SpOn 29.05.2026
07:03 Uhr

Arbeitszeit: Ökonomen schlagen Ausweitung nur für Bürobeschäftigte vor


Schwarz-Rot hat sich beim Streit über den Achtstundentag verhakt, nun machen Ökonomen einen Vorschlag: Die Höchstarbeitszeit könnte zunächst nur für bestimmte Berufe ausgedehnt werden. Von den Gewerkschaften kommt hingegen eine Warnung.

Arbeitszeit: Ökonomen schlagen Ausweitung nur für Bürobeschäftigte vor

In der Debatte über die Zukunft des Achtstundentags hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vorgeschlagen, die Arbeitszeit zunächst nur für bestimmte Berufe auszuweiten. »Wenn man zu große Sorgen um den Arbeitsschutz hat, könnte man in einem ersten Schritt die gesetzliche Anpassung auf Beschäftigte konzentrieren, wo keine Gesundheitsrisiken drohen: die Bürobeschäftigten«, sagte der IW-Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Stettes warb dafür, die Regelung zur täglichen Arbeitszeit zu reformieren. »Eine Flexibilisierung der täglichen Höchstarbeitszeit kann Beschäftigten und Unternehmen helfen, private Wünsche und Anforderungen mit betrieblichen Notwendigkeiten besser auszubalancieren.«

Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsschäden

Unterdessen warnen die Gewerkschaften vor Gesundheitsschäden durch eine Abkehr vom Achtstundentag. »Zu lange Arbeitstage führen nachweislich zu Krankheiten, die am Ende des Tages nicht nur Beschäftigten schaden, sondern auch der Wirtschaft und dem Gesundheitssystem«, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

»Jede Lockerung der Regeln würde einseitig die Arbeitnehmer belasten«, erklärte Piel weiter. »Änderungen am Arbeitszeitgesetz lehnen wir ab: Das aktuelle Gesetz sichert die Gesundheit der Beschäftigten und verhindert, dass Menschen wie Maschinen behandelt werden.«

Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnte vor einer Aufweichung des Achtstundentags. Nach Ansicht ihres Chefs Guido Zeitler droht dadurch ein »Rückschritt in Zeiten, die wir nicht zurückhaben möchten.« Er verwies auf arbeitsmedizinische Studien, die gezeigt hätten, dass zu lange Arbeitszeiten krank machten.

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»Seit jeher ist das Arbeitszeitgesetz daher ein Schutz für Beschäftigte vor den Ansprüchen, ja auch der Willkür, ihrer Chefs«, sagte Zeitler den Funke-Zeitungen. »Heute scheinen die Belastbarkeitsgrenzen von Beschäftigten jedoch vergessen zu sein«. Ziel der Arbeitgeber in der aktuellen Debatte sei es, »ihre Beschäftigten nach Belieben einzusetzen.«

Der Achtstundentag gilt seit 1918 in Deutschland. Die Koalition aus Union und SPD will nach den bisherigen Plänen stattdessen einen wöchentlichen Rahmen für die Arbeitszeit einführen, um so für mehr Flexibilität zu sorgen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) will dazu in Kürze einen Gesetzentwurf vorlegen.

hej/AFP/dpa