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19.04.2026
10:21 Uhr
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„Es ist immer wieder das Gleiche“: Das enttäuschende 0:0 gegen Österreich in der WM-Qualifikation ist ein Rückschritt für die deutschen Fußballerinnen – der Bundestrainer bemängelt altbekannte Fehler.

Auch das noch! Im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich wird Janina Minge nach einer Notbremse in die Kabine geschickt Madeleine Fantini/HMB-Media/Imago
Zum Anforderungsprofil von Janina Minge gehörte an diesem Abend mehr als sonst, als Anführerin voranzugehen. Kapitänin Giulia Gwinn hatte sich am Dienstag gegen Österreich die Schulter ausgekugelt und war abgereist, also streifte sich Minge vier Tage später beim Wiedersehen mit dem Nachbarn als Vize die Verantwortung über den Arm. Auf jene Weise, wie sie es dann in der 79. Minute tat, hatte die 26-Jährige aber sicher nicht das Kommando beim deutschen Nationalteam an sich reißen wollen.
Minge war ein strammer Rückpass durchgerutscht, die Österreicherin Julia Hickelsberger rannte auf das Tor von Ann-Katrin Berger zu – und Minge wusste sich nicht anders zu helfen, als Hickelsberger umzureißen. Notbremse, als letzte Spielerin, die Konsequenz war klar, ohne Murren trottete sie in die Kabine.
Nach dem 5:1 gegen Österreich zeigt sich Bundestrainer Wück unzufrieden mit der Gesamtleistung – eine frühere Problemstelle wirkt aber verlässlich behoben. Giulia Gwinn muss verletzt abreisen.
Das Bild dieses Platzverweises passte zu dem torlosen Remis, das aus deutscher Sicht durch und durch ernüchternd lief. Es war ein Spiel der fehlenden Lösungen. Das Hinspiel hatte das Nationalteam noch 5:1 gewonnen und mit dem dritten Sieg im dritten Qualifikationsspiel die Führung in der Gruppe A4 gefestigt. Mit einem weiteren Erfolg hätten die DFB-Frauen ihr Ticket für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien schon bald greifen können. Stattdessen sahen sie geknickt, wie die Österreicherinnen ausgelassen über den Rasen in Ried hüpften und strahlten. Aus deren Perspektive war dieser eine Punkt ein Fest: Zum ersten Mal überhaupt in der Länderspiel-Geschichte hatten sie gegen die DFB-Frauen nicht verloren.
„Wir sind alle unzufrieden, wir hatten uns etwas anderes vorgenommen“, sagte Christian Wück in der ARD: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Aber es ist nicht viel passiert, wir haben alles noch in der eigenen Hand.“ Der Bundestrainer verabreichte sich und seinem Team als Baldriantropfen die Botschaft, mit 14:1 Toren und zehn Punkten noch immer Erster zu sein. Nur hat Norwegen am Wochenende zwei Punkte mehr eingesammelt beim 3:2 in Slowenien und liegt jetzt lediglich einen Zähler zurück. Am 5. Juni treffen die beiden Mannschaften in Köln aufeinander, danach folgt der Abschluss am 9. Juni in Slowenien – spätestens dann muss Platz eins feststehen, um sich direkt für das Großereignis zu qualifizieren.
„Wir sind ein bisschen zu spät wach geworden“, befand Linda Dallmann: „Aber auch das gehört jetzt zu unserem Weg dazu. Wir sind eine sehr junge Mannschaft, aus solchen Spielen lernt man extrem viel.“ Auf einen Lerneffekt dieser Art hätte der Bundestrainer lieber verzichtet. Am Dienstag hatte Wück trotz des deutlichen Sieges angesichts mancher Schludrigkeit deutliche Kritik an seinen Spielerinnen geäußert und die Forderung gestellt, souveräner aufzutreten sowie stabiler in den Grundlagen, im Timing und in der Positionierung zu agieren. Statt nun mit Präzision, cleverem Kombinationsspiel oder Kreativität zu reagieren, gerieten nahezu alle Spielerinnen ins Schwimmen. Die Deutschen fanden kaum zum Ziel durch das Defensivdickicht, das die besser eingestellten Österreicherinnen hochgezogen hatten. Den DFB-Frauen missriet ständig ein Pass, sie wirkten schwerfällig, keiner Spielerin gelang es – wie zuletzt Jule Brand beim 5:1 mit drei Vorlagen und einem Treffer – belebende Impulse zu setzen.
Die einzigen nennenswerten Chancen leitete Larissa Mühlhaus bei ihrem Startelf-Debüt in ihrem dritten Länderspiel ein. Sie lieferte eine feine Vorlage bereits in der vierten Minute, Jule Brands Direktabnahme parierte Keeperin Mariella El Sherif stark. In der 72. Minute schlenzte Mühlhaus einen Freistoß in den Strafraum, den Kopfball von Nüsken wehrte El Sherif ab, den nächsten Versuch setzte Minge an die Latte. Es fehlte jene Effizienz, die zuvor gegen Slowenien und Norwegen wiederentdeckt worden war.
Kurzum: Alles, was in Part I schon mäßig gelaufen war (und von den Toren und der Leistungssteigerung nach der Pause übertüncht wurde), lief in Part II schlechter. Themen, die bereits Staub ansetzen sollten, weil sie längst verinnerlicht worden sind, müssen offensichtlich wieder hervorgekramt werden. Gefangen in der Wiederholungsschleife: Das war der Eindruck, und so wirkte auch die Gefühlslage. Zum Frust über die eigene Leistung kam dann auch noch die nächste Verletzung. Wolfsburgs Vivien Endemann musste nach einem Schlag aufs Knie kurz nach der Pause unter Tränen ausgewechselt werden.
„Es hat heute vorn und hinten nicht gepasst“, sagte Sjoeke Nüsken, die das Kapitänsamt von Minge übernommen hatte und konsternierter wirkte als ihr Chef. Der Bundestrainer mühte sich nach dem 0:0 auffällig um weniger Strenge als nach dem 5:1, konnte aber natürlich gar nicht anders, als unzufrieden zu sein: „Es ist immer wieder das Gleiche, wir haben so viele leichte Fehler gemacht. Heute war es ein kleiner Rückschritt.“ Immerhin bei der Analyse des Entwicklungsprozesses zeigte sich sprachlich jene Kreativität, die fußballerisch vermisst worden war: „Heute sind wir die Treppenstufe, die wir schon oben waren, wieder runtergefallen. Aber wir nehmen Anlauf und wollen weiter nach oben gehen.“
Nüsken hatte schon am Dienstag in Nürnberg die Müdigkeit in einer solchen Saisonphase als Erklärung für das Taumeln herangezogen. Sie und ihre Mitspielerinnen, sagte die 25-Jährige vom FC Chelsea in Ried noch, könnten nun in den Vereinen „ein bisschen durchatmen“. Auf der Couch zu Themen wie „Passgenauigkeit“ oder „Bewegung mit und ohne Ball“ in den Ordnern zu blättern, wäre dann wohl die passende Lektüre.
Janina Minge ist in kurzer Zeit zur Führungsspielerin im deutschen Nationalteam aufgestiegen. Entscheidend war das Vertrauen von Bundestrainer Christian Wück – der davon auch in der WM-Qualifikation gegen Österreich profitieren dürfte.
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