Es sind die Zutaten für ein Superspreading-Ereignis: 150 Passagiere aus 23 Ländern fahren auf einem Kreuzfahrtschiff vom südlichsten Punkt Argentiniens aus über den Atlantik, ein ansteckendes Virus bricht aus, dann kehren die Reisenden zurück in ihre Heimatländer. Genau das geschieht gerade im Fall der MV »Hondius«, auf der das Andesvirus ausgebrochen ist, eine gefährliche Art eines Hantavirus. Das Pandemierisiko halten Experten für sehr gering, doch Vorsicht im Umgang mit dem Erreger sei geboten.
Acht Infektionen sind bislang bestätigt, drei Menschen gestorben. Wegen der langen Inkubationszeit des Virus können auch bis etwa sechs Wochen nach einer Ansteckung noch Passagiere erkranken, wenn sie längst wieder zu Hause sind. Behörden haben nun vor allem ein Ziel: Das Virus soll sich nicht weiterverbreiten. Die Infektionskette, die wohl auf dem Schiff begonnen hat, soll enden. Wie kann das gelingen?
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Foto: Peter Dejong / AP / dpaVirus aus Schweizer Patient analysiert
Bei der Frage, wie gefährlich der Ausbruch ist, hilft der erste Patient, bei dem das Virus nach dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff in Europa nachgewiesen wurde. Der Schweizer hatte nach seiner Reise mit der MV »Hondius« Symptome entwickelt und war in einem Krankenhaus in Zürich positiv getestet worden. Mit seinen Blutproben haben Forscher nun erstmals das Erbgut des Andesvirus von dem Kreuzfahrtschiff vollständig entschlüsselt.
Diese erste Analyse zeigt, dass der Passagier mit einer bekannten Variante des Andesvirus infiziert ist. Das Virus hat sich wahrscheinlich nicht weiterentwickelt und springt somit wohl auch nicht leichter von Mensch zu Mensch als bisher angenommen. Das hilft Fachleuten beim Umgang mit den Passagieren des Schiffs. Die Daten wurden in einem Fachportal hochgeladen und noch nicht systematisch begutachtet.
