SpOn 20.05.2026
18:13 Uhr

(+) Anti-Israel-Terror in Europa: Das ist der mutmaßliche Drahtzieher


US-Behörden haben einen Mann festgenommen, der hinter einer Serie von Brandanschlägen auf jüdische und israelische Einrichtungen stecken soll. Nach SPIEGEL-Recherchen reiste er immer wieder durch Europa – und nach Moskau.

(+) Anti-Israel-Terror in Europa: Das ist der mutmaßliche Drahtzieher

Der Aufruf zum bewaffneten Kampf erreichte seine Anhänger am 9. März, eine gute Woche nach dem Beginn des US-amerikanischen und israelischen Bombardements auf Iran. »Oh Krieger des Islam«, hieß es in der Internetbotschaft. »Verteidigt eure Religion, erhebt euch, so Gott will, zum Dschihad!«

In den Wochen danach flogen in mehreren europäischen Städten Brandsätze auf Synagogen und eine jüdische Schule, auf US-amerikanische Banken sowie auf ein israelisches Restaurant in München.

In den sozialen Medien bekannte sich eine bis dahin unbekannte Gruppe zu den Anschlägen. Ihr Name: Harakat Ashab al-Jamin al-Islamija, kurz Haji. Terrorismusexperten vermuteten iranische Geheimdienste hinter der Terrorwelle. Der Verfassungsschutz sprach von einem irakisch-schiitischen Netzwerk.

Ausgebrannte Krankenwagen einer jüdischen Hilfsorganisation in London: Dem iranischen Regime treu ergeben

Ausgebrannte Krankenwagen einer jüdischen Hilfsorganisation in London: Dem iranischen Regime treu ergeben

Foto: Hannah McKay / REUTERS

Am vergangenen Freitag ließen die US-Behörden den Mann, der die Serie von insgesamt 18 Anschlägen initiiert und orchestriert haben soll, festnehmen. Mohamed Baqer Saad Dawood al-Saadi, so geht es aus der Anklage der US-Justiz hervor, soll nicht nur der Drahtzieher der Anschlagsserie in Europa gewesen sein. Der 32 Jahre alte Iraker versuchte den Ermittlungen zufolge auch, den Terror in die USA zu tragen.

Der SPIEGEL hat das Netzwerk des mutmaßlichen Terrorpaten durchleuchtet. Die Anklage der US-Justiz und die unter Saadis Namen geführten Social-Media-Kanäle zeichnen das Bild eines Mannes, der dem iranischen Regime offenbar treu ergeben war – und im Netzwerk radikalschiitischer Milizen eine führende Funktion ausübte.

Miliz der »Achse des Widerstandes«

Die Anklage bezeichnet Saadi als Führer der Kataib Hisbollah . Die im Irak ansässige Miliz gilt als Teil der »Achse des Widerstandes«. Zu dem informellen Islamistenbündnis gehören unter anderem die palästinensische Hamas, die libanesische Hisbollah und die jemenitischen Huthi-Milizen. Ihr Ziel: die Vernichtung Israels und die Vertreibung der USA und ihrer Verbündeten aus der Region. Die USA stuften die Kataib Hisbollah bereits 2009 als Terrororganisation ein.

Saadi unterstützt die Miliz laut Anklage mindestens seit 2017. Nach Recherchen des SPIEGEL stellte er seine Führungsrolle in der »Achse des Widerstandes« offen zur Schau.

Fotos in den sozialen Medien zeigen ihn an der Seite von Qasem Soleimani. Dieser führte bis zu einem tödlichen Drohnenangriff im Januar 2020 die Quds-Brigaden an, eine Spezialeinheit der iranischen Revolutionswächter, die für Anschläge im Ausland verantwortlich gemacht wird.

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