Bereits im März wandte sich der hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Wilhelm Gebhard mit einem Brief an die Fraktionschefs von Union und SPD. Gebhard forderte darin, die Koalition solle ein Gesetz beschließen, mit dem die automatische jährliche Anpassung der Abgeordnetendiäten an den Nominallohnindex in diesem Jahr ausgesetzt wird. Die Anpassung würde ein Gehaltsplus von brutto rund 500 Euro bedeuten.
Die SPD stellte sich rasch hinter den Vorstoß, auch Gebhards Fraktionskollege Carsten Linnemann unterstützte ihn. Nach einigem Zögern befürwortet seit dem Wochenende auch der Fraktionsvorsitzende Jens Spahn die Initiative. Die Koalition muss einem entsprechenden Gesetz zur einmaligen Aussetzung des Anpassungsmechanismus nun jedoch schnell zustimmen. Ansonsten tritt die Erhöhung zum 1. Juli automatisch in Kraft.
SPIEGEL: Herr Gebhard, Bundestagsabgeordnete erhalten eine monatliche Entschädigung von 11.833,47 Euro brutto. Wie geht es Ihnen damit finanziell?
Wilhelm Gebhard: Ich bin mehr als zufrieden mit meiner Abgeordnetendiät. Ich unterstelle mal, dass keiner den Job wegen der Diätenzahlung macht. Ich war auch schon mit meiner Entlohnung als Bürgermeister in meiner Heimatstadt Wanfried in Nordhessen zufrieden. Obwohl ich bereits damals ohne Probleme 70, manchmal 80 Stunden die Woche gearbeitet habe. Die Geldfrage stellt sich für mich nicht: Man übernimmt politische Ämter doch, weil man Idealist ist und etwas in diesem Land verändern will.
