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03.05.2026
14:50 Uhr
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Mehr als 100 Weggefährten finden sich am Samstagnachmittag in der Münchner St.-Michaels-Kirche ein, um Abschied von einem großen Schauspieler, Weltbürger und guten Freund zu nehmen.

Es war eine rhetorische Frage, die Iris Berben zu Beginn der Trauerfeier für ihren kürzlich verstorbenen Schauspielerkollegen Mario Adorf stellte: „Ist über ihn nicht schon alles gesagt, geschrieben und erinnert worden?“ Nein, das sei es nicht, antwortete sie: Das sei gar nicht möglich bei so einem Menschen „mit einem prallgefüllten Lebenskoffer“. Einem „Jahrhundertlebenskünstler“, wie ihn der Pater Martin Stark in der St.-Michaels-Kirche bezeichnete.
Dort hatten sich am Samstagnachmittag mehr als hundert Weggefährten eingefunden, um Abschied von einem großen Künstler und guten Freund zu nehmen. Unter den geladenen Gästen waren dabei nicht nur Kollegen und Kolleginnen wie Uschi Glas, die bereits kurz nach 13 Uhr eingetroffen war, fast eine Stunde, bevor der Gedenkgottesdienst beginnen sollte.
Auch Senta Berger war gekommen, die mit Adorf über dessen erste Ehefrau Lis Verhoeven und ihren verstorbenen Ehemann Michael Verhoeven sogar verschwägert war (und mithin Tante von Adorfs Tochter Stella ist). Regisseure wie Margarethe von Trotta und Dominik Graf erwiesen Mario Adorf ebenfalls die letzte Ehre.
Dass Adorfs Ausstrahlung und Anziehungskraft allerdings weit über seine eigene Branche hinaus reichten, belegte beispielsweise die Anwesenheit von Konzertveranstalter Marek Lieberberg oder Musikmanager Thomas Stein. Sogar ein ehemaliger Fußballprofi und -manager wie Günter Netzer hatte es sich nicht nehmen lassen, der Einladung Folge zu leisten.
Mario Adorf war am 8. April im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben, beigesetzt wird er demnächst in St. Tropez, dem Heimatort seiner zweiten Ehefrau Monique, mit der er mehr als vier Jahrzehnte verheiratet gewesen ist.
Aber in München hatte Adorf bis zuletzt noch eine Wohnung, mit der bayerischen Landeshauptstadt verband ihn eine besondere Beziehung, weshalb sein langjähriger Manager Michael Stark hier auch die Trauerfeier organisiert hatte. In München hat Adorf die Schauspielerei gelernt, an der Otto-Falckenberg-Schule und an den Kammerspielen. Hier hat er später prägende Rollen verkörpert in der TV-Serie „Kir Royal“ oder dem Film „Rossini“, beide gedreht von Helmut Dietl. Dessen ebenfalls im Regiefach tätiger Sohn David war auch unter den Trauergästen.
Passenderweise fand nach dem Gottesdienst ein Empfang im Hotel Bayerischer Hof statt, wo eine legendäre Szene für „Kir Royal“ gedreht wurde: mit Adorf im Bademantel am Pool, in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher, im Dialog mit dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. (Das Vorbild für diese Figur, Michael Graeter, war im Übrigen ebenfalls unter den Trauergästen.)
Mario Adorf war ein Schauspieler, der seine Charaktere umarmte. Ein Mann voller Wärme, der allergisch war gegen Ungerechtigkeit. Wegbegleiter erinnern sich an ihn.
Mehr als den Schauspieler würdigten die Trauerredner freilich den Humanisten, Menschenfreund und Mahner Mario Adorf, der zum Ende seines Lebens hin „zutiefst beunruhigt“ die politischen Entwicklungen in Europa und der Welt verfolgte, wie seine Tochter Stella erzählte. Als „überzeugter Weltbürger“ habe ihr Vater das Wiedererstarken von Nationalismus und Ausgrenzung, von einer Sprache der Menschenverachtung und des Hasses mit Sorge beobachtet.
Auch Iris Berben würdigte mit einer sehr persönlichen Anekdote die Haltung Adorfs, dessen „immer von Respekt und Zugewandtheit geprägten Umgangs mit Menschen“. Als Adorf sich gegen Ende seines Lebens von einigen Dingen trennte, habe er ihr eine Bronzestatue von Moses mit den Gesetzestafeln zukommen lassen, samt einem Brief: Sie wüsste sicher etwas damit anzufangen.
Diese „zärtliche Geste“ habe sie „unendlich berührt“, sagte Berben. Und dass sie das Geschenk verstanden habe als Hinweis, Haltung zu bewahren in moralischen Fragen sowie nicht nachzulassen in der Wachsamkeit gegenüber menschenfeindlichen Umtrieben. „Du hast Kunst immer als Transportmittel für Botschaften benutzt“, resümierte Berben: „Wie gerne würde ich Dir jetzt zurufen: Da capo, Mario!“ („Von Vorn!“/Anmerkung der Redaktion.)
Dem schloss sich der Verleger Helge Malchow fast nahtlos an, der erinnerte, dass Mario Adorf aufgrund seiner „virtuosen mündlichen Erzählkunst“ irgendwann auch zum Schriftsteller geworden sei. In vielen seiner Bücher, die im Kölner Verlag Kiepenheuer&Witsch erschienen sind, habe er „die Leser vor der Rückkehr der Barbarei gewarnt, die er selbst als Kind in seinem Heimatort Mayen in der Eifel erlebt hat“, berichtete Malchow. Als Beleg, wie Adorf gegen das Vergessen des Nationalsozialismus anschrieb, las er die kleine Erzählung „Braunes Gesocks“, eine selbstkritische Erfahrung Adorfs, die zeige, „wie subtil schon Kinder vom Nationalsozialismus manipuliert wurden“.
Der Schauspieler Axel Milberg erinnerte in seinen Abschiedsworten an ein Mittagessen in einem Pariser Restaurant Ende 2024 und rühmte dabei Adorfs „Reichtum an Anekdoten“. Stella Adorf schwärmte von der Beobachtungsgabe ihres Vaters, die ihn „zu einem begnadeten Erzähler“ gemacht habe: „Er hat seine Rollen nie nur dargestellt, sondern wahrhaftig verkörpert.“
Adorfs langjähriger Vertrauter Michael Stark verriet am Ende, wie sich der Schauspieler seinen Abschied vorgestellt habe in einem seiner letzten Briefe: Er hoffe, die Welt zufrieden verlassen zu können – „zufrieden mit dem, was ich aus meinen Möglichkeiten gemacht habe“.
Mario Adorf hat in der Stadt gelebt und sie durch Rollen wie in Kir Royal oder Rossini geprägt. Bei seinen Auftritten versetzte er die Münchner Gesellschaft immer wieder in Wallung. Eine Erinnerung.
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