Vielleicht war da ein Gefühl, eine Ahnung. Der Orden in Großvaters Nachlass, das alte Schwarz-Weiß-Foto von ihm vorm Eiffelturm, ein stolzer Mann in Uniform, Großmutters Anekdoten von früher, Schwärmereien im Ungefähren. Nur wirklich erzählt haben sie selten und wenn, dann klang es harmlos, fast heiter und manchmal heldenhaft. Großvater, der im Krieg Französisch lernte, aber nie einen Schuss abfeuerte. Opa, der Juden bei der Flucht half.
Jahrzehntelang musste, wer die Wahrheit über seine Familie wissen wollte, einen schriftlichen und begründeten Antrag stellen, beim Bundesarchiv in Berlin, oft mit monatelanger Wartezeit. Im Frühjahr hat das amerikanische Nationalarchiv die NSDAP-Kartei im Internet veröffentlicht, aus denen sich etwa 80 bis 90 Prozent aller NSDAP-Mitglieder rekonstruieren lassen. Auch der SPIEGEL hat die Datenbank leicht zugänglich aufbereitet. Seitdem kann jeder mit nur wenigen Klicks herausfinden, ob seine Verwandtschaft Mitglied der NSDAP gewesen ist (zur Datenbank kommen Sie hier).
