SpOn 22.05.2026
13:05 Uhr

(+) Stephen Colbert und seine letzte Sendung: Goodbye und hallo, Realität


Es war fast schon absurd, wie viele Prominente sich in Stephen Colberts letzter Sendung die Ehre gaben. Der schenkte dem Fernsehen zum Abschied eine Sternstunde. Tat er das ungewollt im Dienst des Systems?

(+) Stephen Colbert und seine letzte Sendung: Goodbye und hallo, Realität

Als CBS im Juli 2025 das Ende der »Late Show« verkündete, war das auf verdrehte Weise natürlich ein Witz. Angeblich erfolgte die Absetzung nicht auf politischen Druck aus Washington, sondern »aus rein finanziellen Gründen«. Eine Lüge, so plump, dass sie inzwischen aus dem Repertoire sarkastischer Redewendungen nicht mehr wegzudenken ist. Was auch immer seitdem mit »purely financial reasons« begründet wird – man darf sicher sein, dass das Gegenteil der Fall ist.

Mehr zum Thema

Umso bemerkenswerter, dass von Sarkasmus in der letzten »Late Show« nichts zu spüren war. Im Gegenteil. Das Schlachtschiff der US-Satire feuerte selbst im Augenblick des Untergangs noch einmal aus allen Rohren. Und Stephen Colbert, seit neun Staffeln in Folge die unangefochtene Nummer eins in seinem Segment, schenkte dem Fernsehen eine späte Sternstunde.

Schon in den vergangenen Wochen hatte er seinen Gegnern den Gefallen versagt, sich als Opfer rechter »Cancel-Culture« zu präsentieren. Es herrschte eine Stimmung zwischen Melancholie, Nostalgie und Heiterkeit. Mal hatte Colbert mit seinem Vorgänger David Letterman über bessere Zeiten geplaudert, mal einzelne Mitarbeiter hinter den Kulissen gewürdigt, mal wie ein Reiseführer durch das Gebäude und die Geschichte des ehrwürdigen Ed Sullivan Theater am Broadway geführt. Und wenn mit Barack Obama, Steven Spielberg, Tom Hanks oder Bruce Springsteen reihenweise Ikonen des »guten Amerika« noch einmal ihre Aufwartung machten, wirkte das wie ein letzter Besuch am Bett eines verdächtig fidelen Palliativpatienten.

Diesen Artikel weiterlesen mit SPIEGEL+

Sie haben bereits ein Digital-Abo? Zum Login

SPIEGEL plus Nur für Neukunden
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
Jederzeit kündigen
SPIEGEL plus 52 Wochen 25 % sparen
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
52 Wochen rabattierte Laufzeit

Sie haben bereits ein Print-Abo? Hier rabattiert Digital-Zugang bestellen

Jetzt Artikel freischalten:

Sie haben bereits ein Digital-Abo?

SPIEGEL plus
Zugang zu allen Artikeln in der App und auf SPIEGEL.de
Wöchentliche Ausgabe des SPIEGEL als E-Paper
Jederzeit kündbar
SPIEGEL plus
Zugang zu allen Artikeln in der App und auf SPIEGEL.de
Wöchentliche Ausgabe des SPIEGEL als E-Paper
Jederzeit kündbar

SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit ¤ ein Jahr zum Preis von zurzeit ¤. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.