Als Tausende Berlinerinnen und Berliner Anfang des Jahres tagelang ohne Strom auskommen mussten, verzettelt sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im Krisenmanagement. Und soll nach Recherchen des »Tagesspiegel« die Öffentlichkeit darüber gleich doppelt getäuscht haben.
Bislang war bekannt, dass Wegner zunächst versucht hatte, ein Tennismatch zu vertuschen. Er war Tennis spielen, behauptete aber, sich am Vormittag des 3. Januar mit dem Stromausfall beschäftigt zu haben. Erst später gab er zu, er habe zwischendurch beim Tennis »den Kopf freikriegen« wollen. Lesen Sie hier ein SPIEGEL-Interview mit Wegner über seine Rolle beim Stromausfall-Management .
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Doch auch über die Intensität seines Krisenmanagements hat Wegner wohl die Unwahrheit gesagt. Wegner hatte öffentlich erklärt, er habe sich den ganzen Tag in seinem Homeoffice in Kladow eingeschlossen und intensiv koordiniert. Dabei nannte er ausdrücklich Gespräche mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesinnenministerium.
Nicht erreichbar
Wie die »Tagesspiegel« nun berichtete, zeigten Unterlagen der Senatskanzlei jedoch: Vor seinem Tennismatch am Mittag habe es solche Kontakte zur Bundesregierung wohl nicht gegeben. Die Dokumente seien nach einem Eilantrag vor dem Berliner Verwaltungsgericht freigegeben worden.
Demnach habe Wegners Austausch am Vormittag lediglich aus einem kurzen Textnachrichten-Dialog mit Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sowie Kontakten zur Senatskanzlei und Teilen des Krisenstabs bestanden. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hatte am Vormittag versucht, Wegner zu erreichen – ohne Erfolg. Sein Rückruf sei erst gegen 12.45 Uhr erfolgt.
Der Stromausfall in Berlin im Januar war der größte der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt 100.000 Menschen waren davon betroffen, tagelang herrschte im Süden der Stadt Ausnahmezustand. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Verantwortlich für den Stromausfall war ein mutmaßlich linksextremistischer Brandanschlag.
