Die Haare, diese Berge von Haaren, die einmal echten Menschen gehört haben, sagt der 16-Jährige, »das begreift man erst, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat.« Der Jugendliche steht mit seiner Schulklasse eines Flensburger Gymnasiums in der Mittagshitze auf einem Sandweg, vor sich Gedenktafeln aus schwarzem Stein, ein Mahnmal zum Gedenken an die Menschen, die die Nazis im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau brutal ermordeten.
Und dann ist da dieser Mann, den sie aus dem Fernsehen kennen, der gerade ein Grablicht auf die Steine des Mahnmals gestellt hat. Er hat die Jugendlichen tuscheln hören, auf Deutsch. Also spricht Hendrik Wüst, CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, die Gruppe einfach an.
Wüst in Birkenau: Minutiös durchgeplantes Programm
Foto: Rolf Vennenbernd / dpa»Auf Klassenfahrt seid ihr?«, will der Politiker von den Jugendlichen wissen, die ihre Augen mit der Hand gegen die Sonne abschirmen müssen, um den Mann im schmalen schwarzen Anzug besser sehen zu können. Was sie mitnehmen von diesem Besuch, fragt Wüst. »Dass so etwas nie wieder passieren darf«, sagt der 16-Jährige.
Wüst reist nach Polen
Hendrik Wüst nickt. Er selbst muss einen Moment überlegen, bevor er antwortet. So was kommt selten vor bei Wüst, der sonst nie um einen Spruch verlegen ist. Man wisse grundsätzlich so viel über den Holocaust, sagt Wüst dann. »Aber die ganze Dimension hier, die geht ins Gefühl.«
Hendrik Wüst ist auf Auslandsreise in Polen. Der Besuch im Konzentrationslager ist am zweiten der beiden Reisetage. Die Begegnung mit den Jugendlichen aus Flensburg ist einer der ganz wenigen spontanen Momente in einem ansonsten minutiös durchgeplanten Programm.
