Eine beschädigte Oberleitung hat am Freitag für massive Störungen im Bahnverkehr in Niedersachsen gesorgt. Der Lokführer eines ICE auf dem Weg von Hamburg nach München habe kurz hinter dem Bahnhof Bardowick nahe Lüneburg gesehen, dass die Oberleitung abgerissen herabhing, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) der Nachrichtenagentur AFP. Daraufhin habe der Lokführer die Notbremse betätigt. Die Oberleitung sei dabei auf das Dach des ICE gestürzt.
In dem betreffenden ICE saßen rund 460 Reisende. Am späten Nachmittag wurden sie auf freier Strecke über Verbindungsstege direkt in einen anderen Zug evakuiert. Ein Notfallmanager der DB musste in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr zunächst die Oberleitung erden, um Stromschläge zu vermeiden. Die Fahrt ging dann am frühen Abend allerdings nicht nach München weiter, sondern zurück nach Hamburg, wie der Bundespolizeisprecher berichtete.
Weil es in dem stehenden Zug in der Sonne sehr warm geworden sei, hätten fünf Menschen medizinisch betreut werden müssen, sagte der Sprecher der Bundespolizei. Die Betroffenen hätten Kreislaufstörungen gehabt. Eine Person sei vorsorglich ins Krankenhaus gekommen.
Umleitung wegen Generalsanierung
Die Strecke wurde gesperrt, Fern- und Güterzüge wurden über Verden umgeleitet, wie die DB-Sprecherin weiter sagte. Wie lange die Strecke gesperrt werden muss, war zunächst unklar. Die Strecke zwischen Hamburg und Berlin führt aktuell unter anderem über Bardowick in der Nähe von Lüneburg, weil die eigentliche Strecke noch generalsaniert wird.
Die Ursache für den Schaden an der Oberleitung ist bislang nicht bekannt. Die Bundespolizei in Bremen teilte mit, sie ermittle in der Sache.
