Schon im Oktober 2025 kehrte Maryam Srour, eine Koordinatorin von »Ärzte ohne Grenzen«, die in Beirut Flüchtlingslager betreut, einmal zurück in ihr Heimatdorf Aita al-Schaab im Südlibanon nahe der Grenze zu Israel. Zum ersten Mal seit der Vertreibung und Flucht aller Bewohner im Jahr zuvor. Sie wollte mithelfen, die herbstliche Olivenernte einzubringen, die wichtigste Einnahmequelle der örtlichen Bauern: »Doch als wir in Aita ankamen, sahen wir nur verbranntes Land, verkohlte Stümpfe. Kaum noch ein Baum stand.«
Zerstörung in Aita al-Schaab: Israel bombardiert aus der Luft, von Schiffen und vom Boden
Foto: Silvia Casadei / MEI / SIPA / picture allianceSeit die Schiitenmiliz Hisbollah den Krieg gegen Israel Anfang März mit einem Raketenangriff abermals in voller Wucht eskalieren ließ, ist Aita al-Schaab nicht nur vollkommen unzugänglich für seine einstige Bewohnerschaft geworden. Der Ort ist nicht mehr erkennbar. Schwer beschädigt wurde er schon durch Israels Angriffe während der Kämpfe. Doch zerstört worden ist das Dorf erst anschließend: mittels großflächiger Verminung und Sprengung, teils durch Bulldozer. Mehr als 460 Gebäude seien dort zerstört worden , so die BBC nach einer Auswertung von Satellitenbildern.
Der Krieg Israels gegen die Hisbollah geschieht in Abstufungen: Trotz der von US-Präsident Donald Trump diktierten Waffenruhe vom April, eine Kernforderung Irans für Verhandlungen, führen beide Seiten ihren sehr ungleichen Kampf weiter. Die Hisbollah attackiert mit Drohnen israelische Panzer und Soldaten vorwiegend auf besetztem libanesischem Terrain, während ihre Kämpfer langsam nach Norden zurückgedrängt werden. Israel bombardiert aus der Luft, von Schiffen und vom Boden weiterhin Ziele im gesamten Süden, selbst in Beirut.
Zwei Evakuierungsbefehle Israels aus den ersten Märztagen haben erst das Gebiet bis zum Litani-Fluss, anschließend bis zum Sahrani-Fluss zur Kampfzone deklariert, die umgehend zu verlassen sei. Inklusive der Großstädte Tyros und Nabatija. Aus den Evakuierungs-, eher Vertreibungszonen, sind die meisten Bewohner geflohen.