Immer wieder greifen aufgeschreckte Kühe Wanderer in den Alpen an. Dabei kommt es auch zu Todesfällen. Zuletzt starb eine Wanderin in Österreich, nachdem eine Kuhherde auf sie und ihren Mann losgegangen war. Stefan Winter von Deutschen Alpenverein (DAV) weiß, warum Kühe angreifen und wie sich Wanderer im Ernstfall am besten verhalten sollten, um Unfälle zu vermeiden.
SPIEGEL: Herr Winter, was ist wahrscheinlicher: In den Alpen von einer Kuh oder von einem Bären attackiert zu werden?
Stefan Winter: Statistisch gesehen ist die Kuh im Alpenraum deutlich in der Überzahl, daher ist eine Kuhattacke wahrscheinlicher. Allerdings sind auch diese Fälle sehr selten.
SPIEGEL: Warum greifen Kühe Wanderer an?
Winter: Dafür gibt es drei Hauptgründe. Zum einen können Kühe angreifen, wenn Menschen in ihren Lebensraum eindringen, sie sich bedroht fühlen und keine Ausweichmöglichkeit sehen. Zweitens kann es sein, dass sich die Tiere durch mitgeführte Hunde bedroht fühlen und drittens kann es sein, dass die Muttertiere Kälber haben, diese beschützen wollen und daher auf Wanderer losgehen, die ihren Schutzreflex auslösen.
SPIEGEL: Im jüngsten Fall hatten die Opfer einen Hund dabei, er soll aber nicht Auslöser gewesen sein.
Winter: Was genau bei diesem tragischen Fall zu dem Angriff geführt hat, wird die Untersuchung der Behörden zeigen. Generell ist es so, dass Kühe am häufigsten angreifen, wenn sie ihre Jungtiere dabeihaben und sich bedroht fühlen oder auf Wanderer mit einem Hund treffen.
