Der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro produziert Gerüste für Solarparks, die sich komplett recyceln lassen. Die gebrauchten Stangen können gesammelt, getrennt und zu neuen Produkten verarbeitet werden.
Solche und ähnliche Technologien gibt es inzwischen immer mehr, und das aus gutem Grund: Die Energiewende wird bisher meist zu eindimensional gedacht. Stammen die Elektronen aus Wind und Sonne, gilt ein Energiesystem aktuell meist schon als »grün«. Selbst wenn die physische Infrastruktur teils aus toxischen, nicht recycelbaren Verbundstoffen besteht.
Windräder, Solarpanels und Batteriespeicher haben mitunter ein schmutziges Geheimnis. Ihre Materialien entstammen teils noch brutalen Eingriffen in die Natur. Für das Kupfer, das in Stromkabeln steckt, reißen Baumaschinen etwa riesige Krater in die Landschaft. Und die Herstellung einer Tonne Neodym, eines Metalls, das für manche Windräder genutzt wird, verursacht 77 Tonnen CO₂.
Raubbau zur Rettung des Planeten: So lautet derzeit teils noch die paradoxe Logik der Energiewende. Die Cradle to Cradle NGO, ein gemeinnütziger Verein aus Berlin, spricht vom »CO₂-Tunnelblick«, dem übertriebenen Fokus auf die Vermeidung von Kohlendioxid.
Die ist zweifelsohne wichtig. Aber um den Planeten zu retten, müsste man ganzheitlich denken – und auch die Gefahren der Energieerzeugung für die Biodiversität, die Wasserqualität und das Ökosystem mit bedenken. Auch und gerade, wenn es um erneuerbare Energien geht.
Die NGO will genau dieses Denken fördern: Alle Materialien, die zur Gewinnung, Umwandlung, Speicherung und Verteilung von Energie eingesetzt werden, sollten aus ihrer Sicht denselben strengen Kriterien unterliegen wie die Energie selbst. Sie sollten »toxikologisch unbedenklich und so gestaltet sein, dass sie am Nutzungsende ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden können«, heißt es in einer Studie zum Thema, die die NGO an diesem Dienstag vorstellt.
