SpOn 08.09.2026
15:46 Uhr

Ceuta: Stadtpräsident Juan Jesús Vivas bittet EU um Hilfe im Umgang mit Migration


Die Lage sei »untragbar«: Der Präsident der spanischen Exklave richtet sich mit alarmierenden Worten an die EU und plädiert für mehr Präsenz des Bündnisses an der Grenze – etwa durch Frontex.

Ceuta: Stadtpräsident Juan Jesús Vivas bittet EU um Hilfe im Umgang mit Migration

Mehr als einen Monat nach dem Massenandrang von Menschen aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta ist die Lage dort nach offiziellen örtlichen Angaben nach wie vor »untragbar«. Ceuta sei »derzeit ein Dampfkochtopf, der jederzeit explodieren kann«, sagte Ceutas Stadtpräsident Juan Jesús Vivas laut der Nachrichtenagentur AFP auf einer Pressekonferenz im EU-Parlament in Brüssel. »Wir stehen am Rand des Zusammenbruchs«, wird er zitiert.

Juan Jesús Vivas bei einer Rede in Brüssel

Juan Jesús Vivas bei einer Rede in Brüssel

Foto:

Olivier Hoslet / EPA

Demnach rief Vivas die europäischen Institutionen zur Unterstützung der Exklave auf. Die Präsenz Europas an der Grenze müsse sichtbarer sein, forderte er, etwa durch die Grenzschutzagentur Frontex und die Europäische Asylagentur. Zudem solle Europa bei Infrastrukturmaßnahmen helfen, die zur »Stärkung der Grenze« erforderlich seien. Auch benötige Ceuta finanzielle Hilfe bei der Bewältigung der »humanitären Katastrophe«, sagte Vivas mit Verweis auf unbegleitete minderjährige Geflüchtete.

Am 30. und 31. Juli gelangten mehr als 72.000 Menschen, überwiegend Marokkaner, zu Fuß oder schwimmend aus Marokko nach Ceuta. Die meisten kehrten kurz darauf zurück oder wurden zurückgebracht. Nach Angaben der spanischen Zentralregierung hielten sich Anfang September noch etwa 5000 Menschen aus Marokko in der Exklave auf. Dutzende kamen bei dem Massenandrang ums Leben. (Lesen Sie hier mehr dazu. )

Vivas sagte am Dienstag, er könne nicht sagen, wie viele Geflüchtete noch in Ceuta seien. »Ich spreche von 5000, 10.000, 15.000 – aber wir kennen die Zahl immer noch nicht.«

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Ceuta mit seinen rund 84.000 Einwohnern ist ebenso wie Melilla eine spanische Exklave in Nordafrika. Sie sind somit die einzigen Orte innerhalb der EU mit einer Landgrenze zu Afrika. Für beide Orte gilt innerhalb des Schengenraums eine Sonderregelung. Wer von dort auf das spanische Festland oder in andere Teile des Schengenraums reist, wird grundsätzlich erneut kontrolliert. Marokko erhebt seit Langem Anspruch auf beide Städte, Spanien betrachtet sie als unverzichtbaren Bestandteil seines Staatsgebiets.

Konträre Aussagen von Vivas und Sánchez

Vivas warf Marokko vor, für den Massenandrang Ende Juli mitverantwortlich zu sein. Das Ereignis sei »nur durch die Komplizenschaft oder die Zustimmung Marokkos« möglich gewesen, betonte er. Es sei »unmöglich, 80.000 Menschen zu mobilisieren«, ohne dass die marokkanischen Behörden davon wüssten. Der Vorfall zeige, dass es »an Respekt gegenüber Ceuta, gegenüber Spanien und gegenüber der Europäischen Union fehlt«, sagte Vivas. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat nach dem Massenandrang eine Verantwortung Marokkos wiederholt zurückgewiesen. Dass Vivas sich konträr zu Sánchez äußern würde, war erwartet worden.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am selben Tag, die Behörde verfolge die Lage in Ceuta »sehr aufmerksam«. EU-Innenkommissar Magnus Brunner werde im Laufe des Tages mit Vivas und dem spanischen Außenminister José Manuel Albares zusammentreffen. Noch in dieser Woche sollen demnach Kommissionsvertreter in die spanische Exklave reisen. Parallel werde ein Antrag auf Nothilfe der spanischen Regierung geprüft, erläuterte der Sprecher.

atr/AFP