SpOn 11.03.2026
11:02 Uhr

Deutsche Bahn: Strecke Hamburg-Berlin ab 14. Juni wieder vollständig in Betrieb


Die Bahn baut auf einer der wichtigsten Strecken des Landes und braucht dafür etwas länger als ursprünglich geplant. Nun steht aber ein neuer Zeitplan für die Wiedereröffnung. Der Überblick.

Deutsche Bahn: Strecke Hamburg-Berlin ab 14. Juni wieder vollständig in Betrieb

Nachdem sich die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg verzögerte, steht nun ein neuer Termin für die Wiedereröffnung fest: Am 14. Juni soll die Strecke wieder vollständig in Betrieb gehen, sechs Wochen später als ursprünglich geplant. Etwas schneller geht es in einer ersten Stufe auf dem nördlichen Streckenabschnitt von Hamburg bis Hagenow Land in Mecklenburg-Vorpommern: Dort sollen am 15. Mai wieder Züge fahren, wie die Deutsche Bahn mitteilte.

Damit sind vor allem Pendlerinnen und Pendler zwischen Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bis einschließlich 13. Juni weiter auf den Ersatzverkehr mit Bussen angewiesen. Fernzüge zwischen den beiden Metropolen werden bis dahin weiter umgeleitet. Ursprünglich sollten schon zum 1. Mai alle Züge wieder durchgehend auf dem Korridor fahren.

Der Zeitplan im Detail

Das gilt ab dem 15. Mai:

  • Zwischen Hamburg und Schwerin sowie weiter nach Rostock fahren die Regionalzüge der Bahn wieder durchgehend und nach gewohntem Fahrplan.

  • Auf allen weiteren Abschnitten bleiben die Einschränkungen auf den betroffenen Regionalverkehrslinien sowie der Ersatzverkehr mit Bussen erhalten. Das betrifft insbesondere den Regionalverkehr in Brandenburg.

  • Die Fernzüge zwischen Hamburg und der Ostsee fahren wieder auf dem üblichen Weg über Schwerin.

  • Der Fernverkehr zwischen Hamburg und Berlin wird weiterhin über Uelzen und Stendal umgeleitet – mit einer um rund 45 Minuten längeren Fahrzeit.

  • Damit Güterzüge umgeleitet werden können, wird auf den bisher nicht betroffenen Regionalzuglinien RE4 (Bützow–Lalendorf) sowie RE50 (Rostock-Langhagen) das Angebot reduziert.

Zum 14. Juni soll die gesamte Strecke zwischen Berlin und Hamburg wieder freigegeben werden. Die Fernzüge fahren dann wieder im planmäßigen Halbstundentakt, alle Regionalzüge auf ihren üblichen Linien. Der Ersatzverkehr mit Bussen wird überall eingestellt.

Verzögerungen wegen wochenlangen Frosts

Schon seit August ist der Abschnitt zwischen Hamburg und Berlin aufgrund einer umfassenden Sanierung vollständig gesperrt . Eigentlich sollten die Bauarbeiten bis Ende April abgeschlossen werden. Die Bahn hatte aber Mitte Februar darüber informiert, dass die Arbeiten länger dauern werden. Wochenlanger Frost im Januar und Februar hatte den Angaben zufolge zu erheblichen Verzögerungen geführt.

Hauptproblem war der Bahn zufolge, dass wegen des festgefrorenen Bodens über mehrere Wochen die Kabelschächte für die Leit- und Sicherungstechnik nicht ausgehoben werden konnten. Schwierig waren demnach aufgrund der Kälte auch Arbeiten an den Oberleitungen. Diese waren eigentlich für Januar geplant, was aufgrund der Witterung aber nicht möglich gewesen sei.

»Zumutung« mit Ersatzbussen

Die 280 Kilometer lange Strecke führt durch fünf Bundesländer und ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken in Deutschland mit täglich rund 30.000 Fahrgästen im Fernverkehr und insgesamt 470 Zügen pro Tag. Die Verzögerungen hatten vor allem bei den Landesregierungen Empörung ausgelöst.

Vor allem die Ungewissheit für die Fahrgäste stieß den Landeschefs auf. Die Deutsche Bahn brauchte rund einen Monat, bis sie einen neuen Zeitplan für die Sanierungsarbeiten erstellt hatte.

Hinzu kamen in den vergangenen Tagen Probleme mit den Ersatzbussen. Das Busunternehmen Ecovista hatte den Leasingvertrag für 200 moderne Fahrzeuge zu Ende Februar gekündigt und war über Nacht auf teils marode Gebrauchtbusse umgestiegen, Fahrten fielen aus. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprach gegenüber dem »Nordkurier« von einer »Zumutung«. Zudem ist unklar, wie der Ersatzverkehr im Mai und Juni organisiert wird. Die betroffenen Länder fordern, dass der Bund die Folgen der längeren Sperrung trägt. Zuletzt wies das Verkehrsministerium dies zurück.

Auch Strecke Hamburg–Hannover betroffen

Von den Verzögerungen sind auch die geplanten Bauarbeiten zwischen Hamburg und Hannover betroffen. Sie sollen nun wie geplant zum 1. Mai losgehen, aber ebenfalls stufenweise. Der Streckenabschnitt zwischen Celle und Hannover soll zum 1. Mai vollständig gesperrt werden. Auf dem Abschnitt Celle–Uelzen seien bis zum 14. Mai noch Güterzüge und auf dem Abschnitt Uelzen–Lüneburg noch Fern- und Güterzüge unterwegs. Erst ab dem 14. Juni werde die Strecke vollständig gesperrt, hieß es.

Die Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin ist Teil einer groß angelegten Modernisierung wichtiger Korridore. Bis Mitte der Dreißigerjahre sollen mehr als 40 viel befahrene und überalterte Strecken grundlegend saniert werden, sodass dort für jeweils rund fünf Jahre nicht mehr gebaut werden muss. Los ging es im Jahr 2024 auf der sogenannten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Die deutlich längere und kompliziertere Strecke Hamburg–Berlin galt als erste richtige Bewährungsprobe für das Sanierungskonzept.

Wenn der Korridor Mitte Juni in Betrieb geht, wird die Bahn dort eigenen Angaben zufolge 165 Kilometer Gleise und fast 250 Weichen sowie sechs neue Überleitstellen verlegt und gebaut haben. Sechs neue Stellwerke werden dann zudem entstanden sein, 19 weitere werden modernisiert. Hinzu kommt die Sanierung von 28 Stationen entlang der Strecke. Was fehlt, ist allerdings die Aufrüstung der Strecke mit der digitalen Zugleittechnik ETCS .

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Mit den Verzögerungen auf der Strecke sahen sich Kritiker des Sanierungskonzepts bestätigt. Bahn-Chefin Evelyn Palla verteidigte es jüngst gleichwohl als alternativlos.

lki/dpa