Premiere. Ich sitze allein an einem Zweiertisch. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Auf Recherchen bleibt der Platz gegenüber oft frei. Irgendwie muss ich essen, bin ich unterwegs. Doch an diesem Zweiertisch im Urlaub fällt es mir auf, dass ich allein an ihm sitze, und das hat vor allem mit dem Tisch rechts von mir zu tun.
Dunkles Holz, oval, ein Dutzend Plätze. Wer da isst, offenbart sich. Auf ihm ein laminiertes Schild, darauf das Wort »Soltero«. Alleinstehend.
Ein Tisch, für Menschen, die allein im Urlaub sind. Wie ich.
Aber ich sitze nicht an diesem Tisch. Ich sitze an meinem Tisch. Der Soltero ist für Menschen, die hergekommen sind, um nicht allein zu sein.
Ich bin hierhergekommen, um allein zu sein.
Zusammen allein am Soltero: schöne Frau, Mitte vierzig, mitternachtsfarbene Schneckenfrisur, Mann, circa sechzig, Schultern wie vom Kleiderbügel gerutschter Pulli, Mittdreißigerin, randlose Brille, Dreiviertelcargo. Sie sehen nicht glücklich aus. Es redet keiner. Sie schlingen.
