SpOn 21.05.2026
15:20 Uhr

Alican Uludağ: Deutsche-Welle-Reporter kommt in der Türkei aus U-Haft frei


Seit Februar saß Journalist Alican Uludağ in Untersuchungshaft, nun wird er freigelassen. Sein Verfahren soll im September fortgeführt werden.

Alican Uludağ: Deutsche-Welle-Reporter kommt in der Türkei aus U-Haft frei

Drei Monate nach seiner Verhaftung hat ein Gericht in Ankara die Freilassung von Alican Uludağ angeordnet. Er ist als Reporter für die Deutsche Welle (DW) tätig. Die Anordnung bestätigte Uludağs Anwalt Abbas Yalcin der Nachrichtenagentur dpa.

Uludağ werde voraussichtlich am Abend aus dem Gefängniskomplex Silivri in Istanbul entlassen. Der nächste Verhandlungstag ist nach Angaben des Anwalts für den 18. September geplant. Sein Verfahren soll vor einem Geschworenengericht fortgeführt werden.

Der Prozess gegen Uludağ hatte früher am Tag in der türkischen Hauptstadt Ankara begonnen. Laut der Anklageschrift werden dem Journalisten Präsidentenbeleidigung, Verbreitung irreführender Informationen und die Herabwürdigung der Türkei in wiederholten Fällen vorgeworfen.

Hintergrund sind unter anderem Äußerungen des Journalisten auf der Plattform X.

Berichte über unhygienische Haftbedingungen

Uludağ, der per Videoübertragung an der Verhandlung teilnahm, weist die Vorwürfe von sich. Er war im Februar festgenommen worden und kam in Untersuchungshaft. Gegenüber DW-Kolleginnen sprach er von harten Haftbedingungen. Nach den ersten Tagen seiner Festnahme habe er in einer Zelle auf dem Boden schlafen müssen. Die Bedingungen seien unhygienisch gewesen, »Wanzen krabbelten über unsere Körper«, berichtete Uludağ über das Schicksal von ihm und Mitgefangenen. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

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Gegen die Inhaftierung des DW-Reporters und anderer Journalisten fand am Mittwoch eine Protestkundgebung in Ankara statt, zu der mehrere Journalistenverbände aufgerufen hatten. Der türkische Repräsentant der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen, Erol Önderoğlu, begrüßte die Freilassung auf X  und kritisierte zugleich die Inhaftierung Uludağs. Er hätte weder wegen seiner Berichte noch wegen seiner Kommentare auch nur einen Tag in Haft bleiben dürfen, schrieb Önderoğlu.

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Auch DW-Intendantin Barbara Massing äußerte sich erleichtert über Uludağs Freilassung. Er sei »grundlos« in Haft gewesen, »weit entfernt von Zuhause«. Dass das Verfahren fortgesetzt wird, nannte sie »beunruhigend«. »Wir fordern, dass das Verfahren umgehend eingestellt wird – Alican Uludağ hat lediglich seinen Job als Gerichtsreporter gemacht«, teilte Massing mit.

atr/seb/pkr/dpa