Laurenz Schreiner, SPIEGEL-Mitarbeiter:
»Armedangels ist euch wahrscheinlich allen ein Begriff. Wahrscheinlich folgt ihr sogar Influencer:innen, die für dieses Modelabel schon geworben haben. Doch während dieses Unternehmen immer erfolgreicher wird, gibt es Mitarbeitende, die dem Unternehmen heftige Vorwürfe machen.«
Franziska Wüst, SPIEGEL-Mitarbeiterin:
»Auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform »Kununu« sind wir auf die Seite von Armedangels gestoßen und haben ein gewisses Muster in den Rezensionen zum Unternehmen entdeckt. Immer wieder sprechen ehemalige Mitarbeitende von extrem hoher Arbeitsbelastung, einer großen Diskrepanz zwischen der Außenwirkung des Labels und dem, was drinnen wirklich passiert, und einem problematischen Führungsstil.«
Laurenz Schreiner, SPIEGEL-Mitarbeiter:
»Wir haben also angefangen, aktuelle und ehemalige Mitarbeitende zu kontaktieren, und da war eine sehr große Bereitschaft da, mit uns über dieses Thema zu reden. Es war sogar eine Person dabei, die hat gesagt: »Endlich meldet sich jemand. Endlich kann ich meine Geschichte erzählen.« Es gab zum Beispiel eine Mitarbeiterin, die hat erzählt, dass sie sich von dem CEO Martin Höfeler so unter Druck gesetzt gefühlt habe, dass sie ein Kontaktverbot erwirkt habe. Der CEO durfte sie dann, ihren Erzählungen nach, nicht mehr direkt kontaktieren.«
Franziska Wüst, SPIEGEL-Mitarbeiterin:
»Wir haben den CEO Martin Höfeler mit den Vorwürfen konfrontiert.«
Auf SPIEGEL-Anfrage bestreitet das Unternehmen, dass es zu einem »rechtlichen oder vereinbarten Kontaktverbot« gekommen sei – auch nach dem Meeting habe ein »gutes und vertrauensvolles Verhältnis« bestanden.
Laurenz Schreiner, SPIEGEL-Mitarbeiter:
»Eine Mitarbeiterin soll gekündigt worden sein, obwohl sie zu dem Zeitpunkt Krebs hatte.«
Das Unternehmen sagt, die betriebsbedingte Kündigung sei durch die Personalabteilung erfolgt, »der Schwerbehindertenstatus der Mitarbeiterin war zum Zeitpunkt nicht bekannt«. Rückblickend würde man in einer solchen Situation heute »anders vorgehen«.
Laurenz Schreiner, SPIEGEL-Mitarbeiter:
»All diese Berichte haben wir dann natürlich geprüft. Das lief zum Beispiel über Chatnachrichten, über Teams-Nachrichten, in den Fällen, wo es zu Gerichtsverfahren gekommen ist, auch über Gerichtsunterlagen.
Franziska Wüst, SPIEGEL-Mitarbeiterin:
»Was ich am schockierendsten fand bei der Recherche, war, dass viele der ehemaligen und auch aktiven Mitarbeitenden uns erzählt haben, sie haben sich unwohl gefühlt und das auch immer wieder an ihre Führungskräfte und sogar auch an den CEO Martin Höfeler persönlich gemeldet. Dennoch soll sich im Nachhinein eigentlich nicht wirklich was verändert haben. Und von einer Firma, die sich »Social Fashion Company« nennt, würde man ja eigentlich was anderes erwarten.«
Laurenz Schreiner, SPIEGEL-Mitarbeiter:
»Was mich bei dieser Recherche am meisten beschäftigt hat, ist, dass diese Mitarbeitenden von Armedangels sagen: Wir gehen zur »Social Fashion Company«, weil wir es anders machen wollen als in der restlichen Branche. Und dann merken sie aber die Unterschiede zur Fashion-Branche generell zur konventionellen Fashion-Branche, die sind gar nicht so groß. Weil es eben am Ende auch bei Armedangels vor allem um Profit und Wachstum geht.«
