Zum 75. Geburtstag am 24. November 1962 erhielt Erich von Manstein besondere Post. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schickte dem Generalfeldmarschall außer Dienst ein Glückwunschtelegramm und bedankte sich darin »für die guten Ratschläge, mit denen Sie zum Aufbau der Bundeswehr beigetragen haben«. Ein bemerkenswerter Vorgang. Rund 13 Jahre zuvor, am 19. Dezember 1949, war Manstein von einem britischen Militärgericht in Hamburg wegen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zu 18 Jahren Haft verurteilt worden.
Die Liste seiner Vergehen war lang: Deportation, Misshandlungen, Zwangsarbeit. Dem Wehrmachtsgeneral wurde zudem vorgeworfen, Kriegsgefangene wie auch Zivilisten getötet zu haben. Besonders schwer wog der Vorwurf, Manstein habe während des Vernichtungskriegs der Wehrmacht an der Ostfront Teile der Truppe zu Mordaktionen an Juden angestiftet, vorwiegend als Oberbefehlshaber auf der Krim.
Doch schon 1953 war Manstein aufgrund guter Führung und wegen eines Augenleidens wieder ein freier Mann. Und bastelte umgehend an der eigenen Legende. Dass die Wehrmacht im Mai/Juni 1940 die alliierten Armeen mit einem kühnen Vorstoß durch die Ardennen überrumpeln konnte und Frankreich im Rekordtempo überrannte, reklamierte Manstein als eigenes Verdienst. In seinen 1955 erschienenen Memoiren »Verlorene Siege« schob er Hitler die Schuld für den verlorenen Krieg zu.
