SpOn 24.05.2026
05:30 Uhr

(+) Beziehung: Welcher Bindungstyp Sie sind – und was das für die Liebe bedeutet


Amir Levine hat ein Buch darüber geschrieben, wie Menschen lieben und sich binden. Danach entstand ein Hype um den Psychiater ‒ doch der Erfolg war ihm peinlich. Nun, 16 Jahre später, will er ein paar Dinge klarstellen.

(+) Beziehung: Welcher Bindungstyp Sie sind – und was das für die Liebe bedeutet
In diesem SPIEGEL LOVELETTER finden Sie außerdem:

SPIEGEL: Herr Levine, vor 16 Jahren haben Sie den Weltbestseller »Attached« geschrieben und damit die Idee der verschiedenen Bindungsstile in romantischen Beziehungen auch Laien bekannt gemacht. In einem amerikanischen Magazin las ich nun: Der Erfolg war Ihnen peinlich. Wieso das?

Levine: Ich bin Neurowissenschaftler und Psychiater, arbeitete im Labor, in der Klinik und mit Patienten. So ein populärer Selbsthilferatgeber kann einem in der akademischen Welt den Ruf ruinieren.

SPIEGEL: Warum haben Sie ihn geschrieben?

Levine: Die Idee kam mir, als ich während meiner Facharztausbildung in einer therapeutischen Einrichtung für traumatisierte Mütter arbeitete. Wir unterstützten sie dabei, eine sichere Bindung zu ihren Kindern aufzubauen, so kam ich in Kontakt mit der von Psychiater John Bowlby und Mary Ainsworth entwickelten Bindungstheorie. Zur gleichen Zeit litt ich unter der Trennung von meiner damaligen Partnerin und bekam den Eindruck: Auch bei Erwachsenen erklärt der individuelle Bindungsstil so viel.

SPIEGEL: Für alle, die es noch nicht kennen: Können Sie das Konzept kurz erklären?

Levine: Ich unterscheide vier Bindungsstile: ängstlich, vermeidend, sicher und ängstlich-vermeidend – je nachdem, wie wichtig jemandem Intimität und Nähe ist und wie empfindlich man auf vermeintliche Bedrohungen dieser Nähe reagiert. Der ängstliche Typ braucht viel Bestätigung und fürchtet um die Beziehung, sobald zu viel Abstand entsteht. Für den vermeidenden Typ ist es umgekehrt, er schätzt seine Eigenständigkeit und fühlt sich in einer engen Partnerschaft schnell erdrückt. Der sichere Typ kann mit beidem umgehen: Er mag Nähe, bekommt aber nicht sofort Panik, wenn der Partner sich mal nicht meldet. Wer ängstlich und vermeidend ist, verhält sich in Beziehungen oft widersprüchlich. Erst will man ganz viel Intimität, dann hält man sie nicht aus.

SPIEGEL: Ängstlich-vermeidend klingt nicht so gut. Wahrscheinlich sollte man versuchen, einen sicheren Partner abzubekommen, oder?

Levine: Ich halte nicht viel von einer Rangfolge. Cindy Hazan und Phillip Shaver haben in den Achtzigerjahren Bowlbys Theorie auf romantische Beziehungen übertragen und kommen in ihrer Forschung zu dem Ergebnis, dass sichere Menschen am längsten zusammenbleiben. Das bedeutet aber nicht, dass sie am glücklichsten sind. Ängstlich-vermeidend ist der seltenste Bindungstyp, nur etwa zwei bis drei Prozent der Menschen gehören in diese Gruppe. Manche Therapeuten gehen von einem Zusammenhang mit traumatischen Ereignissen aus. Ich denke aber, dass kein Bindungsstil krankhaft ist.

SPIEGEL: Sondern?

Levine: Entweder funktioniert das eigene Bindungsverhalten in den Beziehungen, die man führen möchte, oder es tut es nicht. Dann muss man darüber nachdenken, wie man das verbessern kann. Dafür ist es sinnvoller, den eigenen Bindungsstil zu verstehen, anstatt die ganze Zeit gegen die eigene Biologie zu arbeiten.

Diesen Artikel weiterlesen mit SPIEGEL+

Sie haben bereits ein Digital-Abo? Zum Login

SPIEGEL plus Nur für Neukunden
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
Jederzeit kündigen
SPIEGEL plus 52 Wochen 25 % sparen
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
52 Wochen rabattierte Laufzeit

Sie haben bereits ein Print-Abo? Hier rabattiert Digital-Zugang bestellen

Jetzt Artikel freischalten:

Sie haben bereits ein Digital-Abo?

SPIEGEL plus
Zugang zu allen Artikeln in der App und auf SPIEGEL.de
Wöchentliche Ausgabe des SPIEGEL als E-Paper
Jederzeit kündbar
SPIEGEL plus
Zugang zu allen Artikeln in der App und auf SPIEGEL.de
Wöchentliche Ausgabe des SPIEGEL als E-Paper
Jederzeit kündbar

SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit ¤ ein Jahr zum Preis von zurzeit ¤. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.