Regierungsflieger der Bundeswehr haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums im ersten Halbjahr rund die Hälfte ihrer Flüge ohne Passagiere absolviert. 308 Teilstrecken seien für Dienstreisen mit Mitgliedern der Bundesregierung absolviert worden, 305 Teilstrecken hingegen zur Bereitstellung der Luftfahrzeuge, teilte das Ministerium auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch mit.
Bartsch fragt die Regierung regelmäßig nach sogenannten Leerflügen der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Sie kommen oft dadurch zustande, dass die Regierungsflieger in Köln stationiert sind, die Passagiere ihre Dienstreisen aber in der Hauptstadt Berlin antreten. Kritik kontert das Verteidigungsministerium damit, dass Leerflüge gezielt für Aus- und Weiterbildung genutzt würden.
Für Dienstreisen steht die Flugbereitschaft unter anderem dem Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler und dem Kabinett zur Verfügung. An der Spitze der Nutzer stand nach Angaben des Verteidigungsministeriums
im ersten Halbjahr mit 73 Teilstrecken das Bundeskanzleramt,
gefolgt vom Auswärtigen Amt mit 63
und dem Bundeswirtschaftsministerium mit 32 Teilstrecken.
Am seltensten machten das Familienministerium (zweimal),
das Verkehrsministerium (einmal)
und das Wohnungsministerium (gar nicht) von der Möglichkeit Gebrauch.
Bartsch nannte die Zahlen eine »Bruchlandung« für die Bundesregierung. »Wenn die Flugbereitschaft der Bundeswehr in sechs Monaten rund 600 Mal abhebt, aber in der Hälfte der Fälle ohne Passagiere, dann bleibt das ein inakzeptables Missverhältnis und ein teures Ärgernis«, meinte der Linken-Politiker. »Dass die Flugbereitschaft in Köln stationiert ist, während die Bundesregierung seit Jahrzehnten in Berlin sitzt, der BER arbeitet und Reisen vielfach von hier beginnen, ist ein Widerspruch, der so nicht länger bestehen sollte.« Die Flugbereitschaft hat ihren Hauptsitzt am Flughafen Köln/Bonn.
Ursprünglich sollten die Regierungsmaschinen bereits 2012 ganz nach Berlin umziehen. Es gab mehrere Verzögerungen. Der Berlin-Brandenburger Flughafen BER wurde später eröffnet als erwartet. Immer noch fehlt Infrastruktur für die Flugbereitschaft. Neue Planungen sehen einen Gesamtumzug erst in der zweiten Hälfte der 2030er vor.
Jet der Flugbereitschaft auf den Seychellen gestrandet
In den Schlagzeilen sind die Regierungsflieger außerdem immer wieder wegen ihrer diversen Pannen. Jüngstes Beispiel: Ein Jet der Flugbereitschaft steht seit Tagen im Urlaubsparadies auf den Seychellen – allerdings nicht wegen einer Dienstreise von Regierungsmitgliedern. Eine Bombardier Global 5000 sei auf einem Trainingsflug von Ägypten zur französischen Insel Réunion im Indischen Ozean wegen eines technischen Problems außerplanmäßig auf dem Inselstaat zwischengelandet, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. »An der Behebung des Problems wird aktuell gearbeitet.«
Außer der Crew sei niemand an Bord gewesen, sagte der Sprecher. »Die Besatzung ist wohlauf.« Solche Trainingsflüge sind den Angaben zufolge für die Aus- und Weiterbildung der Besatzungen notwendig. Geübt werden den Angaben zufolge unter anderem Verfahren beim Fliegen über unkontrolliertem Luftraum, besondere Anflugverfahren sowie der Flugbetrieb unter besonderen klimatischen Bedingungen – etwa in Äquatornähe, in der Innertropischen Konvergenzzone und bei hohen Temperaturen.
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