Frank Holzer, 73, hat in den vergangenen Tagen wenig geschlafen. Der Bürgermeister hat gesprochen, die Ministerpräsidentin war da, der saarländische Innenminister auch. Dazwischen: Party mit den Spielern, irgendwo im Saarland, bis in die Nacht. »Ich bin jetzt froh, dass ich diese Phase wirklich hinter mir habe«, sagt Holzer am Telefon, und man hört ihm an, dass er das ernst meint. »Das ist ja schon anstrengend.«
Der Anruf kommt aus Kleinblittersdorf, Saarland – so jedenfalls zeigt es das Display an. Dort sitzt Ursapharm, das Pharmaunternehmen, das Holzer zur Weltmarke aufgebaut hat. Er selbst kommt aus Elversberg, einem Ortsteil der 13.000-Einwohner-Gemeinde Spiesen-Elversberg, dessen Fußballverein SV Elversberg gerade das beinahe Unmögliche geschafft hat: Aufstieg in die Bundesliga. Auf den Trikots prangt seit Jahren der Name Ursapharm. Und das ist kein Zufall.
Vom Außenstürmer zum Apotheker
Die Geschichte beginnt lange vor dem Aufstieg, nämlich 1990, als Holzer sich bei der SV Elversberg als Vereinsvorsitzender zur Wahl stellte. Der Verein dümpelte damals in der Landesliga, sechsthöchste Klasse, meilenweit entfernt von bezahltem Fußball.
Warum Holzer das tat? »Elversberg ist mein Heimatort«, sagt er. Holzer ist zwar in Neunkirchen geboren, aber bis zum 31. Lebensjahr in Elversberg aufgewachsen.
Was er dabei nicht unerwähnt lässt: Er hatte damals eigentlich allen Grund, keine Zeit zu haben. Er baute gerade ein Unternehmen auf. Und hatte davor selbst Profifußball gespielt – auf einem Niveau, das mit der Landesliga herzlich wenig zu tun hatte.
Mit 17 hatte Holzer Abitur gemacht und seinen ersten Profivertrag beim 1. FC Saarbrücken unterschrieben. Er spielte dort bis 1976, in einer Mannschaft, in der auch ein gewisser Felix Magath kickte. Als Saarbrücken aufstieg, war Holzer als Rechtsaußen dabei. Danach wechselte er zu Eintracht Braunschweig, spielte dort als Linksaußen. »Ich war Gott sei Dank beidfüßig«, sagt er.
Dann kam eine Verletzung. Zwei Jahre kaum Spielzeit. Holzer nutzte die Zwangspause anders: Mit Genehmigung seines Arbeitgebers begann er in Braunschweig ein Pharmaziestudium. Sein Vater war Apotheker, hatte den Sohn immer sanft in diese Richtung gedrängt. 1983 legte Holzer in Saarbrücken das Staatsexamen ab. Der Fußballer war Geschichte, der Apotheker war fertig. Jetzt fehlte nur noch die Idee.
