen Dollar. Das erstaunt aus einem simplen Grund: Super-, Mega- oder Gigayachten sind der neue Luxus von superreich oder überreich genannten Menschen. Konnte man lange mit einem Privatjet, dem Penthouse oder einer Insel zeigen, dass man es wirklich, wirklich, wirklich geschafft hat, sind nun große schwimmende Einheiten mit Hubschrauberlandeplatz und – im Fall Bezos angeblich – Abwehrwasserkanonen gegen Piraten das neue Protzstück. Superyachten unterscheiden die reichsten ein Prozent von den reichsten 0,1 Prozent. Zu Letzteren gehört Bezos spätestens, seit er im Jahr 2018 als erster Mensch die 100-Milliarden-Dollar-Vermögensgrenze geknackt hat. Dass er das mit jeder Milliarde mehr ein bisschen lieber zeigt, hat seit der Hochzeit in Venedig jeder verstanden.
Die weitverbreitete These zum Yacht-Boom jedenfalls ist simpel: Der Reiche flieht vor den Paparazzi, dem armen Durchschnittsbürger und den Beamten des Fiskus. Dem Prinzen Mohammed bin Salman etwa wird nachgesagt, er sei mit seiner Yacht dem Gelände seines eigenen Königreiches entflohen, um dort keine Steuern zahlen zu müssen.
Dieses Beispiel untermalt eine altbekannte Wahrheit: Reich sein und sparen sind keine Gegensätze, sondern untrennbar vereint. Reich wird man, indem man spart. Reich bleibt man, indem man spart. Über Bill Gates gibt es die Anekdote, dass er an einer Ladenkasse mal den Betrieb aufgehalten hat, weil er nach einem Rabattcoupon in seiner Hosentasche gewühlt hat, als er längst Millionär war. Von Bezos wird erzählt, dass er als Kind Spielzeug, das er im Laden gesehen hat, lieber nachgebaut hat, als es zu kaufen, um zu verkünden: „Meins ist billiger.“ Dazu passt, dass er als Erwachsener aus Steuergründen von Seattle nach Miami gezogen ist – und dass die Koru unter der Flagge der Cayman Islands durchs Meer fährt, auch bekannt als Steuervermeidungsinseln. Da aber die Betriebskosten einer Yacht pro Jahr rund zehn Prozent des Kaufpreises entsprechen, dämmert es Bezos vielleicht, dass es noch günstiger ist, keine Yacht zu haben.
Falsch. Der Grund ist banal wie logisch. Die Koru ist 125 Meter lang, 17 Meter breit und 70 Meter hoch – zu groß für viele Häfen. Sie wurde von Rotterdam aus ohne Masten geliefert, weil sie nicht unter einer Brücke durch passte. Dass sie eine „Begleityacht“ (ja, so kann ein Beiboot heißen) hat, die nur 75 Meter misst, löst das Problem nicht. Das ist nicht nur unpraktisch, wenn man eine Schwäche für Venedig hat. Sondern lässt einen Verdacht aufkommen: Der Punkt an Yachten ist eben nicht die Flucht, sondern doch nur das Gesehenwerden. Die Frage ist nur: Was ist die Steigerung einer Gigayacht? Darauf scheint Bezos noch keine Antwort zu haben. Noch wird das Schiff offenbar nicht verkaufshübsch gemacht, sondern juckelt in Französisch-Polynesien herum – wie man dank des Internets sehen kann. Sorgen um Bezos muss man sich wegen der Identitätskrise einstweilen nicht machen. Mit Blick aufs Meer lässt sich bekanntermaßen vorzüglich nachdenken. Reicht das nicht, gibt es noch die Bibliothek. Oder den Meditationsbereich auf dem Spa-Deck.
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