Helles Holz und gedämpfte Musik prägen den Raum, elegante junge Kellner servieren an diesem Mittag Rote Bete mit Stücken vom Silberkarpfen aus dem Donaudelta, garniert mit geräucherter Birne. Es ist der Auftakt eines achtgängigen Menüs im Restaurant von Spitzenkoch Jewhen Klopotenko. »100 rokiw tomu wpered«, in etwa »100 Jahre zurück in die Zukunft« hat er sein Lokal in Kyjiw genannt. Auf die Teller kommt hier nur, was in der Ukraine wächst.
Kein schwarzer Pfeffer, kein Ingwer, keine exotischen Früchte. Stattdessen wird der fermentierte Zander begleitet von einem Pesto aus essbaren Bienenlarven.
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Radikale Beschränkung ist Teil von Klopotenkos Philosophie, die er seine »nationalpatriotische Mission« nennt. Das Ziel, sagt er, sei es, »die Ukraine auf die gastronomische Weltkarte zu bringen«.
In seiner Heimat hat Klopotenko damit Popstar-Status. 870.000 Menschen folgen ihm auf Instagram. Zählt man sämtliche sozialen Kanäle zusammen, erreicht der 39-Jährige Millionen Landsleute – mit Videos, patriotischen Parolen und Rezepten für Krisenzeiten.
Der Koch gilt als furchtloser Vertreter seiner Zunft und als Mann mit Sinn für Außendarstellung: Kurz nach Beginn der russischen Invasion im Winter 2022 schickte er seinen Followern eine Anleitung zum Bau von Molotowcocktails. Als Instagram den Beitrag sperrte, lenkte er die Leute weiter zu Telegram.
