SpOn 17.05.2026
17:43 Uhr

Amokfahrt in Norditalien: Schwerverletzter Frau mussten beide Beine amputiert werden


Am Samstag war ein Autofahrer in Modena in eine Menschenmenge gerast. Einem der Opfer mussten beide Beine amputiert werden. Laut Medienberichten handelt es sich um eine deutsche Touristin.

Amokfahrt in Norditalien: Schwerverletzter Frau mussten beide Beine amputiert werden

In der norditalienischen Stadt Modena ist am Samstag ein Autofahrer mit seinem Wagen in Passanten gerast und hat dabei acht Menschen verletzt. Vier Menschen, unter ihnen eine Deutsche und eine Polin, erlitten schwere Verletzungen, wie Bürgermeister Massimo Mezzetti am Samstag sagte. Einer Frau mussten beide Beine amputiert werden. Wie mehrere Medien berichten, soll es sich bei dieser Frau um die deutsche Touristin handeln.

Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten, wie der etwa 30 Jahre alte Mann – ein Italiener mit marokkanischen Wurzeln – mit seinem Auto mit hoher Geschwindigkeit auf eine belebte Straße in der Innenstadt fuhr. Der Autofahrer wurde von Passanten überwältigt. Der Mann hatte in der Vergangenheit unter psychischen Problemen gelitten, Hinweise auf eine Radikalisierung gab es zunächst nicht.

Die Präfektin von Modena, Fabrizia Triolo, sagte bei einer Pressekonferenz, der Wagen habe mehrere Passanten erfasst und sei dann in ein Schaufenster gekracht. Dabei traf er auch mit voller Wucht eine Frau, deren Beine so schwer verletzt wurden, dass sie später amputiert werden mussten. Anschließend versuchte der Mann zu fliehen, wurde aber von vier Passanten gestoppt. Der Angreifer zog bei der Auseinandersetzung ein Messer und verletzte einen Mann.

Der Mann namens Luca Signorelli  sagte später mit blutüberströmtem Kopf im italienischen Fernsehen, er habe sich auf den Boden geworfen, als das Auto auf ihn zugerast sei. Nachdem das Auto zum Stehen gekommen war, habe er den flüchtigen Fahrer mit anderen Passanten verfolgt. »Er zog ein Messer, hat mich am Kopf getroffen und mir einen weiteren Stich in Richtung Herz versetzt, den ich jedoch abwehren konnte.«

Keine Hinweise auf Radikalisierung

Die Wohnung des 1995 geborenen Autofahrers wurde von der Polizei durchsucht, er sei bis dahin nicht polizeibekannt gewesen. Italienische Medien berichteten, es seien zunächst keine Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung gefunden worden. Präfektin Triolo sagte aber, der Mann habe 2022 »eine psychische Störung« durchgemacht.

Er sei wegen »schizoider Probleme« in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden, danach habe sich seine Spur verloren. Triolo zufolge stand der Fahrer nicht unter dem Einfluss von »psychotropen Substanzen«. Der Begriff umfasst Psychopharmaka wie auch Drogen.

Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni sprach im Kurzbotschaftendienst X von einem »äußerst schwerwiegenden« Vorfall und dankte den Bürgern, »die mutig eingegriffen haben«, um den Täter aufzuhalten. In einem späteren Beitrag dankte die Regierungschefin noch einmal ausdrücklich Signorelli. Auf einem Foto ist zu sehen, wie Meloni den Mann innig umarmt.

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Die Regierungschefin hatte eine geplante Zypernreise abgesagt und war am Sonntag nach Modena gereist, wo sie zusammen mit dem italienischen Staatschef Sergio Mattarella Verletzte im Krankenhaus besuchte.

Rechtspopulistische Politiker nutzten den Vorfall, um strengere Einwanderungsregeln zu fordern. Der Chef der migrationsfeindlichen Lega-Partei, Matteo Salvini, erklärte, die Integration von Migranten zweiter Generation sei »gescheitert«.

Modenas Bürgermeister Mezzetti rief dagegen dazu auf, sich gegen jene zusammenzuschließen, »die spalten und Hass säen wollen«. Der Mitte-Links-Politiker verwies außerdem darauf, dass zwei ägyptische Staatsbürger zu jenen gehört hätten, die den Autofahrer überwältigten.

jae/AFP