In der achten Klasse verglich ich mich mit einem meiner Klassenkamerad:innen: Wir hielten unsere Arme aneinander und betrachteten unsere Hautfarbe. »Du hast zwar auch braune Haut wie ich, aber irgendwie anders«, sagte mein Mitschüler zu mir. Mit diesem Satz identifizierte er sich selbst als Schwarz, mich aber nicht. In dem Moment fühlte ich mich ausgeschlossen, als passte ich in keine Schublade. Mittlerweile verstehe ich, warum mein Mitschüler recht hatte: Wenn mich eine weiße Person mit dem N-Wort beschimpft, hat das eine andere Bedeutung als für ihn – und die liegt nicht in der Hautfarbe.
Bis ich auf die passende Selbstbezeichnung für mich stieß, sollte es noch viele rassistische Erfahrungen dauern. Doch dann fand ich einen Begriff, der mir eine Zugehörigkeit vermittelt, die ich fast mein ganzes Leben nie gespürt habe.
Jahrgang 1996. Geboren und aufgewachsen in Bielefeld. Studierte im Bachelor Biologie in Köln und wechselte zum Master in Mikrobiologie nach Bonn. Programmvolontariat beim WDR. Dort arbeitete sie beim Fernsehen, Radio und Social Media mit Fokus auf Wissenschaftsjournalismus. Im Anschluss startete sie als Redakteurin bei »MAITHINK X« und arbeitet gleichzeitig als freie Journalistin. Sie gehört zum dritten Jahrgang des »GEH DEINEN WEG-Journalismus-Stipendiums« des SPIEGEL und der Deutschlandstiftung Integration.
Schon als Kind wurde ich aufgrund meines ethnischen Hintergrunds beschimpft: Alle Inder würden stinken hieß es; manche äfften einen vermeintlich indisch-klingenden Akzent nach. Es waren meist Mitschüler. Erwachsene äußerten ihren Rassismus dagegen häufig im Stillen, hinter meinem Rücken. Sie wollten zum Beispiel nicht, dass ich mit ihren Kindern befreundet bin.
Auch wenn ich gute Noten hatte, still am Esstisch saß und nichts falsch machte – meine Hautfarbe war der Grund, warum sie mich ablehnten. Das erfuhr ich erst Jahre später, als ich meine Freundinnen direkt fragte.
